„Die Lage hat sich nicht beruhigt“ Dow Jones stürzt um mehr als 1000 Punkte ab

Was ist bloß los mit den Märkten? Schon wieder brachen die wichtigsten US-Indizes massiv ein.
Update: 09.02.2018 - 04:10 Uhr 1 Kommentar
Die Börsianer New Yorks verfolgen genau, was auf den Kurstafeln los ist. Quelle: AFP
Gebannte Blicke

Die Börsianer New Yorks verfolgen genau, was auf den Kurstafeln los ist.

(Foto: AFP)

New YorkDie US-Börsen haben am Donnerstag erneut herbe Verluste hinnehmen müssen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Minus von 4,2 Prozent auf 23.858 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 3,8 Prozent auf 2581 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 3,9 Prozent auf 6777 Stellen ein.

Für den Dow Jones war es nach Punkten der zweitgrößte Verlust aller Zeiten. Größer war nur das Minus am Montag mit 1175 Zählern. Der amerikanische Leitindex ist damit im Korrekturmodus: Seit dem Allzeithoch von 26.617 Punkten Mitte Januar hat er mehr als zehn Prozent verloren. Die letzte Korrektur gab es im Februar 2016.

Der Kursrutsch wirkte sich auch auf die Märkte in Asien aus. Nach den heftigen Kursverlusten an der Wall Street am Donnerstag sind die Märkte in China und Hongkong am Freitag schwach in den Handel gestartet. Der Shanghaier Composite Index lag eine halbe Stunde nach Handelsstart rund vier Prozent im Minus bei 3129 Punkten.

Deutlich fielen auch die Abschläge in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong aus, wo der Leitindex Hang Seng zum Handelsstart um rund 3,5 Prozent auf 29.361 Punkte absackte.

Die Talfahrt der US-Börsen brockte auch dem Dax und EuroStoxx50 am Donnerstag den größten Tagesverlust seit eineinhalb Jahren ein. Der deutsche Leitindex fiel 2,6 Prozent auf 12.260 Punkte, der europäische Index 2,7 Prozent auf 3361 Zähler.

Wie bereits Anfang der Woche gab es auch am Donnerstag keinen konkreten Auslöser für den Kursrutsch. Einige Investoren halten nach wie vor die Sorge vor einer strengeren Geldpolitik für den Treiber.

„Die Angst vor steigenden Zinsen hält die Börsen weiterhin im Würgegriff“, kommentierte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners die zweite heftige Talfahrt an der Wall Street in dieser Woche. Zu Wochenbeginn war der US-Leitindex um 4,60 Prozent eingebrochen, zeitweise sogar um sechs Prozent oder fast 1600 Punkte.

„Die Aktienmärkte waren massiv überbewertet. Investoren haben nur nach einem Grund gesucht, um zu verkaufen“, gibt Dan Alpert, Mitgründer der Investmentbank Westwood Capital, zu bedenken. „Sie haben erkannt, dass die Lage einfach zu unsicher war, um ewigen Optimismus zu rechtfertigen.“

Rasante Talfahrt – Dow stürzt um mehr als 1000 Punkte ab

Am Montag hatte nicht zuletzt die Furcht vor einer steigenden Inflation und deshalb strafferen Geldpolitik zu einem fast fünfprozentigen Absturz an der Wall Street geführt. Die Signale der britischen Notenbank sowie Spekulationen auf eine wachsende US-Staatsverschuldung hievten am Donnerstag die Rendite der zehnjährigen Treasury Bonds zeitweise auf 2,884 – nur einen Hauch vom Vierjahreshoch vom Montag entfernt.

Zwei Hoffnungswerte: Die US-Wirtschaft ist nach wie vor robust. Und die milliardenschweren Aktien-Rückkaufprogramme, die eine Reihe von US-Konzernen im Zuge der Steuerreform angekündigt hatten, könnte die Märkte in den kommenden Wochen und Monaten stützen.

Bill Dudley, der Chef der New Yorker Federal Reserve hatte am Donnerstag vor dem Kursrutsch noch gesagt, er glaube nicht, dass die Verunsicherung an den Märkten die wirtschaftliche Expansion gefährden würde. „Bisher würde ich sagen, es ist eine Lappalie“, sagte Dudley, der im Sommer vorzeitig aus dem Amt ausscheidet, im Interview mit dem Finanzdienstleister Bloomberg. Er geht weiter von drei Zinssteigerungen in diesem Jahr aus.

Doch niemand weiß, wie es an den Märkten weitergehen wird. Die vergangenen Monate waren von minimaler Volatilität geprägt. Nun sind die Kursschwankungen mit ungewohnter Härte zurückgekehrt. Diese Phase könnte sich in den kommenden Tagen wieder beruhigen oder noch wochenlang andauern, warnt Frank Cappelleri, Aktienhändler der Nomura-Tochter Instinet, im „Wall Street Journal“.

Der Volatilitätsindex VIX, der gern als Angstbarometer der Finanzwelt bezeichnet wird, schoss am Donnerstag erneut in die Höhe. Im frühen Handel fiel er zunächst unter die Marke von 25 Zählern, am Nachmittag lag er dann bei 34. Immerhin durchbrach er nicht - wie am Montag - die Marke von 50. Doch er ist ein Indikator dafür, dass die Verunsicherung anhalten wird.

Im Verlauf gaben die Renditen wieder etwas nach. Doch der wache Blick auf die Kreditmärkte sorgte Experten zufolge für zusätzliche Nervosität an den Aktienbörsen.

Hier richtete sich der Blick vor allem auf Boeing, die rund drei Prozent nachgaben. Der Flugzeugbauer hatte zuvor angekündigt, den Zulieferer Woodward übernehmen zu wollen. Woodward-Papiere legten fast zehn Prozent zu.

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1 Kommentar zu "„Die Lage hat sich nicht beruhigt“: Dow Jones stürzt um mehr als 1000 Punkte ab"

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  • Um Blasen an den Finanzmärkten weniger wahrscheinlich zu machen brauchen wir volkswirtschaftlich eine Senkung des Außenhandelsüberschusses Deutschlands. Deshalb brauchen wir höhere Löhne und eine Stärkung der Massenkaufkraft.
    Das Wort "Korrektur" halte ich für irreführend denn es suggeriert, das irgend jemand weiß was richtig oder falsch ist.

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