Deutscher Aktienindex Dax schließt kaum verändert

Die Aussicht auf eine zähe Regierungsbildung in Berlin hat die Börsianer nicht sonderlich verunsichert. Der deutsche Leitindex Dax schließt am Montag kaum verändert. Der Aktienkurs von RWE hingegen gibt deutlich nach.
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Anleger reagieren gelassen auf mögliche Jamaika-Koalition

Frankfurt, DüsseldorfGelassen hat der deutsche Aktienmarkt am Montag auf die hohen Verluste der Großen Koalition und den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl reagiert. Der Dax drehte nach anfänglichen leichten Verlusten ins Plus und schloss am Abend kaum verändert bei 12.594 Punkten. Damit hielt sich die Aufregung trotz des für viele Börsianer doch überraschenden Wahlausgangs bislang in Grenzen.

Der Euro rutschte am Montag um mehr als einen halben US-Cent auf 1,1856 Dollar ab. Auch der im September zum zweiten Mal in Folge gesunkene Ifo-Geschäftsklimaindex belastete die Börsen nicht. Der MDax, in dem die Aktien mittelgroßer Konzerne vertreten sind, stieg um 0,05 Prozent auf 25.631 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax legte um 0,4 Prozent auf 2.410 Zähler zu. Der Euro-Zonen-Leitindex Euro Stoxx 50 notierte 0,1 Prozent niedriger bei 3.538 Punkten.

„Für die Börsen ist das Ergebnis der Bundestagswahl eine faustdicke Überraschung“, sagte der Leiter des Portfoliomanagements beim Fondshaus Union Investment, Björn Jesch. Mit einer Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen habe an den Börsen kaum jemand gerechnet. „Politiker und Investoren müssen sich nun neu sortieren.“

„Die Sondierungen zwischen CDU, FDP und Grünen werden zäh, so viel steht fest“, sagte der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, Ulrich Stephan. „Vor allem bei Themen wie Digitalisierung und Bildung oder bei der künftigen Steuer-, Energie- und Europapolitik.“

Die Stimmung ist nach einem denkwürdigen Abend sehr gedämpft. Während Union und SPD ihre schlechtesten Ergebnisse seit 1949 einfuhren, hat die AfD den Einzug in den Bundestag mit über zwölf Prozent geschafft. Die FDP ist wieder da, auch die Grünen verbessern sich leicht. Da die SPD nicht erneut in eine Große Koalition bilden, sondern in die Opposition gehen will, ist eine stabile Zweierkoalition ausgeschlossen. Kanzlerin Angela Merkel wird wohl nur mit der FDP und den Grünen weiterregieren können. Für die Regierungsbildung bedeutet das viele Fragezeichen.

Die massiven Stimmverluste der beiden großen Parteien Union und SPD sowie der Wahlerfolg der rechten AfD haben in der deutschen Wirtschaft Unsicherheit und Sorge ausgelöst. „Die AfD im Deutschen Bundestag schadet unserem Land“, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer am Sonntag. Längerfristig negative Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland sieht auch das deutsche Handwerk. Zugleich fürchten viele Wirtschaftsvertreter nun eine Hängepartie bei der Regierungsbildung verbunden mit weniger politische Stabilität. „Wir brauchen in diesen schwierigen Zeiten eine stabile Regierung“, mahnte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer.

Das wurde im ersten Halbjahr 2017 aus 100.000 Euro
Platz 25: Zucker
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Wie gewonnen, so zerronnen. Im vergangenen Jahr gehörte Zucker mit einem Plus von 28 Prozent zu den lukrativsten Anlageformen, im ersten Halbjahr 2017 machten Investoren aber deutliche Verluste. Der Preis für eine Tonne Rohrzucker brach in New York um mehr als 35 Prozent ein. Zucker wird – wie alle Rohstoffe - in Dollar gehandelt wird. Der zum Euro gefallene Dollar vergrößerte die Verluste für hiesige Investoren noch. Wer Anfang des Jahres einen Terminkontrakt für 100.000 Euro auf Zucker kaufte, hat so jetzt – ohne Transaktionskosten - nur noch 59.740 Euro auf dem Konto. Hauptgrund für den Verfall sind globale Produktionsüberschüsse und wachsende Lagerbestände.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 24: Öl
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Hohe Lagerbestände sind auch ein Grund dafür, dass der Ölpreis in diesem Jahr wieder auf Talfahrt gegangen ist. Dazu kommt die steigende Förderung in den USA, nicht nur von traditionellem, sondern auch von aus Schiefergestein gewonnenem Öl. Seit Januar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent um 16 Prozent, aus 100.000 in Ölkontrakten angelegten Euro wurden sogar nur 77.520 Euro – ein Minus von 22,48 Prozent. Die seit November vergangenen Jahres geltende Förderbremse der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) und zehn weiterer Nationen zieht damit nicht. Die USA machen bei den Beschränkungen nicht mit.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 23: Aktien Katar
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Das reichste Land der Welt wird von seinen Nachbarn isoliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Ägypten und Jemen warfen Katar Anfang Juni vor, Extremisten zu unterstützen und haben ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Wüstenstaat abgebrochen. Darauf reagierte auch die Börse. Die Verluste des QE-Index in Doha summieren sich so seit Jahresanfang auf 13,5 Prozent, dazu wertete die Landeswährung Katar-Riyal zu Dollar und Euro ab. Von 100.000 in den QE-Index investierten Euro sind so nur noch 79.500 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 22: Aktien Russland
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Die Erholung der russischen Börse aus dem vergangenen Jahr ist schon wieder zu Ende. 100.000 in den Leitindex Micex investierte Euro schrumpften seit Januar auf 81.200 Euro – ein Verlust, der durch die Abwertung des Rubels noch verstärkt wurde. Hauptgründe für den neuen Einbruch der Börse sind der wieder fallende Ölpreis. Dazu belasten nach wie vor die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen die russische Wirtschaft.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 21: US-Dollar
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Vor allem am Devisenmarkt zeigt sich, dass die Euphorie um US-Präsident Trump verflogen ist. Die Hoffnungen schwinden, dass er seine angekündigten Steuersenkungs- und Investitionsprogramme zügig durchgesetzt bekommt. Auch die Politaffären rund um FBI und Russland lassen den Dollar schwächeln. Und das nicht nur zum Euro, sondern zu den meisten wichtigen Währungen. Der Euro dagegen legte zu vielen Währungen zu. Die Folge: Aus 100.000 zu Jahresbeginn in den Dollar investierten Euro sind in den ersten sechs Monaten des Jahres nur noch 81.200 Euro geworden, ein Minus von über sieben Prozent.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 20: Aktien Brasilien
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Mit vielen Vorschusslorbeeren war Brasiliens Präsident Michel Temer Ende 2015 ins Amt gestartet. Doch im März kam heraus, dass auch Temer in den seit Jahren schwelenden landesweiten Bestechungsskandal rund um die Konzerne Petrobras (Öl- und Gas), Odebrecht (Bau- und Chemie) sowie JBS (Fleisch) verwickelt ist. Das ernüchterte die Investoren. In Real gerechnet legte der Ibovespa-Index zwar knapp drei Prozent zu, aber der Real wertete deutlich ab. Von 100.000 in den Ibovespa investierten Euro verloren Anleger somit in diesem Jahr 5.595 Euro auf 94.050 Euro.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Staatsanleihen
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Für Dollar-Anleger haben sich US-Staatsanleihen besser entwickelt als erwartet. Obwohl die US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal auf ein Band von jetzt 1,00 bis 1,25 Prozent erhöht hat, stiegen die Kurse von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Das liegt vor allem an den gesunkenen Inflationserwartungen. Quer über alle Laufzeiten erzielten Anleger im ersten Halbjahr mit US-Staatsanleihen so einen Gesamtertrag aus Zinseinnahmen und Kursveränderungen von immerhin gut zwei Prozent. Der Verlust des Dollars zum Euro zehrte diesen Gewinn aber für Euro-Anleger mehr als auf. Aus 100.000 in US-Staatsanleihen investierten Euro bleiben so nur 94.970 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

An der Börse sehen Analysten keine dauerhafte Belastung der Märkte durch das Ergebnis – getreu der alten Weisheit, dass politische Börsen kurze Beine haben. „Kapitalmärkte mögen keine Überraschung. Das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 lässt keine dramatische Politikwende in Deutschland erwarten. Obwohl der erstmalige Einzug der AfD in den Bundestag sicherlich ein großes internationales Medienecho auslösen wird, ist der direkte Einfluss der populistischen Parteien am rechten und linken Rand auf die deutsche Politik weiterhin sehr gering“, kommentiert etwa Till Galler von JP Morgan Asset Management den Wahlausgang.

Eine weitere vierjährige Amtszeit von Angela Merkel verspreche Kontinuität. „Die Märkte werden diese Wahl schnell abhaken und den Blick zunehmend nach Italien richten, wo laut aktuellen Umfragen ein radikaler Politikwechsel im nächsten Frühjahr im Rahmen des Möglichen ist.“ Einzig das Scheitern Merkels an der Aufgabe, in den kommenden Wochen eine Koalitionsregierung zu formen, könnte zu neuer Unruhe an den Märkte führen, glaubt Galler.

Populismus in Europa auf dem Vormarsch
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  • Politische Börsen haben kurze Beine und sind vor allem kurzlebig.

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