Dax-Neuling Überraschender Rückschlag für Wirecard – Aktie stürzt zeitweise um 13 Prozent ab

Der Dax-Neuling hat im Tagesverlauf zeitweise bis zu 13 Prozent an Wert verloren. Warum, ist nicht ganz klar. Ein Investorentag am Dienstag könnte für Neuigkeiten sorgen.
Update: 08.10.2018 - 19:55 Uhr Kommentieren
Die Aktie des Dax-Neulings verlor am Montag zeitweise 13 Prozent. Quelle: argum / Thomas Einberger für Handelsblatt
Wirecard

Die Aktie des Dax-Neulings verlor am Montag zeitweise 13 Prozent.

(Foto: argum / Thomas Einberger für Handelsblatt)

FrankfurtDer Dax-Neuling Wirecard hat an diesem Montag seinen ersten rabenschwarzen Tag im deutschen Leitindex erlebt. Nachdem die Aktie des Zahlungsdienstleisters aus Aschheim bei München schon am Vormittag mehr als neun Prozent im Minus notiert hatte, stürzte das Papier am Nachmittag zum Handelsstart in den USA auf 13 Prozent ab. Den Xetra-Handel beendete das Papier schließlich zwölf Prozent im Minus bei 166,20 Euro.

Auf diesem Niveau war die Aktie zuletzt Mitte August. Das Kursplus der vergangenen zwölf Monate beträgt allerdings dennoch 140 Prozent. Wirecard gehört am Montag zu einer ganzen Reihe von weltweiten Technologietiteln, die unter Druck standen. Grund für die Unsicherheit an den Börsen ist zum einen der Anstieg der Renditen in den USA, zum anderen sind es die Sorgen um den italienischen Staatshaushalt.

So notierte die Aktie von Tesla nach dem Handelsstart mehr als vier Prozent im Minus, und die Papiere von Amazon und Apple büßten etwa 0,5 Prozent ein. Der Tech-Index TecDax verlor zwischenzeitlich mehr als drei Prozent. Dort standen auch die Titel von S&T, Evotec und Drägerwerk gehörig unter Druck.

Gründe für Wirecard-Verluste sind unklar

Warum die Aktie von Wirecard so große Verluste hinnehmen musste, ist nicht ganz klar. Der Capital Marktes Day, der am Dienstagnachmittag in London stattfindet, könnte jedoch für Neuigkeiten sorgen. Dorthin lädt das Unternehmen schon seit Jahren um diese Zeit Analysten und Investoren, um einen Einblick in neueste Entwicklungen, Themen und Trends zu geben.

So auch am Dienstag. Ab 14 Uhr britischer Zeit steht sehr viel Technik auf dem Programm. Disruptive Zahlungsmodelle zählen beispielsweise dazu, die das Unternehmen für die Deutsche Telekom, Fitbit oder Hello Fresh entwickelt hat. Ebenso Megathemen wie Blockchain sowie die vielen neuen Varianten des Bezahlens, die in den kommenden Jahren Realität werden sollen.

Erst am Ende der Veranstaltung gegen 18 Uhr unserer Zeit wird der langjährige Vorstandschef und Großaktionär Markus Braun für 20 Minuten auf die Bühne gehen und einen Ausblick zur weiteren Strategie von Wirecard geben.

Schon in der vergangenen Woche hatte Braun im Handelsblatt erklärt, wohin er das weniger als zwei Jahrzehnte alte Unternehmen noch bringen will. „Wir haben sicherlich das Potenzial, den Börsenwert in den kommenden Jahren auf mehr als 100 Milliarden Euro zu bringen“, sagte Braun, der mit einem Anteil von über sieben Prozent auch größter Aktionär ist. Aktuell beträgt der Börsenwert mehr als 20 Milliarden Euro.

„Wir können unser Geschäftsmodell in den kommenden Jahren sicher verzehn-, verzwanzig- oder auch verdreißigfachen.“ Quelle: Bloomberg
Wirecard-Chef Markus Braun

„Wir können unser Geschäftsmodell in den kommenden Jahren sicher verzehn-, verzwanzig- oder auch verdreißigfachen.“

(Foto: Bloomberg)

Braun hat klare Vorstellungen darüber, wie er seine Ziele erreichen will. „Wir können unser Geschäftsmodell in den kommenden Jahren sicher verzehn-, verzwanzig- oder auch verdreißigfachen“, so Braun wörtlich. Ausgangspunkt für seine These ist, dass die Digitalisierung noch ganz am Anfang steht – speziell im Zahlungsverkehr. Weltweit werden noch über 80 Prozent aller Bezahltransaktionen in bar erledigt. Doch besonders in den aufstrebenden Nationen in Asien und Afrika ist das Bezahlen per Mobiltelefon schon Standard.

Damit das auch in Deutschland irgendwann der Fall ist, will Wirecard die Anwendungen der hauseigenen Bezahl-App Boon deutlich erweitern. „Künftig sollen die Kunden via Boon Überweisungen tätigen können, Kredite ausleihen und Versicherungen abschließen“, gewährt Braun einen Blick in die Zukunft.

Gerade liefen Gespräche mit großen Versicherern über Kooperationen. Wer eine Luxustasche kauft oder ein Elektronikprodukt, der kann die Produkte beim Bezahlen per App gleich mitversichern, so der Plan.

Seit Längerem Diskussion über hohe Börsenbewertung

Seit vielen Jahren verfolgt Braun, der seit 2002 an der Spitze von Wirecard steht, die Diskussion über die hohe Bewertung an der Börse. Die gab es bereits bei den ersten Roadshows, als der Kurs bei drei bis vier Euro stand. Vor dem Kursrutsch am Montag waren es über 190 Euro. „Wahrscheinlich wird auch noch bei 2.000 Euro darüber spekuliert werden“, vermutet Braun. Letztlich müssten das aber die Investoren entscheiden, sein Unternehmen könne lediglich für die starke Wachstumsgeschichte sorgen.

Von einem solchen Kursniveau hat sich Wirecard zum Wochenauftakt aber erst mal deutlich entfernt. Von Analystenseite erhält Wirecard allerdings weiterhin Unterstützung. Die Experten der NordLB veröffentlichten am Montag zum ersten Mal eine Studie über den Zahlungsdienstleister.

Dort raten sie bei einem Kursziel von 225 Euro zum Kauf. „Das hohe Unternehmenswachstum wird sich nach Unternehmensangaben in den nächsten zehn Jahren noch dynamischer fortsetzen, wobei der Gewinn sich überproportional zum Umsatz entwickeln soll“, begründet Analyst Wolfgang Donie seine Einschätzung.

Gegenüber dem Magazin „Börse Online“ erklärte Finanzvorstand Alexander von Knoop am Montag, dass Wirecard keine Änderung seiner Dividendenpolitik plane: „Wir sind ein Wachstumsunternehmen, eine deutlich höhere Ausschüttung macht für uns keinen Sinn.“ Statt die Dividende anzuheben, wolle man weiter in neue Produkte und die weitere Expansion investieren. Das Unternehmen hatte für 2017 eine Dividende von 0,18 Euro je Aktie ausgeschüttet, die Dividendenrendite lag den Angaben zufolge bei lediglich 0,11 Prozent.

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