Dax-Ausblick Draghi und Trump halten Anleger in Atem

Der Dax ist wieder auf Rekordjagd, MDax und SDax haben am Freitag neue Allzeithochs markiert. Ob die Erfolge nachhaltig sind, zeigt sich in den nächsten Tagen. Für die Finanzmärkte steht eine ereignisreiche Woche an.
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Dax, Kurse, Aktien, Börse, Frankfurt Quelle: dpa
Handelssaal an der Börse Frankfurt

Frankfurt ist der wichtigste deutsche Finanzplatz.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie abgelaufene Börsenwoche war noch ziemlich ruhig. Immerhin konnten sich Börsianer über neue Rekorde und eine gute Börsenwoche freuen. In der neuen Woche könnte es jedoch deutlich turbulenter zugehen. Vor allem Mario Draghi dürfte die Finanzmärkte in Atem halten. Am Donnerstag bittet der oberste europäische Währungshüter zur EZB-Sitzung. Die Notenbank und ihr Präsident entscheiden über ihren weiteren geldpolitischen Kurs und haben damit auch Wohl und Wehe des Aktienmarktes in der Hand.

Erwartungen, dass die Zentralbank bald die Zinsen erhöht, hatten den Euro zuletzt auf ein Drei-Jahres-Hoch getrieben und den Dax zeitweise ausgebremst. Mit Spannung warten Anleger darauf, ob EZB-Chef Draghi die Zinsspekulationen dämpfen wird, um eine weitere Aufwertung der Gemeinschaftswährung zu verhindern. „Wir rechnen damit, dass die europäischen Währungshüter ihre Kommunikation leicht modifizieren und angesichts der guten konjunkturellen Entwicklung den Passus zu einer möglichen Ausweitung ihrer Anleihekäufe aus dem Kommuniqué streichen“, sagt Commerzbank-Chefanlagestratege Chris-Oliver Schickentanz. „Eine weitergehende Anpassung des geldpolitischen Fahrplans erwarten wir dagegen nicht.“ Damit rechnet der Analyst frühestens im März. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die EZB den Erfolg ihrer Politik nicht durch übereilte Entscheidungen gefährden und dementsprechend erst in der zweiten Jahres-hälfte 2019 eine Zinsanhebung erwägen wird“, ergänzt Schickentanz.

Mit diesen Aktien machten Anleger 2017 Kasse

PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000PSM7770
Börse
L&S

-0,01 -0,05%
+22,23€
Chart von PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Pro Sieben Sat 1
1 von 30

Der Fernsehmarkt verändert sich radikal, und der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 bekommt das deutlich zu spüren. Unterhaltung lieferte der Konzern aus Unterföhring mit der Posse um Vorstandschef Thomas Ebeling selbst. Dieser muss nach unbedachten, teils diskriminierenden Äußerungen über die eigenen Kunden gehen. 23,7 Prozent beträgt das Minus des Aktienkurses in diesem Jahr. Ein Papier ist inzwischen weniger als 29 Euro wert. Experten glauben, dass der Konzern gar aus der ersten Börsenliga absteigen könnte, sollte sich dieser Trend im neuen Jahr fortsetzen.

Quelle: Bloomberg

FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785604
Börse
L&S

+0,38 +0,55%
+69,15€
Chart von FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius
2 von 30

Erst hui, dann eher pfui: Fresenius fiel in der zweiten Jahreshälfte an der Börse deutlich ab. Grund für den Kursverlust dürfte insbesondere der Preisdruck in der US-Medikamentenbranche sein. Auch Verzögerungen bei der Übernahme des US-Konzerns Akorn drückten die Stimmung der Anleger. 13 Prozent beträgt das Minus auf Jahressicht.

MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006599905
Börse
L&S

+0,30 +0,35%
+85,51€
Chart von MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Merck
3 von 30

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck muss an der Börse auf ein eher schwaches zweites Halbjahr zurückblicken – auch die Umsätze waren im dritten Quartal rückläufig. In nächster Zeit soll entschieden werden, ob die Sparte mit rezeptfreien Medikamenten verkauft werden soll. Die Aktie sank von 101,25 Euro auf 89,75 Euro (minus 11,4 Prozent).

DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005557508
Börse
L&S

-0,01 -0,09%
+13,72€
Chart von DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Telekom
4 von 30

Die Deutsche Telekom hat kürzlich angekündigt, den österreichischen Kabelnetzbetreiber UPC zu übernehmen. Experten erwarten dadurch neue Impulse für den Aktienkurs. Die Telekom könnte ein solches Signal gut gebrauchen. Durch den hohen Preisdruck und eine weitgehende Sättigungen der Kernmärkte war die Performance auf dem Parkett 2017 eher schwach – minus zehn Prozent.

HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N

WKN
ISIN
DE0006048432
Börse
Xetra

-1,15 -1,04%
0,00€
Chart von HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N
Henkel
5 von 30

Zuletzt hatte Henkel mit weiteren Investitionen in den US-Markt geliebäugelt. Ob das dem Aktienkurs stärken würde? Anleger müssen für 2017 ein Minus von vier Prozent hinnehmen.

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

-1,88 -2,32%
+78,93€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW
6 von 30

Zum Jahresende konnte sich der Autobauer über das Milliardengeschenk von US-Präsident Trump in Form der Steuerreform freuen. Zuvor gab es bei BMW, zumindest hinsichtlich des Aktienkurses, wenig zu feiern. Die Aktie, die zu Jahresbeginn noch mit über 90 Euro gehandelt wurde, fiel Ende Juli auf ein 52-Wochen-Tief von 77 Euro. Minus 3,5 Prozent unterm Strich insgesamt.

SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007236101
Börse
L&S

-0,35 -0,30%
+116,42€
Chart von SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siemens
7 von 30

Die Nachricht eines Stellenabbaus bei Siemens sorgte im November für sehr starke Aufmerksamkeit. SPD-Parteichef Schulz schaltete sich ein und attackierte das Management des Konzerns scharf, das die Vorwürfe wiederum in einem Brief entscheidend zurückwies. Wie dem auch sei: Der Siemens-Aktienkurs büßte nach einem starken ersten Halbjahr seine Gewinne ein – minus 1,5 Prozent auf Jahressicht.

Mit Spannung schauen Börsianer in diesem Zusammenhang auf den Euro, nicht wenige erwarten eine starke Abschwächung. Zum Belastungsfaktor für die Gemeinschaftswährung könnte sich auch die deutsche Politik entwickeln. Sollte die SPD auf ihrem Parteitag am Sonntag eine große Koalition mit der CDU ablehnen, dürfte das nach Ansicht von Experten die Währung schwächen. Dem Aktienmarkt käme das gelegen. Eine starke Gemeinschaftswährung macht Waren der Unternehmen im Welthandel teurer und schränkt ihre Wettbewerbsfähigkeit ein.

Der Dax schaffte es in der alten Woche wegen der Hoffnung auf robuste Firmenbilanzen, die größten Euro-Sorgen abzuschütteln und gewann ein Prozent auf rund 13.400 Punkte. MDax und SDax erklommen sogar neue Bestmarken und auch der TecDax erreichte ein neues Hoch seit 2001. „Während der Dax sich Schritt für Schritt an sein Allzeithoch heranpirscht, testet die zehnjährige Bundrendite ihren technischen Widerstand bei 0,6 Prozent“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Gut für Aktionäre, weniger gut für Sparer.

„Ich sehe keinen Grund, nicht optimistisch für Aktien zu sein“, sagt auch Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. „Insgesamt sind Zweifel an Aktien, die zu nachhaltigen Gewinnmitnahmen animieren oder sogar einen Crash nahelegen, nicht gerechtfertigt. Weder wird der Euro zu einer Starkwährung, noch werden wirklich höhere Anleiherenditen Aktien ernsthaft Konkurrenz machen.“ Die starke Weltkonjunktur werde weiter stützen und er glaube auch nicht, dass die Geldpolitik wirklich restriktiv werde.

Wie gut es um die Weltkonjunktur bestellt ist, dürften in der neuen Woche zahlreiche Wirtschaftsdaten zeigen. Am Mittwoch dürften die Einkaufsmanagerindizes der Euro-Zone wohl deutlich machen, dass der festere Euro und die höheren Rohstoffpreise die Stimmung der Unternehmen nicht getrübt hätten, glauben Analysten. Kurz vor der EZB-Zinsentscheidung am Donnerstag gibt der Ifo-Index Aufschluss über die Stimmung in den deutschen Chefetagen. Analysten erwarten, dass er sich auf einem hohen Niveau stabilisiert hat. „Die Frühindikatoren für die Euro-Zone sowie der ifo-Geschäftsklimaindex dürften die hervorragende konjunkturelle Verfassung bestätigen und nahe ihrer Höchststände verharren“, glaubt Commerzbank-Experte Schickentanz.

Auch der Blick über den Atlantik lohnt sich für Anleger. Weil US-Demokraten und -Republikaner sich auf keinen gemeinsamen Haushalt einigen konnten, muss die US-Bundesregierung ihr Handeln teilweise einstellen. Das ist zwar keine Katastrophe, könnte aber für Verunsicherung an den Märkten sorgen.

Der Versuch, diesen „Shutdown“ durch einen weiteren Übergangshaushalt zu verhindern, scheiterte am späten Freitagabend (Ortszeit) am Widerstand des US-Senats. Bei der Abstimmung votierten 50 der 99 anwesenden Senatoren mit Ja, 49 sprachen sich gegen den vorliegenden Gesetzentwurf aus. 60 Ja-Stimmen wären nötig gewesen.

Damit bleiben Ämter und Behörden ebenso geschlossen wie bundeseigene Museen, Zoos und andere Freizeiteinrichtungen. Spätestens zum Wochenbeginn am Montag müssen damit etwa 800.000 Staatsbedienstete in den Zwangsurlaub und bekommen vorerst auch kein Geld – ausgenommen sind nur „essenzielle“ Bereiche wie Militär, Bundespolizei oder Geheimdienst. Parlamentarier äußerten die Hoffnung, dass der Stillstand bis zum Montag wieder aufgehoben werden könnte.

Am Freitag veröffentlichen die USA aktuelle Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die US-Wirtschaft ist nach Ansicht der DZ-Bank-Analysten auch im Schlussquartal solide gewachsen, allerdings dürfte der Schwung wohl etwas hinter den beiden kräftigen Vorquartalen zurückbleiben. Die Experten rechnen mit einem BIP-Wachstum von knapp drei Prozent.

Doch nicht nur die Konjunkturdaten werden Anleger umtreiben, auch die Berichtssaison für das vierte Quartal nimmt in den kommenden Tagen Fahrt auf. Die Schweizer Bank UBS berichtet am Montag über den Geschäftsverlauf im vierten Quartal, die Konsumgüter-Hersteller Procter & Gamble und Johnson & Johnson am Dienstag und am Mittwoch lassen sich der Siemens-Rivale General Electric, der Pharmakonzern Novartis und der Autobauer Ford in die Bücher blicken. Als erstes größeres deutsches Unternehmen stellt am Donnerstag der SAP-Konkurrent Software AG sein Zahlenwerk vor. Er hat bereits mitgeteilt, dass sich die US-Steuerreform positiv auf die Gewinne auswirkt. Davon geht Commerzbanker Schickentanz auch für andere Unternehmen aus. „Wir rechnen mit sehr soliden Gewinnausweisen, auch wenn diese partiell durch Sonderabschreibungen als Vorbereitung auf die US-Steuerreform überschattet werden“, sagt Schickentanz. „In Summe sollte dies die Aktien auf dem spürbar erhöhten Niveau der letzten Wochen stützen.“

Für einige Schlagzeilen werden sich auch wieder Bitcoin & Co. sorgen – weitere Kurskapriolen nicht ausgeschlossen. „Es ist nicht das erste Mal, dass die Kurse um 50 Prozent einbrechen und es wird wahrscheinlich nicht das letzte Mal sein“, sagt Analyst Mati Greenspan vom Online-Broker eToro mit Blick auf den jüngsten Absturz. Die Furcht vor einem Verbot des Handels mit Cyber-Devisen in China und Südkorea drückte den Bitcoin-Kurs in der alten Woche zeitweise auf etwa 9100 Dollar. Kurz vor Weihnachten hatte er noch bei 20.000 Dollar gelegen.

Langweilig wird Anlegern in der kommenden Woche also sicher nicht werden. „Die Vielzahl an wichtigen Zahlen sowie die Zentralbanksitzungen bergen nächste Woche einiges Potenzial für wieder mehr Volatilität an den Finanzmärkten“, prognostiziert Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers.

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