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Dax-Ausblick Die Stimmung an den Märkten ist besser als die Lage

Die Aktienkurse sind international auf Rekordjagd gegangen. Doch Bankstrategen zweifeln an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs. Denn viele Risiken sind noch nicht ausgestanden.
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Die internationalen Aktienmärkte verzeichnen derzeit immer neue Kursgewinne. Quelle: dpa
Frankfurter Bankenskyline

Die internationalen Aktienmärkte verzeichnen derzeit immer neue Kursgewinne.

(Foto: dpa)

Frankfurt Mitunter reicht es aus, nur weniger schlechte Nachrichten zu hören, um gute Laune zu bekommen. Ein weiter verschobener Brexit und wieder einmal vage Hoffnungen auf eine Vereinbarung im Handelsstreit haben Anleger am Aktienmarkt in Kaufstimmung versetzt.

Die aktuellen Zahlen zur Konjunktur sprechen dagegen eine andere Sprache: Zwar wurden am vergangenen Freitag noch positive Zahlen zum US-Arbeitsmarkt verkündet, doch die aktuellen Quartalsberichte sind weniger beeindruckend. Im dritten Quartal fielen die Geschäfte der Firmen eher mau aus, Unsicherheiten bremsten die Investitionen.

Die internationalen Finanzmärkte trotzten dem aber. Am vergangenen Freitag haben starke Arbeitsmarktdaten sowie Hoffnungen auf den Abschluss eines Teilabkommens im Handelsstreit zwischen den USA und China die US-Börsen auf Rekordhochs getrieben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte überwand erstmals wieder seit Mitte September die Marke von 27.300 Punkten.

Damit hat es auch der Wall-Street-Index nicht mehr weit bis zu seinem im Juli erreichten Rekordhoch bei knapp unter 27.400 Punkten. Der marktbreite S&P 500 und der Nasdaq-Auswahlindex 100 erreichten ebenfalls Rekordhöhen.

Die US-Wirtschaft hatte im Oktober deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. „Dass die Arbeitslosenquote in der Nähe ihres 50-Jahrestiefs stagniert, ist ein starkes Zeichen für die Robustheit der US-Wirtschaft“, die den Handelskonflikt mit China bislang „erstaunlich gut weggesteckt“ habe, sagte Analyst Thomas Altmann von QC Partners. Auch starke Konjunkturdaten aus China hellten die Stimmung zum Wochenschluss auf. Chinas Industrie wuchs im Oktober so stark wie zuletzt vor zwei Jahren.

Ausgereiztes Potenzial

Auch außerhalb des US-Marktes konnten sich Anleger zum Schluss der Handelswoche auf Kursgewinne freuen. Der deutsche Leitindex Dax kam am Freitag bis auf acht Punkte an die 13.000er-Marke heran und ging mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 12.961 Punkte aus dem Handel. Der Euro-Zonen-Leitindex EuroStoxx50 gewann 0,5 Prozent auf 3623 Zähler.

Bankstrategen aber bezweifeln, dass die Kursgewinne an den Börsen weitergehen. „Die Fortsetzung des goldenen Börsenherbstes ist alles andere als garantiert“, sagt Robert Greil, Chefstratege der Bank Merck Finck. Er verweist darauf, dass „die Märkte viel Hoffnung auf einen möglichen Handelsdeal USA-China und eine Brexit-Lösung einpreisen“.

Nichts davon ist jedoch in trockenen Tüchern. „Ob es, wie angepeilt, Mitte November zu einem überzeugenden Deal zwischen Trump und Xi kommt, ist absolut nicht sicher“, meint Greil. Positiv nahmen Investoren zum Ende der Woche auf, dass sich der oberste Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump – Larry Kudlow – optimistisch äußerte: Die Einigungschancen im Handelsstreit mit China stünden gut. Trump und seine Verhandlungsdelegation seien „sehr optimistisch“, sagte er in einem Interview.

Auch Michael Bissinger, Analyst der DZ Bank, hält das Potenzial am Aktienmarkt für weitgehend ausgereizt. „Die aktuelle Berichtssaison zeigt, dass die Unternehmen deutlichen Gegenwind aufgrund der anhaltenden politischen Auseinandersetzungen spüren“, stellt er fest.

Das Wachstum im Euroraum dürfte erheblich schwächer als in den USA sein. Zwischen Juli und September habe es nur noch ganz knapp über der Nulllinie gelegen, schätzt der Analyst. „Die Wachstumserwartung ist daher so schwach wie seit vielen Jahren nicht mehr,“ resümiert Bissinger.

An den Börsen aber werde Erwartungshaltung gehandelt – und diese sei in den vergangenen Wochen vor allem mit Blick auf den Brexit und den Handelsstreit weniger negativ gewertet worden, meint er. Die Hoffnung, dass die Krisen nicht eskalieren und die Wirtschaftserwartung nicht negativer wird, treiben offenbar den Markt.

Deutsche Bilanzsaison erreicht Höhepunkt

Darauf deutet auch der am Freitag veröffentlichte ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes hin, der mit 48,3 Punkten im Oktober zwar leicht über dem Septemberwert, aber etwas unter den Erwartungen der Ökonomen lag. Zwar ist es noch verfrüht, um auf eine konjunkturelle Erholung im Industriesektor zu wetten, meint Ralf Umlauf, Volkswirt bei der Helaba. Aber die Stabilisierung lasse hoffen, dass Rezessionssorgen und Zinssenkungserwartungen nicht zunehmen.

Aktien halten die Analysten aber nicht mehr für günstig. „Die Kurse haben einiges von der Wende zum Besseren schon vorweggenommen“, erläutert Bissinger von der DZ Bank. Zugleich unterstützen die führenden Notenbanken mit weiterhin sehr expansiver Geldpolitik die Märkte – noch mehr sei allerdings von ihnen nicht zu erwarten. In dieser Gemengelage rechnet der Analyst mit vorerst seitwärts schwankenden Kursen.

In der neuen Woche erreicht die deutsche Bilanzsaison ihren Höhepunkt: Ein Drittel aller Dax-Firmen legt Geschäftszahlen vor. Hierzu gehören der Autobauer BMW, der Technologiekonzern Siemens und der Versicherer Allianz.

Im Ausland öffnen unter anderem die italienische Sportwagen-Schmiede Ferrari und der US-Unterhaltungskonzern Walt Disney ihre Bücher. Dass die deutschen Firmen bislang die Analystenprognosen mehrheitlich übertroffen hätten, sei angesichts der niedrigen Erwartungen keine Überraschung, sagte Dirk Steffen, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. Im Vergleich zum Vorjahr hätten die Unternehmen ihre Gewinne sogar gesteigert.

Konjunkturdaten stehen dagegen wenige auf dem Terminplan. Unter anderem werden am Montag Zahlen zu den Aufträgen für die US-Industrie vorgestellt. Die deutsche Industrie folgt am Dienstag. Letztere dürfte die schlechte Lage des heimischen produzierenden Gewerbes bestätigen, sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Außerdem werden das Stimmungsbarometer der deutschen Einkaufsmanager sowie die europäischen Einzelhandelsumsätze am Mittwoch veröffentlicht.

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Mit Material von Reuters

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