Dax-Vorschau Draghi, der Donnergott

EZB-Chef Mario Draghi kann die Märkte mit nur einem Satz erschüttern – oder erfreuen. Die EZB wird die Investoren auch nächste Woche intensiv beschäftigen. Die Berichtssaison läuft weiter auf Hochtouren.
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Händler an der Frankfurter Börse. Anleger lassen die EZB nicht aus den Augen. Quelle: dpa

Händler an der Frankfurter Börse. Anleger lassen die EZB nicht aus den Augen.

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Diese Woche bestimmte die EZB die Richtung an den Finanzmärkten. EZB-Präsident Mario Draghi hatte am Donnerstag einen Kursrutsch an den Aktienmärkten ausgelöst, da er keine konkreten Maßnahmen der EZB im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise angekündigt hatte. Damit stieß er den Anlegern vor den Kopf, die auf Anleihenkäufe der EZB gehofft hatten.

Am Freitag sah der Markt dann doch ein, dass die Reaktion übertrieben gewesen sei und holte kräftig auf. Der Dax hat deshalb auf Wochensicht noch ein moderates Plus geschafft. Grundsätzlich rechnen Investoren nämlich damit, dass die EZB früher oder später zur Tat greifen wird.

Von Reuters befragte Ökonomen gehen davon aus, dass die EZB die Ankäufe erst in die Wege leiten wird, nachdem die Regierungen der Euro-Zone die Rettungsschirme am Anleihenmarkt aktiviert und die kriselnden Länder Hilfe angefordert haben. Sie rechnen damit, dass die Notenbank im September mit dem Kauf von italienischen und spanischen Staatsanleihen beginnt und dann auch den Leitzins auf 0,5 Prozent von derzeit 0,75 Prozent senkt.

"Es wird sehr volatil an den Märkten bleiben, denn die EZB hat keine konkreten Maßnahmen angekündigt. In den nächsten Wochen wird es daher viele Spekulationen geben darüber, ob, wann und was da kommen wird", sagte Marktstratege Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. Er schließt auch Kursverluste in der neuen Woche nicht aus, da der Dax sich zuletzt gut entwickelt hat. Seit Ende Juni hat der Leitindex rund zehn Prozent gewonnen.

Mehr Optimismus versprüht dagegen Wolfang Duwe von der Bremer Landesbank. Der Markt habe die Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi verarbeitet, daher könne es weiter nach oben gehen. "Außerdem ist die Bewertung des Marktes günstig", fügt Duwe hinzu.

Auf längere Sicht teilen viele Analysten Duwes Zuversicht. Schuldenkrise und Konjunktursorgen belasteten die Märkte zwar in nächster Zeit, schrieben die Analysten der Landesbank Berlin. "Allerdings gehen wir trotz der zuletzt ungeschickten Vorgehensweise Draghis davon aus, dass die EZB ihre Stützungsmaßnahmen ausbauen wird. Die Liquidität bleibt den Märkten als Impulsgeber weiter erhalten."

Ähnlich sieht das Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank, der ebenfalls erwartet, dass Notenbanken und Politik eingreifen und damit die Aktienmärkte unterstützen werden.

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18 Kommentare zu "Dax-Vorschau: Draghi, der Donnergott"

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  • Eine kutze, sinngemäße -politisch nicht korrekte- Übersetzung der Pressekonferenz des Herrn Draghi:

    "Wir stellen die künftige Arbeit der EZB unter das Motto: Von der Zentralbank Zimbabwes lernen heißt: Siegen lernen !
    Wir werden nach der devise handeln: Print, Baby, print !
    Wir haben dies einstimmig beschlossen, gegen die Stimme der Bundesbank, aber wir haben die Mehrheit.
    Sie dürfen mich künftig mit John Law II anreden."

  • Sie haben Recht, der Mensch kann auch auf ehrliche Art un Weise sein Geld zum Leben verdienen, ohne mythologische Fassade, hinter der ausschließlich Korruption am Werke ist.

  • Die neue EZB Strategie ist es, den Kapitalmärkten die Aussicht auf frische Liquidität vor die Nase zu halten wie einem Kanienchen die Mohrrübe. Stellt sich nur die Frage ob Liquidität die Lösung oder das Problem ist.
    Mein Blogg zum Thema: "WWW.DAXWEEKLY:BLOGSPOT.DE"

  • Die Märkte...
    Also Schuldennationen mit neuen Schulden zu retten, kann die "Märkte" nicht beruhigen. Beruhigt werden nur die Banken, die an den neuen Schulden verdienen und neues Futter für ihre Spekulationsgeschäfte bekommen. Drahghi besänftigt nicht die Schuldenkrise, er heizt sie an!

  • Würden hier originäre Mittelstandsmeldungen erscheinen, wüßten Sie nichts von einer Krise. Der Juppi-Sumpf deliriert noch schlimmer rum als Springer, Spiegel und alle Finanzblätter plus alternativer mainstream zusammen.
    Der Mittelstand gehört zu den treibenden Kräften des Euros und gibt sich stets begeistert oder ist abwesend.

    Wieder eine Idylle auf der Mülle ...

    http://www.mittelstand-nachrichten.de/

    http://www.marktundmittelstand.de/

    http://www.mittelstand-nachrichten.at/

    http://www.perspektive-mittelstand.de/

  • es bleibt der Eindruck, daß sich da eine Camarilla von Politmafioso schlicht die Taschen füllt - unter dem unerträglichen Geblöke der Phrasen, die alle diese Superökonomen sich mal nach Reagan in den USA zur Wissenschaft und deren Stein der Weisen haben hochstilisieren lassen.
    Tolle Lobbyarbeit der Banken übrigens. Wohin das im Extremfall führt, ist mit deutschen Erfahrungen hinreichend belegt.

  • Wie macht man jemanden zum "Donnergott"?
    In dem man ihm es zugesteht, durch wen auch immer.

    Draghi ist der Repräsentant und Chef der europäischen Notenbank. Nicht mehr und nicht weniger. Er hat bestimmte Aufgaben, die er dar gelegt hat.
    Und nun? Weil er gesagt hat, was seine Aufgabe ist, ist er göttlich?
    Die Medien müssen echten Nachholbedarf am Starkult haben.

  • Von Super-Mario zum Donnergott?
    Könnte es sein, dass es sich um einen Nachfahren von Ikarus handelt?

  • @Frank: Bravo! ...Klasse Analyse ;-)

  • [...]
    ESM ist aber nichts anderes, als ein Gebilde, was wie die Mafia wirkt. Es ist außerhalb der demokratischen Strukturen und ist aber kriminell.

    ESM ist wie die Mafia
    - außerhalb der demokratischen Strukturen
    - wir zahlen, haben aber keine Mitsprache [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

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