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Blick über Riga

Der EZB-Rat trifft sich in der kommenden Woche in der lettischen Hauptstadt.

(Foto: dpa)

Dax-Ausblick Die Märkte bleiben im Bann der Geldpolitik

In der kommenden Woche stehen gleich mehrere Zinsentscheidungen an. In Europa blicken die Märkte besonders auf die neue Regierung in Italien.
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FrankfurtWenn es um gewichtige Marktbewegungen geht, dann denken wohl nur die wenigsten Investoren und Anleger an Riga. In der kommenden Woche werden sie die lettische Hauptstadt aber genau im Blick haben. Denn hier kommen die Direktoriumsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) zu ihrer nächsten Ratssitzung zusammen – wie in jedem Jahr mindestens einmal jährlich nicht am Sitz der Zentralbank in Frankfurt, sondern in einem der Mitgliedsländer.

Ebenso die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Dienstag und Mittwoch) und die Bank of Japan (Donnerstag und Freitag) kommen zu ihren Ratssitzungen zusammen. Die Märkte werden in der kommenden Woche daher ganz im Bann der Geldpolitik stehen.

Von der Federal Reserve erwartet das Gros der Marktteilnehmer eine weitere Leitzinserhöhung, und zwar auf eine Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Es wäre bereits der siebente Zinsschritt seit Dezember 2015. Die Fundamentaldaten in den USA sprechen für den Schritt. So ist nicht zuletzt die Inflation bei 2,5 Prozent deutlich über dem anvisierten Zwei-Prozent-Niveau.

Am Dienstag werden die Inflationszahlen für Mai veröffentlicht. Zuletzt war die Arbeitslosenquote in den USA zuletzt unter vier Prozent gefallen, auf den niedrigsten Stand seit 2000. Große Verwerfungen wird der Zinsschritt in den USA, so er denn auch kommt wie erwartet, aber nicht verursachen: Er dürfte weitestgehend eingepreist sein.

Anders sieht die Lage bei der EZB aus. Schon seit längerem erwarten die Marktbeobachter, dass die EZB ihre milliardenschweren Anleihekäufe, die in der Spitze 80 Milliarden Euro pro Monat betrugen, zum Jahresende auslaufen lassen wird. Im Moment kauft die Notenbank monatlich noch Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro, das Programm endet im September.

Fest steht: EZB-Präsident Mario Draghi will das Anleihekaufprogramm nicht abrupt enden lassen, was für eine weitere Drosselung der Käufe spricht, bevor sie tatsächlich auslaufen.

Der Euro im Fokus

Wie wird die EZB nun weiter vorgehen? Die Analysten der Banken erhoffen sich von der Ratssitzung am Donnerstag in jedem Fall Hinweise, wenn nicht sogar eine Ankündigung. „Die anstehende EZB-Ratssitzung verspricht spannend zu werden“, kommentieren die Analysten der DZ-Bank.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, in einer Rede angekündigt, dass die Ratsmitglieder auf der kommenden Sitzung über die Fortsetzung des Anleihekaufprogramms diskutieren werden. Schon zu diesem Zeitpunkt waren Ausschläge an den Märkten zu spüren, genauer genommen: beim Euro.

Die europäische Gemeinschaftswährung war in den vergangenen Wochen vor allem im Vergleich zum US-Dollar unter Druck geraten, fiel von 1,24 Dollar je Euro zeitweise unter 1,16 Dollar je Euro. Praets Rede machte Euro-Anlegern Mut. Trotz der anhaltenden Unsicherheit, wie sehr die neue populistische Regierung in Italien die Eurozone belasten könnte, kletterte der Euro um einen Cent wieder über 1,17 Dollar.

Ob selbst eine konkrete Ankündigung der EZB genügt, um den zuletzt insgesamt schwächeren Euro wieder zu stärken, bleibt jedoch offen. Kit Juckes, Devisenstratege der Société Générale jedenfalls möchte nicht ausschließen, dass der Euro nicht doch noch einmal auf 1,15 Dollar fällt.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer rechnet jedenfalls damit, dass die EZB am Donnerstag ankündigen wird, die Anleihenkäufe bis zum Jahresende einzustellen – und dabei auf einen positiven Inflationsausblick verweist. Ob die Notenbank diesen Beschluss aber tatsächlich schon in der kommenden Woche fasst oder nicht doch auf die nahe Zukunft verschiebt, ist freilich noch unklar.

Von einer Zinsanhebung bleibt die Notenbank indes weit entfernt. „Die EZB wird die Zinsen nicht vor Sommer 2019 erhöhen“, sagte Krämer am Freitag in Frankfurt. „Und sie wird alles daran setzen, dies nicht als Beginn eines klassischen Zinserhöhungszyklus darzustellen.“

Von der dritten großen Zentralbank, die in der kommenden Woche zur Ratssitzung zusammenkommt, wird keine Veränderung erwartet. Die ultraexpansive Geldpolitik in Japan mit einem Leitzins von -0,1 Prozent dürfte noch auf absehbare Zeit Bestand haben, glaubt die Postbank.

„Europas Anleger haben diese Woche nur zögerlich bei Aktien zugegriffen. Neben dem sich zuspitzenden Handelskonflikt zwischen den USA und Europa sorgte insbesondere die politische Situation in Italien weiter für Verunsicherung“, erklären die Analysten der LBBW Asset Management. Der Dax schloss gegenüber der Vorwoche nahezu unverändert bei 12.767 Zählern. Der EuroStoxx schloss ebenso kaum verändert im Vergleich zur Vorwoche bei 3.447 Zählern.

Für die Technologiewerte in TecDax und Nasdaq ging hingegen eine Rekordwoche zu Ende. Der TecDax kletterte zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit seiner Einführung im Jahr 2003 – auf 2843 Punkte. Der Nasdaq kletterte auf bis zu 7143 Zähler.
Bewegung gab es auch bei Staatsanleihen, nicht zuletzt wegen der populistischen italienischen Regierung.

Während die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenverlauf zeitweise über 0,5 Prozent kletterte, erhöhte sich der Risikoaufschlag für italienische Papiere beträchtlich: Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe Italiens kletterte von 2,56 auf 3,1 Prozent.

Außerdem stehen eine Reihe von Konjunkturdaten in der kommenden Woche an: Am Montag gibt das ZEW seine Konjunkturerwartungen für die Eurozone bekannt. Am Freitag stehen die Inflationsdaten für die Eurozone auf dem Programm sowie Daten zur amerikanischen Industrieproduktion. Bereits am Donnerstag werden Daten zur chinesischen Industrieproduktion im Mai veröffentlicht.

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