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Dax-Ausblick Fed dürfte ihre Geldpolitik lockern – und trotzdem Trump enttäuschen

Anleger hoffen, dass in der nächsten Woche auf das Maßnahmenpaket der EZB eine Zinssenkung der US-Notenbank folgt. Aber nicht nur die Fed steht im Fokus.
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Der US-Präsident (r.) fordert von dem Fed-Chef schon seit geraumer Zeit niedrigere Zinsen. Quelle: AP
Jerome Powell und Donald Trump

Der US-Präsident (r.) fordert von dem Fed-Chef schon seit geraumer Zeit niedrigere Zinsen.

(Foto: AP)

Frankfurt Nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) warten die Anleger in der nächsten Woche auf die Entscheidung der US-Notenbank Fed. Experten rechnen damit, dass es am kommenden Mittwoch auch in den USA zu weiteren geldpolitischen Lockerungen kommen wird.

Hierzulande haben die von der EZB beschlossenen Maßnahmen zum Wochenschluss für eine positive Stimmung an den Aktienmärkten geführt. Der Dax näherte sich am Freitag sogar der Marke von 12.500 Punkten.

Eine Zinssenkung durch die Fed um einen viertel Prozentpunkt gilt unter Investoren als sehr wahrscheinlich. Der Leitzinskorridor stünde dann bei 1,75 Prozent bis 2,00 Prozent. US-Präsident Donald Trump hat bereits versucht Druck auf die Fed aufzubauen.

Nach dem EZB-Entscheid twitterte er: „Sie versuchen und schaffen es, den Euro gegen den SEHR starken Dollar abzuwerten, was den US-Exporten schadet… und die Fed sitzt und sitzt und sitzt.“ Die Europäer würden „dafür bezahlt, Geld zu leihen“, kritisierte er, „während wir Zinsen zahlen!“ Bereits zuvor hatte er per Twitter gefordert, die Fed solle die Leitzinsen auf Null oder niedriger reduzieren.

Gleichwohl: Forderungen nach einer so kräftigen Senkung der Leitzinsen dürfte die US-Notenbank nicht nachkommen, meint Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Schließlich habe sie in den letzten 30 Jahren große Schritte von 50 Basispunkten oder mehr nur im Umfeld großer Krisen getan – zuletzt zwischen 2007 und 2008. Er gehe aber davon aus, dass die Fed in jeder der verbleibenden Sitzungen in diesem Jahr die Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte senkt.

Am kommenden Donnerstag stehen dann auch noch die Zinsentscheide der Bank of Japan und der Bank of England an. In Japan sei ebenfalls mit zusätzlichen Maßnahmen zu rechnen, meint DZ Bank-Analyst Sören Hettler: „Die Bank of England dürfte wenig Lust verspüren, geldpolitisches Pulver zu verschießen, ohne Klarheit über die weitere Entwicklung beim EU-Austritt des Landes zu haben“. Der Brexit bleibt damit bei Anlegern auch in der neuen Woche im Fokus.

Der Oberste Gerichtshof von Großbritannien soll zudem darüber entscheiden, ob die von Premierminister Boris Johnson verordnete Zwangspause für das Parlament rechtens war.

Ungewöhnlicher Appell an die Regierungen

Die EZB hat indes am Donnerstag bereits geliefert und ein Maßnahmenpaket aus Zinssenkung, Staffelzins und neuen Anleihekäufen beschlossen. Eine „sehr expansive Geldpolitik“ sei wegen umfangreicher Risiken für die Konjunktur weiterhin notwendig, betonte EZB-Präsident Mario Draghi, der seinen Posten im November seiner Nachfolgerin Christine Lagarde übergibt.

Daher senkte die Notenbank den Einlagenzins, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 Prozent. Zugleich müssen Banken auf einen Teil ihrer Überschussreserven keinen Strafzins zahlen – dank des sogenannten Staffelzinses.

Zudem sollen günstigere Konditionen für Langfristkredite für Entlastung sorgen. Daneben wird die EZB ab November ihre Anleihekaufprogramm wieder starten, der Umfang soll 20 Milliarden Euro pro Monat betragen.

Neben den geldpolitischen Maßnahmen habe Draghi in ungewöhnlich deutlicher Form an die Regierungen in der Eurozone appelliert, die Konjunktur stärker durch eine ausgabenfreundlichere Fiskalpolitik zu unterstützen, betont David Kohl, Chefvolkswirt Deutschland bei Julius Bär.

Ohne dass Deutschland explizit erwähnt worden wäre, habe es bei der EZB-Sitzung einen großen Konsens darüber gegeben, dass Regierungen mit einer soliden Haushaltsposition ihre Ausgaben steigern sollen. „Ob die Regierungen der Empfehlung der EZB folgen, bleibt allerdings fraglich“, ergänzt Kohl.

Da insbesondere die Konjunktur die EZB im kommenden Jahr wohl erneut enttäuschen wird, seien die aktuellen geldpolitischen Lockerungen wohl noch nicht das Ende der Fahnenstange, meint Commerzbank-Ökonom Michael Schubert: „Wir rechnen im Frühjahr mit einer weiteren Zinssenkung und einer Aufstockung der monatlichen Anleihekäufe.“ Unwahrscheinlich seien dagegen Helikoptergeld oder eine Zinskurvensteuerung nach japanischem Vorbild.

Entspannung im Handelsstreit stützt die Märkte

Im Zuge der neuen geldpolitischen Maßnahmen legten die Aktienmärkte in der abgelaufenen Handelswoche zu. Der Dax kletterte mehr als zwei Prozent. Vor allem Bankaktien profitierten vom angekündigten Staffelzins sowie den geplanten Anleihekäufen.

Zur positiven Stimmung bei den Anlegern beigetragen hat auch eine Entspannung im Handelsstreit zwischen China und den USA. Beide Länder, die sich seit einiger Zeit gegenseitig mit Strafzöllen überziehen, wollen wieder Gespräche aufnehmen, um die Situation zu entschärfen.

In der neuen Woche schauen Anleger auch auf neue Konjunkturdaten. Gleich am Montag veröffentlicht die Federal Reserve Bank von New York ihren Empire State Index. Dieser misst die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Bundesstaat New York und gilt als wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Am Dienstag folgen Daten zur Industrieproduktion im August, am Donnerstag wird der Philly Fed Index für September und damit ein weiterer bedeutender volkswirtschaftlicher Frühindikator publik.

Anleger in Deutschland erhoffen sich am Dienstag neue Impulse von den ZEW-Konjunkturerwartungen im September. Der Index, der die Stimmung der Börsenprofis widerspiegelt, dürfte den Experten zufolge deutlich zulegen. „Die Stabilisierung der Konjunkturdaten zuletzt könnte dafür gesorgt haben, dass die Rezessionsängste etwas nachlassen“, erwartet Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management. Am Mittwoch stehen dann die europäischen Verbraucherpreise auf der Agenda.

Von Unternehmensseite ist kurz vor Quartalsende nicht viel Neues zu erwarten. Lediglich MDax-Mitglied Rocket Internet gibt noch die Zahlen zum ersten Halbjahr bekannt. Zudem wird der kommende Freitag für den Stahl- und Industriekonzern Thyssen-Krupp der letzte Tag im Dax sein. Danach muss das Gründungsmitglied dem Triebwerkhersteller MTU Platz machen.

Am Freitag ist zudem dreifacher Verfallstermin an den Terminbörsen. Häufig schwanken die Aktien in den Tagen zuvor relativ stark.

Mehr: Jens Weidmann stellte sich nicht gegen die Senkung des Einlagezinses. In einem anderen Punkt von Draghis Geldpolitik gab es nicht nur von ihm Widerstand.

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