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Deutsche Börse

Wichtige Aktienkurse legten in der letzten Woche zu – obwohl sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen könnte.

(Foto: AFP)

Dax-Ausblick Anleger bauen auf das Prinzip Hoffnung – doch das ist trügerisch

Die konjunkturellen Aussichten trüben weiter ein – trotzdem klettern die Aktienkurse. Hoffen die Anleger auf die Unterstützung der expansiven Geldpolitik?
1 Kommentar

FrankfurtDer von US-Präsident Donald Trump immer wieder befeuerte Handelskonflikt mit Ländern aus nahezu jeder Region der Welt hinterlässt bereits konjunkturelle Spuren. Das zeigen die zuletzt schwächeren US-Arbeitsmarktzahlen und auch pessimistischere Wachstumserwartungen etwa der Weltbank.

Dennoch haben führenden Aktienindizes in der vergangenen Woche wie der deutsche Dax und der US-Leitindex Dow Jones deutlich zugelegt. Investoren verlassen sich offensichtlich voll darauf, dass die Notenbanken mit unterstützender Geldpolitik für gute Stimmung an den Börsen sorgen. Da aber positive Nachrichten von den politischen Konfliktherden fehlen, könnte sich das als trügerisch erweisen.

„Wenn der Handelskonflikt weiter eskaliert, werden auch die Notenbanken mit neuen expansiven Maßnahmen sinkende Aktienkurse nicht mehr verhindern können“, konstatiert Michael Bissinger, Analyst der DZ Bank. Auch Robert Greil, Chef-Anlagestratege der Bank Merck Finck, stellt fest, dass „an den Finanzmärkten vorerst weiterhin das Prinzip Hoffnung dominiert“. Die Konjunkturdaten seien „bestenfalls gemischt“, bei den politischen Themen, die für die Märkte wichtig seien wie bei den Handelskonflikten oder beim Brexit, gebe es bisher keine echten Fortschritte geschweige denn seien Lösungen in Sicht.

Vielmehr droht nach Ansicht von Strategen eine Zuspitzung der Auseinandersetzungen trotz einiger vordergründiger Entspannungssignale: So haben die USA die von Trump angedrohten Strafzölle auf Warenimporte aus Mexiko zunächst „auf unbestimmte Zeit“ verschoben, weil beide Länder eine Einigung im Grenzstreit erzielt hätten, wie der US-Präsident am Samstag auf Twitter schrieb. Und die geplante Erhöhung der Importzölle auf bestimmte chinesische Waren hat Trump um zwei Wochen auf den 15. Juni verschoben. Gleichwohl sorgten mögliche chinesische Gegenmaßnahmen auf Trumps jüngste Provokationen gegen das Land für zusätzliche Aufregung, meint Bissinger – etwa ein möglicher restriktiver Export Chinas von seltenen Erden. Nach Aussagen des US-Handelsministeriums könnte ein Verkaufsstopp von chinesischen und russischen seltenen Erden „massive Erschütterungen“ in den USA und bei ausländischen Versorgungsketten auslösen.

Die Weltbank sieht den Handelskonflikt bereits als ein großes Risiko und macht sich Sorgen über den Zustand der Weltwirtschaft, wie Bissinger berichtet. In der vergangenen Woche hat die Bank bekannt gegeben, dass sie eine deutliche Verlangsamung des Wachstums erwartet und geht nun von einem Wachstum des Welthandels 2019 von nur 2,6 Prozent aus. Dies ist ein ganzer Prozentpunkt weniger als noch im Januar erwartet wurde. Im Jahr 2018 betrug dieses Wachstum gut vier Prozent.

Arbeitsmarkt bleibt hinter Erwartungen zurück

Auch die schwachen US-Arbeitsmarktdaten führen Ökonomen auf die Handelskonflikte der USA mit dem Rest der Welt zurück. So warnt Volkswirt Matthias Krieger von der Landesbank Baden-Württemberg: „Trump spielt mit dem Feuer“. Die Regierung in Washington meldete für Mai nur 75.000 neue Stellen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen mit einem Plus von 185.000 gerechnet.

Kopfschmerzen bereitet Anlegern außerdem das Kräftemessen zwischen Italien und der EU-Kommission. Wegen der hohen Staatsverschuldung droht die Brüsseler Behörde der Regierung in Rom offiziell mit einem Defizit-Verfahren, das milliardenschwere Strafzahlungen nach sich ziehen könnte. Eine Eskalation des Haushaltsstreits zwischen Brüssel und Rom dürfte die Verunsicherung der Investoren weiter erhöhen, meint Daniel Lenz, Analyst der DZ Bank.

Am Anleihemarkt werden die Gefahren vorweggenommen: Investoren bewerten das Risiko italienischer Staatsanleihen inzwischen nahezu so hoch wie das griechischer Staatsanleihen gleicher Laufzeit. Steigende Risikoprämien bergen zusätzliche Risiken für Italiens finanzielle Stabilität.

Mit Sorge blicken Investoren ebenfalls nach Großbritannien, wo Boris Johnson Premierministerin Theresa May beerben könnte. Strategen rechnen damit, dass der ehemalige Außenminister und Brexit-Hardliner auch sicher Stimmen der moderaten Konservativen der Tory-Partei bekommt. Das dürfte vor allem das britische Pfund Sterling belasten. Denn unter Johnsons Führung steigt nach Ansicht von Experten die Gefahr eines ungeordneten EU-Ausstiegs.

In der vergangenen Woche legten die führenden Aktienindizes zu dank Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung der US-Notenbank Fed. Der deutsche Dax stieg per Saldo 2,7 Prozent und schloss wieder oberhalb der Marke von 12.000 Punkten bei 12.045 Zählern. Der Euro-Zonen-Leitindex Euro Stoxx 50 kletterte knapp drei Prozent, der US-Index Dow Jones sogar um 4,7 Prozent.

Neue „Großwetterlage“ bei Notenbanken

Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der Fed bereits auf ihrer nächsten Sitzung am 19. Juni kalkulieren Investoren bisher zwar nur mit 24 Prozent. Doch in diesem Jahr erwarten auch viele Strategen gleich mehrere Zinsschritte nach unten. So hat Christoph Rieger, Chef des Anleiheresearch bei der Commerzbank, keinen Zweifel daran, dass die Fed ihre Zinsen senkt.

Er erkennt eine „neue Großwetterlage“ bei der Geldpolitik der Notenbanken. „Der Handelsstreit hat eine neue Dimension erreicht, die Fed ist offen für eine präventive aggressive Lockerung“, analysiert Rieger. Er rechnet daher damit, dass die US-Notenbank bis Mitte 2020 die Zinsen drei Mal um jeweils 0,25 Prozentpunkte herunter nimmt.

Vor diesem Hintergrund warten Investoren gespannt auf verschiedene wichtige Konjunkturdaten in der kommenden Woche – wie auf die US-Verbraucherpreise am Mittwoch und Einzelhandelsumsätze des Landes am Freitag. „Die anstehenden US-Konjunkturdaten sollten belegen, dass der Aufschwung anhält, von einem Inflationsschub aber keine Rede sein kann“, erwartet Christoph Balz, Stratege der Commerzbank. In der Euro-Zone werde die Rezession in der Industrie anhalten, meint er. Erkenntnisse dazu dürften am Donnerstag Zahlen zur Industrieproduktion in der Währungsgemeinschaft liefern.

mit Material von Reuters

Mehr: Neue US-Strafzölle gegen Mexiko sind vorerst vom Tisch. Doch der Kompromiss, auf den sich beide Seiten geeinigt haben, ist eine Scheinlösung.

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1 Kommentar zu "Dax-Ausblick : Anleger bauen auf das Prinzip Hoffnung – doch das ist trügerisch"

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  • Sehr geehrte Frau Rezmer,

    für Ihr "Prinzip Hoffnung" liefern Sie in Ihrem Artikel die passenden Zahlen: Sie zitieren die Prognose der Weltbank, danach wird die Weltwirtschaft dieses Jahr um 2,6 % wachsen.

    Wir würden uns natürlich mehr wünschen. Aber ungeachtet unserer Wünsche ist schlicht festzustellen, dass es nicht etwa eine Rezession, sondern Wirtschaftswachstum geben soll. Das ist auch die Ansicht aller Forschungsinstitute und internationaler Organisationen.

    Selbstredend KANN es auch anders kommen. Eine Garantie für Wirtschaftswachstum gibt es nicht. Aber solche Garantien gibt es an der Börse ohne hin nicht. Garantien gibt es im übrigen bei keiner Geldanlage. Nicht einmal, wenn Sie Ihr Geld in die Matraze einnähen.

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