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Dax-Ausblick Die neue Börsenwoche wird zeigen, wie ernst die Rezessionsgefahren wirklich sind

Rezessionsängste lassen die Börsenkurse fallen. Verdichten sich die Anzeichen, wären die Aktienmärkte weiter belastet. Andere Risiken sind weniger kalkulierbar.
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Die deutsche Industriestimmung befindet sich auf dem Niveau der Euro-Krise 2012, sagt Kapitalmarktanalyst Halver. Quelle: dpa
Anzeigetafel im Handelssaal der Frankfurter Börse

Die deutsche Industriestimmung befindet sich auf dem Niveau der Euro-Krise 2012, sagt Kapitalmarktanalyst Halver.

(Foto: dpa)

Frankfurt Das Börsenjahr 2019 verläuft gut – bisher. Die vorläufige Bilanz zeigt im bisherigen Jahresverlauf deutliche Gewinne an vielen Märkten. Der Dax etwa hat seit Jahresbeginn zehn Prozent zugelegt – einem schwachen Börsenjahr 2018 und allen anhaltenden geopolitischen Sorgen zum Trotz.

Doch seit Juli haben die Kurse den Rückwärtsgang eingeschaltet. Investoren nehmen nun vor allem die Risiken wahr. Robert Halver, Kapitalmarktanalyst bei der Baader Bank, begründet das so: „Der Anlegerfokus liegt momentan auf der angeschlagenen Konjunktur. Die deutsche Industriestimmung befindet sich auf dem Niveau der Euro-Krise 2012, leidet also an Depressionen.“ Die Entlassungen in den klassischen Industriebranchen passten in dieses Bild.

Die eigentliche Ursache der eingetrübten Stimmung liegt aber woanders. Es geht um die Gefahr für die globale Konjunktur. Stefan Bielmeier, Chef-Volkswirt der DZ Bank, kennt die Ursache: „Der Handelsstreit entwickelt sich zu einem endlos erscheinenden Hin und Her von Zollerhöhungen durch die US-Regierung und Gegenreaktionen der chinesischen Regierung.“

Entwicklungen jeder Art im Handelsstreit, ob positiv oder negativ, beeinflussen die Kurse massiv. Anleger sorgen sich, der Streit könnte noch weiter eskalieren und für eine weitere Konjunkturabkühlung sorgen – das lässt die Börsen weltweit regelmäßig deutlich abstürzen. Beim Dax etwa war es am vergangenen Freitag wieder soweit: Nachdem China neue Strafzölle auf US-Produkte angekündigt hatte, war die gute Stimmung auf dem Parkett dahin.

Die Reaktion aus den USAGegenmaßnahmen in Form erhöhter Zölle auf Importe aus China, wie erwartet – ließ nicht lange auf sich warten und trug zur weiteren Verunsicherung bei. Investoren fürchten eine weitere Konjunkturabkühlung.

An den US-Märkten sorgte der scharfe Ton von US-Präsident Donald Trump, der sich auf Twitter regelrecht austobte und gegen die Regierung in Peking wetterte, erst recht für große Abschläge. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte etwa verlor in der Folge 600 Punkte oder 2,4 Prozent. Auch der breiter gefasste S&P 500 und der Tech-Index Nasdaq brachen ein.

Der G7-Gipfel im französischen Biarritz soll nach Möglichkeit eine Annäherung zwischen Europa und Trump liefern. Auch wenn China nicht dabei ist, hoffen Anleger aus diesem Gipfel weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wie es um die aktuelle Situation steht. Die europäischen Partner haben bereits mehrfach signalisiert, eine Eskalation der Streitigkeiten um jeden Preis vermeiden zu wollen.

Das hatte Gastgeber Emmanuel Macron bei einem gemeinsamen Essen mit Trump erneut eingehend thematisiert. Auch der neue britische Premier Boris Johnson will Trump zur Deeskalation bewegen. „Ich bin sehr besorgt über die Entwicklung, die Zunahme des Protektionismus, der Zölle“ , sagt er. Das beschreibt die Stimmung an den Börsen ganz gut.

Die Angst bleibt

Unter diesen Vorzeichen sollten die Anleger die anstehenden Ereignisse und Wirtschaftsdaten der neuen Handelswoche besonders genau in Augenschein nehmen. Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, glaubt: „Da die Konjunkturzahlen weiterhin bestenfalls gemischt ausfallen dürften, werden die Aktienmärkte angesichts damit anhaltender Rezessionsängste bei weiter hohen politischen Risiken volatil bleiben.“

Ähnlich denkt Benjamin Melman, Chef-Anlagestratege bei Edmond de Rothschild Asset Management. Die jüngsten Daten aus Deutschland und China spiegelten bereits wider, dass sich die Konjunkturen eintrübten. Melman erinnert: „Wir haben schon am 2. August die Anteile europäischer Aktien in unsren Portfolios gesenkt.“

Die anstehenden Daten dürften die Markttendenzen beeinflussen. Am Montag steht Deutschland im Mittelpunkt. „Der Ifo-Index wird einen weiteren Beleg dafür liefern, dass sich die deutsche Wirtschaft in einer Rezession befindet“, urteilt Philippe Wächter, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Ostrum Asset Management. Andere Umfragen für August hätten bereits in diese Richtung gedeutet. Der hiesige Arbeitsmarkt verliere bereits an Dynamik. Am Montag folgen noch Daten zu den US-Auftragseingängen.

Der Dienstag ist beherrscht von den endgültigen Zahlen zum deutschen Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. Dazu kommen neueste Daten zum US-Verbrauchervertrauen. Am Mittwoch nehmen die Anleger das GfK-Verbrauchervertrauen in den Blick.

Für Donnerstag sind Daten zum deutschen Arbeitsmarkt und zur Inflation sowie zum Wirtschafts- und Konsumentenvertrauen in der Eurozone vorgesehen. Am Freitag klingt die Woche mit einer Fülle von Datenveröffentlichungen aus: Verbraucherpreise und Arbeitslosenquote in der Eurozone, in den USA folgen Konsumausgaben, Einkaufsmanagerindex und das Verbrauchervertrauen.

In Sachen Geldpolitik sind Anleger nicht wirklich schlauer. Das Treffen der wichtigsten Notenbanker der Welt in Jackson Hole sollte eigentlich Aufschluss über den künftigen Kurs der US-Notenbank Federal Reserve liefern. Doch Fed-Chef Jerome Powell hielt sich gewohnt bedeckt. Wirkliche Hinweise darauf, ob die Notenbank den Leitzins bei der kommenden Sitzung erneut senken wird, gab er nicht.

US-Präsident Donald Trump kritisierte im Anschluss an das Notenbanker-Treffen den Fed-Chef scharf. Er polterte bei Twitter: „Meine einzige Frage ist: Wer ist unser größerer Feind, Jay Powell oder der Vorsitzende Xi?“ Schon im Vorfeld hatte Trump Powell mehrfach persönlich attackiert und auf eine deutliche Zinssenkung gedrängt. Die wütende Reaktion des US-Präsidenten nach dem Auftritt in Jackson Hole dürfte den Fed-Chef also kaum überrascht haben.

Mehr: Schwere Zeiten für Anleger: Die „America first“-Strategie nimmt enormen Einfluss auf Konjunktur und Börsen. Investoren dürfen nicht nervös werden.

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