Dax-Ausblick Anleger suchen in der neuen Börsenwoche händeringend nach neuen Impulsen

Die Fed hat zuletzt das Geschehen an der Börse geprägt. Auch in der kommenden Woche dürften vor allem Konjunkturdaten aus den USA die Märkte bewegen – offen bleibt die Richtung.
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Die Zentralbank stellte eine weitere Zinserhöhung Ende des Jahres in Aussicht. Quelle: dpa
Gebäude der US-Notenbank Fed in Washington

Die Zentralbank stellte eine weitere Zinserhöhung Ende des Jahres in Aussicht.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Aussicht auf eine noch straffere Geldpolitik in den USA hat die Börsen zum Wochenschluss ausgebremst. Die US-Notenbank Fed hatte die Leitzinsen am Donnerstag unverändert bei 2,0 bis 2,25 Prozent belassen. Sie bescheinigte der Wirtschaft jedoch ein hohes Wachstumstempo und ließ sich damit die Tür für eine weitere Erhöhung im Dezember offen. Die Spekulationen über stärkere Zinserhöhungen in den USA dürften auch in der kommenden Woche die Märkte beeinflussen.

Grund für die Spekulationen sind das starke Wirtschaftswachstum in den USA und die sinkende Arbeitslosigkeit. Im dritten Quartal ist die US-Wirtschaft um 3,5 Prozent gewachsen. Das war zwar etwas weniger als im zweiten Quartal, wo der Wert sogar bei 4,2 Prozent lag, aber immer noch sehr robust. Zudem lag die Arbeitslosenquote im Oktober bei 3,7 Prozent – und damit auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 1969.

Bislang hat sich die sehr gute Wirtschaftslage und die niedrige Arbeitslosigkeit in den USA noch nicht so stark auf Löhne und Inflation ausgewirkt. Allerdings gab es zuletzt Anzeichen, dass vor allem die Löhne nun stärker steigen. Je besser sich die US-Konjunktur entwickelt, desto größer die Inflationsrisiken – und desto stärker der Druck auf die Fed, die Zinsen schneller anzuheben.

Mit Spannung blicken Anleger daher auf neue Konjunkturdaten aus den USA, die in der kommenden Woche erscheinen. Am Mittwoch kommen die US-Verbraucherpreise für Oktober. Analysten erwarten, dass die Inflation wegen deutlich höherer Energiepreise auf 2,5 Prozent gestiegen sein könnte. Zuletzt hatten sich Preise um 2,3 Prozent verteuert.

Am Donnerstag dann folgen die Einzelhandelsumsätze für Oktober. Hier wird nach zuvor schwächeren Monaten ebenfalls ein deutliches Plus erwartet. Am Freitag bilden die Zahlen zur Industrieproduktion den Abschluss. Auch hier wird ein Zuwachs gegenüber dem Vormonat erwartet.

Neben der US-Konjunktur gilt der Blick der Anleger in der kommenden Wochen zudem dem Ölpreis, der in dieser Woche auf Talfahrt gegangen ist. Am Freitag sank der Preis für die Nordseesorte Brent unter die psychologisch wichtige Grenze von 70 Dollar. Dagegen wurde vor wenigen Wochen noch diskutiert, wann die Marke von 100 Dollar fallen würde.

Die Sorgen der Anleger vor einem stotternden Wirtschaftsmotor und einem Überangebot an Rohöl hinterlassen am Ölmarkt aber immer stärkere Spuren. Inzwischen gibt es jedenfalls Spekulationen über Förderkürzungen des Erdölkartells OPEC. Diese könnte das regelmäßig tagende Monitoring Komitee, das die Einhaltung der Förderquoten überwacht, empfehlen oder die OPEC selbst auf ihrer nächsten Sitzung am 6. Dezember in Wien. Weitere starke Schwankungen beim Ölpreis sind jedenfalls in der kommenden Woche möglich.

Bilanzsaison geht zu Ende

Auch wegen der zahlreichen Bilanzen, die in der neuen Woche erwartet werden, dürfte die Stimmung gedämpft bleiben. Viele Firmen kappten in den vergangenen Tagen ihre Prognosen und erwischten Investoren dabei auf dem falschen Fuß – unter anderem sandte Thyssen-Krupp Schockwellen durch die Märkte.

Die Berichtssaison nähere sich jedoch dem Ende und der Druck auf die Kurse durch solche Umsatz- und Gewinnzielsenkungen nehme ab, erklärt Stefan De Schutter vom Broker Alpha Trading. „Die Frage wird sein, ob sich die Anleger endlich ein Herz fassen und in den letzten sechs Wochen des Jahres noch mal versuchen, das schlechte Dax-Ergebnis dieses Jahres zu verbessern.“

In die Bücher blicken lassen sich aus dem Dax sieben Konzerne, außerdem zahlreiche Unternehmen aus der zweiten und dritten Börsenliga. Infineon, Lanxess und Talanx machen den Aufschlag am Montag. Am Dienstag folgen unter anderem Bayer, Innogy, Uniper und die Aareal Bank. Zur Wochenmitte legen dann aus dem Dax Merck, Linde, RWE und Eon ihr Zahlenwerk vor. Henkel folgt am Donnerstag.

Ein Unsicherheitsfaktor für Investoren sei durch die Kongresswahlen in den USA inzwischen aus dem Weg geräumt, sagt James Athey vom Vermögensverwalter Aberdeen Standard. Allerdings werde es noch eine Weile dauern, bis Anleger die wirtschaftlichen Folgen der politischen Spaltung in den USA konkret verstünden. Nun fürchten Experten etwa eine Eskalation im Handelsstreit.

Mit Reuters

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