Dax-Ausblick Syrien-Konflikt und Konjunktursorgen – die Märkte stehen vor neuer Probe

An der Börse dürfte trotz des Syrien-Konflikts schnell wieder Normalität einkehren. Dämpfer könnten jedoch von der Konjunkturseite folgen.
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Börsianer sind zuversichtlich, dennoch mangelt es auch in der neuen Woche nicht an potenziellen Störfaktoren. Quelle: dpa
Handelssaal in Frankfurt

Börsianer sind zuversichtlich, dennoch mangelt es auch in der neuen Woche nicht an potenziellen Störfaktoren.

(Foto: dpa)

FrankfurtWenn am Montagmorgen die europäischen Aktienmärkte in die neue Handelswoche starten, richtet sich der Blick im Detail auf die erste Reaktion nach dem militärischen Angriff des Westens in Syrien. Der Dauerkonflikt hat die Märkte in der Vergangenheit immer wieder belastet – und dürfte es auch diesmal tun.

Gleichwohl stellt sich die Frage, wie nachhaltig die Marktreaktion tatsächlich wird. Frankreich, Großbritannien und die USA haben offen erklärt, eine weitere militärische Intervention sei vorerst nicht geplant. Daher ist es wahrscheinlich, dass auch am Aktienmarkt schnell wieder Normalität einkehrt. Mögliche Kursverluste dürften daher schnell wieder ausgeglichen werden, sollte kein weiterer Schritt erfolgen.

„Es gibt keinen klaren Zusammenhang zwischen Krieg und Aktienmarkt. Kurz andauernde Militäreinsätze sind für den Markt tendenziell irrelevant“, sagt Marktexperte Sönke Niefünd von der Otto M. Schröder Bank. „Kriege, die viel Geld verschlingen, sind eine andere Sache und belasten vielmehr die Staatshaushalte.“

Nach drastischen Kurskorrekturen am Ende des Winters haben sich die Märkte mittlerweile wieder stabilisiert. Der Dax ist am vergangenen Freitag wieder über die Marke von 12.500 Punkten geklettert, notierte am Ende dann leicht darunter. Das Wochenplus war mit wenigen Punkten minimal ausgefallen. Zur Erinnerung: Das letzte Rekordhoch im Januar wurde bei 13.596 Punkten erreicht, ehe es bis Ende März für den Dax im Schaukelrhythmus überwiegend abwärts gegangen war.

Deshalb ist die Stimmung an der Börse in diesem Jahr bisher schlechter als die Lage – das glauben zumindest die Analysten der DZ Bank. Nur formulieren sie etwas feiner: „Weil die Gewinne der Unternehmen weiter steigen, hat sich eine nennenswerte Diskrepanz zwischen Marktsentiment (schlecht) und Bewertung (attraktiv) aufgetan.“

Diese Kluft dürfte nach Ansicht der Experten während der beginnenden Berichtssaison offensichtlich werden – und zwar insbesondere bei US-Titeln, bei denen erstmalig die Effekte der Steuerreform vollumfänglich sichtbar werden. Einen Vorgeschmack gaben am vergangenen Freitag schon mal die US-Banken – die klotzig verdienen.

„Idealerweise führt dies bereits im April/Mai zu einer Erholungsbewegung, bevor die steigenden Unternehmensgewinne die Aktienmärkte im Frühsommer in Richtung der alten Hochs führen“, geben sich die Fachleute des genossenschaftlichen Zentralinstituts optimistisch. Aktuell besitze der Leitindex Dax das Potenzial, bis Ende des Jahres auf 14.000 Punkte anzusteigen.

Trotz dieses zuversichtlichen Ausblicks bleiben die Inflations- und Zinssorgen auch in der neuen Woche ständige Begleiter der Börsianer. Nur weisen diese zu Recht darauf hin, dass die Auftragsbücher deutscher Unternehmen voll sind. Aber fast allen Marktteilnehmern ist auch nicht verborgen geblieben, dass die Konjunkturdaten zuletzt nicht mehr ganz so rosig ausgefallen waren.

Wichtig sind dabei vor allem die Frühindikatoren. Kommende Woche stehen in Deutschland am Dienstag die ZEW-Konjunkturerwartungen an – das kann zu Börsenreaktionen führen, wenn der Wert nach der einen oder anderen Seite von den Prognosen abweicht. Im Euroraum ist neben der finalen März-Inflation am Dienstag dann am Freitag das Verbrauchervertrauen für April wichtig.

Übrigens gibt es auch vorsichtigere Stimmen, die noch nicht einen schnellen Kursaufschwung voraussagen. „An den Börsen bleibt vorerst ein anhaltender Seitwärtstrend wahrscheinlich. Wir bleiben daher bei Aktien neutral gewichtet“, meint beispielsweise Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers.

Und auch die Analysten der Helaba sind eher defensiv ausgerichtet. Die Korrektur könnte sich ihrer Meinung nach noch bis in den Herbst hinein fortsetzen. Insgesamt sei festzustellen, dass bislang lediglich die Stimmungsüberhitzung abgebaut wurde. Eine wirkliche Bereinigung habe nicht stattgefunden, und so blieben Aktien weiterhin anfällig. „Für eine offensivere Positionierung ist es unseres Erachtens noch zu früh!“, heißt es im Research der Landesbank.

Besonders im Fokus dürfte auch in der neuen Woche die VW-Aktie stehen. Seit dem Aufkommen erster Spekulationen über einen Chefwechsel haben die Papiere bereits um 7,5 Prozent zugelegt. Im MDax zeigte sich der Flughafenbetreiber Fraport am Freitag mit leichten Kursgewinnen. Im SDax überzeugte der Motorenbauer Deutz vor allem mit seinem starken Auftragseingang.

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