Dax-Ausblick Nicht mehr als ein kräftiges Unwetter

Vor dem griechischen Referendum halten sich Anleger zurück. Am Montag dürfte es umso turbulenter werden: Ein Ja zum Reformpaket würde für Erleichterung sorgen, ein Nein dagegen für ein kurzes, aber heftiges Gewitter.
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Egal wie das Votum in Griechenland ausfällt: Für die Märkte dürfte es wie ein reinigendes Gewitter wirken. Quelle: ap
Blitz über dem Parthenon

Egal wie das Votum in Griechenland ausfällt: Für die Märkte dürfte es wie ein reinigendes Gewitter wirken.

(Foto: ap)

FrankfurtBei hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 40 Grad freuen sich viele Deutsche, am Wochenende nur die Füße hochlegen zu können.  Auch wenn die Hitze in den nächsten Tagen anhalten dürfte, warnen die Wettervorhersagen bereits auch vor Unwettern.

Ähnliches dürfte den Anlegern bevorstehen. Vor dem griechischen Referendum genossen sie daher offenbar die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Dax und Euro traten am Freitag weitgehend auf der Stelle. Am Ende ging es leicht runter für den Frankfurter Leitindex. An der Wall Street wurde wegen eines Feiertags erst gar nicht gehandelt.

Alle, so scheint es, warten zunächst die Entscheidung in Griechenland ab. Die Bevölkerung soll darüber abstimmen, ob sie die Reformvorschläge der Euro-Partner im Gegenzug für weitere Geldhilfen annehmen wollen. Die Regierung selbst wirbt für eine Ablehnung.  Dennoch sagen die Wahlumfragen bislang ein knappes  Ja zu dem Reform-Paket voraus.

Die Wertvernichter und Börsen-Schocker

GERRY WEBER INTERNATIONAL AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0003304101
Börse
L&S

-0,23 -3,60%
+5,99€
Chart von GERRY WEBER INTERNATIONAL AG INHABER-AKTIEN O.N.
Gerry Weber: Gewinnwarnung schockt Börse
1 von 21

In der Halbjahresstatistik deutscher Aktien landet Gerry Weber auf dem letzten Platz im HDax, dem Index der 110 wichtigsten börsennotierten Konzerne Deutschlands. Ein Blick auf den Chart zeigt deutlich den Zeitpunkt, der den Grund für den Sturz markiert: Anfang Juni schockt der westfälische Modehersteller die Börse mit einer Gewinnwarnung. An einem einzigen Tag – dem 10. Juni – brechen die Papiere um krasse 30 Prozent ein. Die dritte Warnung innerhalb eines Jahres war den Investoren offenbar zu viel.
Kursentwicklung 1. Halbjahr 2015: - 40,3 Prozent

AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0WMPJ6
Börse
L&S

+0,23 +1,97%
+11,73€
Chart von AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Aixtron: Zahlen enttäuschen Investoren
2 von 21

Für Aixtron ging es bereits im Januar steil bergab, als andere Werte noch kräftig zulegten. Der Spezialmaschinenbauer enttäuschte mit der Bilanz für das Vorjahr; rückläufige Umsatzzahlen setzten dann auch im weiteren Verlauf des ersten Quartals, und selbst die aktuellen Perspektiven überzeugen Marktbeobachter nicht. Analyst David Mulholland von der UBS zum Beispiel hat erst kürzlich die Gewinnerwartungen bis 2017 wegen der sich weiterhin nur langsam erholenden Nachfrage aus dem LED-Markt reduziert.
Kursentwicklung 1. Halbjahr 2015: - 35,0 Prozent

LPKF LASER & ELECTRONICS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006450000
Börse
L&S

-0,05 -0,81%
+6,62€
Chart von LPKF LASER & ELECTRONICS AG INHABER-AKTIEN O.N.
LPKF Laser & Electronics: Großauftrag hilft nur kurz
3 von 21

Drittschlechteste Aktie im HDax ist in der Halbjahresstatistik der Elektronikspezialist LPKF – und das trotz eines starken Kursanstiegs Mitte Februar. Damals beflügelten Hoffnungen auf starke Geschäfte den Kurs. Ein Großauftrag aus China ließ die Aktie an einem Tag um satte 15 Prozent nach oben springen. Doch schon im März war es wieder vorbei mit der Euphorie. Das Unternehmen für Lasertechnik meldete einen deutlichen Gewinneinbruch für 2014 und halbierte die Dividende. Die Titel verloren am 24. März mehr als elf Prozent. Mitte Mai schockte ein deutlicher Einbruch des Betriebsgewinns in der Bilanz fürs erste Quartal den TecDax-Wert einmal mehr nach unten. Allein am 13. Mai ging es um neun Prozent abwärts.

Kursentwicklung 1. Halbjahr 2015: - 27,9 Prozent

BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005909006
Börse
L&S

+0,96 +2,14%
+45,49€
Chart von BILFINGER SE INHABER-AKTIEN O.N.
Bilfinger: Mehrfache Warnungen vertreiben Anleger
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Angesichts der vielen schlechten Nachrichten erstaunt es, dass die Bilfinger-Aktie nur auf dem viertletzten Platz im HDax landet. Doch bis Mitte April überwog noch – in der allgemeinen Börsen-Hausse – die Hoffnung, auch der Baukonzern blicke guten Zeiten entgegen. Bilfinger überraschte Mitte Februar mit einem hohen Dividendenvorschlag trotz des Verlustjahres 2014. Dann die herbe Enttäuschung. Im April senkte das Unternehmen zum fünften Mal die Prognose und schockte damit die Investoren. Sie flüchteten in Scharen; die MDax-Aktie stürzte an einem einzigen Tag in der Spitze um mehr als 16 Prozent ab. Eine abermalige Gewinnwarnung machte im Juni weiteren Druck. Zuletzt sorgten die Pläne für den Verkauf des Power-Geschäfts für etwas Entspannung.
Kursentwicklung 1. Halbjahr 2015: - 26,7 Prozent

RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007037129
Börse
L&S

+0,01 +0,03%
+19,27€
Chart von RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
RWE: Konzern und Aktie weiter gebeutelt
5 von 21

Das Wort „Versorger“ lässt Börsianer schon intuitiv die Stirn runzeln. Die Energiewende hat die Konzerne stark getroffen. Kein Wunder, dass sich RWE ganz hinten in der Halbjahresstatistik findet. Mal sind es Zahlen, mal politische Äußerungen, die die Kurse bewegen. Bis Mitte April hielt sich der Dax-Wert dabei sogar noch ganz tapfer. Anleger hofften zum Beispiel auf eine unveränderte Dividende, und die 2014er-Bilanz kam ganz gut an. Andererseits belasteten die gefallenen Strom-Großhandelspreise weiter die Gewinne. Die sorgten dann insbesondere im zweiten Quartal für Druck auf den Kurs. Anfang Juni sorgte auch das Scheitern der Klage der deutschen AKW-Betreiber gegen die milliardenschwere Kernbrennstoffsteuer für Druck. Dass die angedachte Klimaabgabe nicht kommt, brachte Ende Juni ein wenig Entlastung.
Kursentwicklung 1. Halbjahr 2015: - 24,4 Prozent

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
L&S

+0,38 +1,70%
+22,70€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Lufthansa: Streiks stören Investoren
6 von 21

Das Jahr fing ganz gut an für Lufthansa-Aktionäre. Dann kamen die Pilotenstreiks und später Streikdrohungen der Flugbegleiter. All dies verschreckte die Investoren, zumal die Airline unter dem harten Wettbewerb leidet. Der Absturz der Germanwings-Maschine wirkte sich ebenfalls negativ auf den Aktienkurs aus. Im Mai gaben Hoffnungen auf eine europaweite Erholung der Nachfrage im Sommer dem Dax-Wert Impulse.
Kursentwicklung 1. Halbjahr 2015: - 16,0 Prozent

MORPHOSYS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006632003
Börse
L&S

-0,36 -0,35%
+104,33€
Chart von MORPHOSYS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Morphosys: Ende einer Allianz lässt Aktie einbrechen
7 von 21

Beim Biotechnologie-Unternehmen Morphosys fällt ein massiver Kurseinbruch im März auf, der zusammen mit einer insgesamt schwachen Kursentwicklung dazu beitrug, dass der TecDax-Wert im ersten Halbjahr zu den Verlierern gehört. Der Kurssturz war auf die Beendigung der Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Celgene bei einem Forschungsprojekt zurückzuführen. Es war der zweite größere Rückschlag in der Pipeline des Pharma-Forschers innerhalb weniger Monate. Mitte April gab es dann wieder Rückenwind aufgrund der Meldung, dass Morphosys eine Meilensteinzahlung des Partners Janssen Biotech im Zuge der Entwicklung eines Medikaments erhält.
Kursentwicklung 1. Halbjahr 2015: - 15,4 Prozent

Stimmen die Griechen tatsächlich mit Ja, wird es wohl zu einer Erleichterung kommen. Denn die Verhandlungen über weitere Geldspritzen an das kriselnde Land würden merklich einfacher. Die sommerliche Stimmung dürfte dann auch auf die Börse abfärben. „Doch selbst wenn das Referendum in Griechenland ein Nein zum Euro als Ergebnis hat, wird es zwar kurzfristig zu höherer Volatilität kommen“, betonte Credit Suisse-Kapitalmarktexperte Joachim von der Goltz. Mehr als ein kräftiges Gewitter dürfte es aber nicht geben. Die Märkte dürften auf alle Eventualitäten inzwischen weitgehend vorbereitet sein.

„Kurzfristig gibt es zwar noch zu viele Fragezeichen hinsichtlich des weiteren Fortgangs der Verhandlungen, sodass weitere Kursschwankungen wahrscheinlich und der Zeitpunkt für einen Kauf von Aktien verfrüht erscheint“, heißt es denn auch im Wochenausblick der DZ Bank. Sobald sich die Gemengelage aufklärt, sehen „wir gute Chancen für Aktienkäufe“, schreiben die Experten. Das große Bild für Dividendenpapiere bleibe unverändert bestehen: Niedrige Zinsen und ein stabiles Weltwirtschaftswachstum seien geeignet, die Kurse für Aktien weiter anzutreiben.

Auch Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp hält einen Abwärtstrend im Dax trotz Grexit-Risiko für unwahrscheinlich. Bei 11 000 Punkten habe der deutsche Leitindex eine starke fundamentale Unterstützung. Unter anderem sieht er bereits einen deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber dem S&P 500. Zudem würde ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone die Investoren nicht unvorbereitet treffen.

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