Dax-Ausblick Stürmisches Börsenwetter voraus

Deutsche Aktien schwanken stark – an der Wall Street bleibt es noch ruhig. Nach oben springende Anleiherenditen und das Thema Griechenland sorgen für Unruhe. In der nächsten Woche werden Konjunkturdaten wichtig.
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Anleger müssen sich an größere Schwankungen am Markt gewöhnen.
Stürmische Zeiten für Anleger

Anleger müssen sich an größere Schwankungen am Markt gewöhnen.

FrankfurtAn den Wertpapiermärkten spitzt sich die Lage zu. Das illustrieren die stark gefallenen Kurse bei den Anleihen und die anhaltende Korrektur bei Aktien. In Deutschland ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in vier Wochen um fast einen Prozentpunkt nach oben geschnellt – nur knapp unter der Schwelle von einem Prozent war vorerst Schluss. Der Deutsche Aktienindex Dax ist von seinem historischen Hoch im April rund neun Prozent gefallen. Zehn Tage vor diesem Aktien-Top waren auch die Bundesanleihen auf ihrem Kurs-Hoch gewesen. Die Wochenbilanz des Dax ergibt einen Abschlag von einem Prozent.

Die wachsende Unsicherheit unter Investoren spiegelt sich in fallenden Kursen, aber auch steigenden Kursschwankungen (Volatilität) wider. Das illustrieren die sogenannten Volatilitätsindizes. Sie messen sie Schwankungsstärke von Wertpapierkursen, die sogenannte Volatilität. Der VDax ist in den vergangenen Wochen stark gestiegen.

Interessanterweise hat er sich von seinem Pendant zum US-Index S&P 500, dem Vix, in diesen Wochen abgekoppelt. An der Wall Street ist es also vergleichsweise ruhig geblieben. Die jüngste Kluft sei ein Novum, erklären die Experten der Analysefirma Wellenreiter-Invest. In den vergangenen Jahren entwickelten sich beide Schwankungsindizes sehr ähnlich.

„Zu vermuten ist, dass die S&P-500-Volatalität der Dax-Volatilität folgen wird“, urteilen die Analysten. Demnach wäre auch an der Wall Street mit stürmischerem Börsenwetter zu rechnen. Bisher liegt der marktbreite Aktienindex nur geringfügig unter seinem erst vor zwei Wochen erzielten Allzeithoch.

Warum RWE purzelt und Salzgitter abhebt

RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007037129
Börse
Xetra

-0,12 -0,57%
+21,08€
Chart von RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
RWE: Klage scheitert – Kurs fällt
1 von 17

Zu den Verlierern im Dax in dieser Woche gehören die Aktien der Energieversorger. Eine der Ursachen neben dem allgemeinen Trend: Die deutschen AKW-Betreiber sind mit ihrer Klage gegen die milliardenschwere Kernbrennstoffsteuer vor dem Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) gescheitert. Die Luxemburger Richter haben entschieden, dass die Abgabe nicht gegen EU-Recht verstößt. Auch stelle sie keine staatliche Beihilfe dar (Az: C-5/14). Eon, RWE und EnBW hatten auf eine Rückzahlung von fast fünf Milliarden Euro an bereits gezahlten Abgaben gehofft. Die Aktien der Versorger gerieten nach dem EuGH-Urteil am Donnerstag mächtig unter Druck. RWE verloren bis zu 2,9 Prozent, Eon 1,8 Prozent.
Kursentwicklung bis Donnerstag: - 1,8 Prozent

MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006599905
Börse
Xetra

-0,06 -0,07%
+89,92€
Chart von MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Merck: Aktie fällt trotz positiver Analyse
2 von 17

Am Dienstag fiel die Kursentwicklung der Anteilsscheine von Merck auf. Die Papiere verloren 2,6 Prozent. Es handelte sich offenbar um eine Folge der allgemeinen Stimmung, denn von Unternehmensseite gab es keine negativen Nachrichten. Im Gegenteil: Eine Analyse sorgte für positive Stimmung. Die Baader Bank hatte das Kursziel für die Aktie von 89 auf 95 Euro angehoben und die Einstufung auf "Hold" belassen. Analystin Odile Rundquist verwies auf die Quartalszahlen und die gesunkene Nettoverschuldung. Damit sich die Merck-Aktie weiterhin überdurchschnittlich entwickle, seien jedoch mehr Erfolge bei der Wirkstoffentwicklung nötig.
Kursentwicklung bis Donnerstag: - 2,5 Prozent

BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000BASF111
Börse
Xetra

+0,18 +0,23%
+77,63€
Chart von BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.
BASF: Übernahmespekulationen missfallen Anlegern
3 von 17

Bislang hatte der Markt darauf spekuliert, dass der US-Saatgut- und Genpflanzen-Hersteller Monsanto den Schweizer Konzern Syngenta übernehmen will. Am Donnerstag kam das Gerücht auf, BASF wolle ebenfalls eine Übernahmeofferte geben. Die Ludwigshafener kämen damit dem US-Riesen in die Quere, der allerdings für die Schweizer 45 Milliarden Dollar auf den Tisch legen will. Dies erscheint den BASF-Anlegern als sehr hohe Messlatte; viele bekamen am Donnerstag kalte Füße. Die Aktie verlor in der Spitze 1,4 Prozent.
Kursentwicklung bis Donnerstag: - 0,9 Prozent

INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006231004
Börse
Xetra

-0,33 -1,54%
+21,16€
Chart von INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Infineon: Marktanalyse hilft nur kurz
4 von 17

Noch am Montag präsentierten sich die Aktien des Chipherstellers Infineon vergleichsweise stark. Sie legten 1,1 Prozent zu, nachdem Medienberichte über steigende Umsätze der Chip-Hersteller in der Autoindustrie kursiert waren. Unter Berufung auf eine Studie von Strategy Analytics berichtete die Branchenzeitung „Automobilwoche“ vorab in ihrer Montagsausgabe über einen möglichen Erlösanstieg auf 42 Milliarden Dollar bis 2020. Derzeit liegen die Umsätze der Chip-Industrie in der Autobranche bei knapp 30 Milliarden Dollar. Doch die Nachricht wirkte kaum über den Tag hinaus, die Aktie sinkt im weiteren Wochenverlauf.
Kursentwicklung bis Donnerstag: - 0,3 Prozent

VONOVIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A1ML7J1
Börse
Xetra

+0,14 +0,32%
+43,35€
Chart von VONOVIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Annington: Möglicher Rekordgewinn reicht nicht
5 von 17

Selbst eine positive Nachricht gab der Aktie der Deutschen Annington nur kurze Impulse. Die im MDax verzeichneten Papiere von Deutschlands größtem Wohnungskonzern schossen am Montag zeitweise acht Prozent ins Plus und beendeten den Handel 5,9 Prozent fester. Auslöser: Das Unternehmen veröffentlichte erstmals nach der Übernahme der Konkurrentin Gagfah eine Prognose für das gemeinsame Unternehmen, das demnächst Vonovia heißen wird. Demnach soll das operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO) auf 530 bis 550 Millionen Euro steigen. Bislang hatte Annington – ohne Berücksichtigung der Gagfah – 340 bis 360 Millionen Euro angepeilt. Doch die Aktie sackte im allgemeinen Stimmungstief im Wochenverlauf wieder ab.
Kursentwicklung bis Donnerstag: - 4,1 Prozent

BERTRANDT AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005232805
Börse
Xetra

-2,25 -2,88%
+75,95€
Chart von BERTRANDT AG INHABER-AKTIEN O.N.
Bertrandt: Index-Abstieg belastet
6 von 17

Der Ingenieur-Dienstleister Bertrandt, der erst Ende Februar vom SDax in den MDax aufgestiegen war, muss jetzt wieder weichen. Dies belastete neben der allgemeinen Marktstimmung den Kurs. Marktbeobachter geben dem Papier indes nach wie vor gute Chancen, zum Beispiel Analyst Christian Ludwig vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe. Er beließ seine Einstufung für Bertrandt nach einer Investorenveranstaltung auf "Kaufen" mit einem Kursziel von 145 Euro. Die Treiber für das Geschäft des Dienstleisters für die Autoindustrie seien nach wie vor solide, schrieb der Aktienstratege in einer Studie.
Kursentwicklung bis Donnerstag: - 2,0 Prozent

AMADEUS FIRE AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005093108
Börse
Xetra

+0,80 +0,83%
+96,50€
Chart von AMADEUS FIRE AG INHABER-AKTIEN O.N.
Amadeus: Ticketgebühr der Lufthansa drückt Kurs
7 von 17

Auf den internationalen Aktienmärkten fielen diese Woche einige Papiere mit deutlichen Kursausschlägen auf, zum Beispiel die Aktien des Flugbuchungsanbieters Amadeus. Sie litten unter den Lufthansa-Plänen für eine Ticketgebühr. Das Papier der spanischen Firma verbilligte sich am Mittwoch um bis zu 10,3 Prozent. Die Lufthansa will mit einer Gebühr von 16 Euro mehr Kunden auf die eigene Internet-Seite lenken. Die Gebühr werde ab September für jedes Ticket verlangt, das über eines der großen Reisebuchungssysteme wie Amadeus ausgestellt wird, hatte die Fluggesellschaft am Vortag mitgeteilt. Viele Investoren befürchten laut Händlern nun, dass auch andere Airlines nachziehen und Amadeus das Geschäft verhageln.
Kursentwicklung bis Donnerstag: - 8,7 Prozent

Optimisten beruhigen sich mit der Geldpolitik der Notenbanken. Bisher gehen viele Börsianer davon aus, dass beispielsweise die Europäische Zentralbank keine starken Zinserhöhungen und Verwerfungen an den Anleihemärkten zulassen wird. Erst im Januar hatte EZB-Chef Mario Draghi ein großes Aufkaufprogramm für Staatsanleihen angekündigt und setzt dieses seit März um. Insoweit ist der rasante Renditeanstieg in so kurzer Zeit bereits eine Überraschung.

Skeptiker erkennen Trendwende am Anleihemarkt
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