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Dax-Ausblick Der unerwartete Aufschwung hat seine Tücken

Zuletzt haben sich die Warnzeichen vor einer Konjunkturdelle gemehrt. Trotzdem laufen die Börsen hervorragend. Auch Skeptiker erwarten keine Rezession.
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Panik ist an den Börsen fehl am Platz. Quelle: dpa
Bär und Bulle

Panik ist an den Börsen fehl am Platz.

(Foto: dpa)

FrankfurtWie gut die Aktienmärkte wirklich laufen, das hat kaum ein Anleger auf der Rechnung. Die Analysten der Bank of America Merrill Lynch machen jetzt mit einem etwas marktschreierischen Satz darauf aufmerksam. Sie bringen das Jahr 2019 auf die Kurzformel: „Das beste Aktienjahr aller Zeiten.“

Nun ist das Jahr aber noch nicht beendet. Die Analysten haben die bisherigen Kursgewinne an den weltweiten Märkten auf das Gesamtjahr hochgerechnet. So kommen sie auf ein sattes Plus von knapp 68 Prozent. Das sei sogar besser als der bisherige Rekordhalter: das Jahr 1933.

Auch der Deutsche Aktienindex lief stramm nach oben. Er schaffte bis zum Wochenende im bisherigen Jahresverlauf respektable 13 Prozent. In den vergangenen Wochen beflügelte vor allem die Aussicht auf eine weiter lockere Geldpolitik der wichtigen Notenbanken in den USA und der Euro-Zone.

Der unerwartete Aufschwung nach den heftigen Rückschlägen Ende vergangenen Jahres hat jedoch seine Tücken. Die globale Konjunkturdynamik wird schwächer. „Natürlich kommen damit auch sofort Ängste vor einer globalen Rezession auf“, analysiert Stefan Bielmeier von der DZ Bank. Doch er urteilt: „Man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. So schlimm ist die Lage aus meiner Sicht nicht.“

Eine wirtschaftliche Talfahrt könnte die Unternehmen und deren Gewinne belasten. Dieser Gedanke steckt hinter der Sorge vor einer Konjunkturdelle. Die zuletzt gemeldeten Auftragseingänge für die deutsche Industrie waren schlecht. Dagegen fielen die am Freitag veröffentlichten Zahlen für das produzierende Gewebe gut aus.

„Der Start ins neue Jahr war datenseitig wirklich holprig“, resümiert Stefan Kipar von der BayernLB die Lage. Die Vorgaben für die Industrie in den kommenden Monaten blieben damit zwar kraftlos: „Angesichts der noch hohen Auftragsbestände ist aber Panik fehl am Platze.“

Brexit bleibt ein Risiko

Die am Wochenende zuletzt veröffentlichten Daten kamen am Freitag vom US-Arbeitsmarkt. Die stabile Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent nennt Thomas Gitzel von der VP Bank „schlichtweg solide“. Für ihn ist die Angst vor einer Rezession auch angesichts solcher Zahlen übertrieben: „Da soll noch einer sagen, es liefe in der US-Wirtschaft nicht.“

Aus der nationalen deutschen Sicht bleibt zusätzlich das Verhalten Großbritanniens im Fokus. Der BayernLB-Mann schätzt die Lage so ein: „Sofern sich nicht der Brexit durch einen ungeordneten No-Deal als Bremsanker für die Konjunktur entwickelt, dürften für Deutschland positive Wachstumsraten im Jahresverlauf zu Buche stehen.“

Eine potenzielle Wirtschaftsbelastung wäre auch eine Eskalation des Disputs zwischen Washington und Peking. Doch Analysten von M.M.Warburg glauben: „Es sieht danach aus, als ob der Handelsstreit zwischen China und den USA zu einem positiven Ende kommen könnte und zum anderen die Konjunkturmaßnahmen der chinesischen Regierung die Auslandsnachfrage in Zukunft wieder stützen.“

Ernst Konrad vom Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz findet noch andere Kaufargumente. Anleger würden seit fast einem Jahr europäische Aktienfonds verkaufen, was seit der Finanzkrise nicht mehr vorgekommen sei. Außerdem wären Wetten auf fallende Kurse in Europa die populärste Strategie bei Hedgefonds. Es sind seiner Meinung nach also so viele negative Einflüsse in den Kursen enthalten, „das europäische und deutsche Aktien deshalb für die nächsten Monate das größere Potenzial haben.“

Unter diesen Voraussetzungen werden Anleger die anstehenden Wirtschaftsdaten in der kommenden Woche besonders beachten. Montag stehen die US-Auftragseingänge auf dem Tageskalender. Am Mittwoch rücken US-Inflationszahlen in den Blick. Von der EZB-Sitzung erwarten Ökonomen keine wichtigen Entscheidungen.

Am Donnerstag folgen deutsche Inflationsdaten sowie Informationen zum US-Arbeitsmarkt. Schließlich blicken die Börsianer am Freitag auf die Handelsbilanz Chinas. Am gleichen Tag sind auch die Angaben zum US-Verbrauchervertrauen ein wichtiger Datenpunkt.

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1 Kommentar zu "Dax-Ausblick: Der unerwartete Aufschwung hat seine Tücken"

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  • Sehr geehrter Herr Narat,

    aus der Sicht der Anlageberater, die ein Eigeninteresse am Verkauf von Aktien haben, scheint das Leben erst mit dem 1. Januar 2019 begonnen zu haben. Also füge ich die weggelassenen Puzzleteile einmal ein.

    Im Jahr 2018 hatten wir gewaltige geopolitische Risiken. Zunächst das Risiko, dass sich der Handelskrieg zwischen den beiden wirtschaftlichen Weltmächten USA und China ausweiten und verschärfen könnte. Dass die FED ihren Kurs rascher Leitzinserhöhungen beibehält. Dass es zu einem harten Brexit kommt.

    Diese und andere geopolitischen Risiken hatten das Zeug, die Weltwirtschaft in eine Rezession zu stürzen.
    Diese Furcht schlug sich zunächst einmal in der realen Wirtschaft nieder. Verbraucher und Investoren reagierten auf die gewaltigen Risiken verunsichert und verschoben nicht notwendige Ausgaben. Das bremste in vielen Ländern den wirtschaftlichen Aufschwung so stark, dass sie nur mit knapper Not an einer Rezession vorbeischrammten. Am schlimmsten erging es den industriellen Teilen der Volkswirtschaften. Mit ins Bild gehören aber auch die Erwartungen für das Jahr 2019. Alle bekannt gewordenen Prognosen strichen die Wachstumserwartungen stark zusammen. Für 2019 wird nunmehr allenthalben ein "Mini-Wachstum" erwartet, das kaum mehr als eine Stagnation ist.

    Doch zurück zum abgelaufenen Jahr. Die geopolitischen Risiken verunsicherten auch die Börsianer. Viele Aktienmärkte entwickelten sich deshalb zu Bärenmäkten und bescherten herbe Verluste.
    Aber gegen Ende 2018 wurde immer deutlicher, dass die Gefahren der geopolitischen Risiken zunehmend in den Hintergrund traten. Die Handelsgespräche zwischen den USA und China signalisierten Chancen auf eine baldige Einigung. Und die FED hatte die zu große Straffheit ihres geldpolitischen Kurses geändert. Deshalb schossen auch die Aktienkurse seit Anfang 2019 in die Höhe. Ob diese Rally weitergehen oder bald versanden wird, hängt ab von der realen Wirtschaft. Wird sie wieder Fahrt aufnehmen oder nicht?