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Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 Facebook verliert durch Datenaffäre Milliarden an Börsenwert

An der Wall Street folgt auf Facebooks Datenaffäre der große Ausverkauf. Auch die Aktien anderer Tech-Firmen bleiben nicht verschont.
Update: 20.03.2018 - 00:26 Uhr Kommentieren

Datenaffäre erschüttert Facebook – Tech-Werte unter Druck

New York Facebook gerät durch die neue Datenaffäre in Europa und den USA immer stärker unter Druck - die Aktien des Unternehmens haben sich am Montag auf die größte Talfahrt seit mehr als fünf Jahren begeben. Sie gaben um sieben Prozent nach und wischten damit über 35 Milliarden Dollar des Marktwertes vom Börsenparkett.

Das Eingeständnis von Facebook, dass die Datenanalysefirma Cambridge Analytica und einige Forscher die Auflagen des weltgrößten Internet-Netzwerks verletzt hätten setzte die Kurse unter Druck. Medienberichten zufolge wertete Cambridge Analytica private Informationen von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern aus und unterstützte mit den Ergebnissen den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump.

Durch die Affäre könnte es laut einem Bericht der „New York Times“ bereits erste personelle Konsequenzen geben: Alex Stamos, der Chief Information Security Officer von Facebook, will laut dem Blatt das Unternehmen verlassen. Grund seien interne Meinungsverschiedenheiten darüber, wie das soziale Netzwerk mit seiner Rolle bei der Verbreitung von Desinformation umgehe.

Stamos gelte innerhalb des Unternehmens als starker Befürworter für eine Untersuchung und Offenlegung der russischen Aktivitäten auf Facebook, schreibt die Zeitung mit Berufung auf Facebook-Mitarbeiter.

Anleger befürchten nun, dass damit die Geschäftsmodelle einer ganzen Branche stärker ins Visier geraten. „Alle Tech-Firmen nutzen Daten in der einen oder anderen Weise für ihre Geschäfte. Sie werden nun viel stärker beobachtet, welche Daten sie sammeln und wie sie diese nutzen“, sagte Handelsexperte Shawn Cruz vom Broker TD Ameritrade.

„Der Druck auf Facebook treibt den Verkaufsdruck in der ganzen Branche an“, sagte auch Michael Underhill, Chief Investment Officer bei Capital Innovations. Der heftige Rückgang der Facebook-Aktien hat am Montag an der Wall Street tatsächlich einen Schatten auf andere große Technologieunternehmen geworfen. Amazon, Netflix und Apple fielen alle um mehr als 1,5 Prozent, während Googles Mutter Alphabet 3,2 Prozent verlor.

Der Dow Jones Industrial schloss mit einem Minus von 1,35 Prozent bei 24.611 Punkten. Damit endete der US-Leitindex erneut unter dem Schlussstand des Jahres 2017. Der breit gefasste S&P 500 büßte am Montag 1,42 Prozent auf 2.713 Zähler ein. Der technologielastige Nasdaq 100 verzeichnete zwischendurch den höchsten Verlust seit sechs Wochen und verlor letztlich 2,21 Prozent auf 6864,88 Punkte. In Frankfurt schloss der Dax 1,4 Prozent schwächer bei 12.217 Punkten.

Die Fed entscheidet am Mittwoch über ihren Leitzins. Eine Anhebung um 25 Basispunkte gilt als sicher. Mit Spannung werden daher nun die Signale zur weiteren Zinspolitik erwartet. Die Frage ist, ob die Fed wegen des kräftigen Wirtschaftsaufschwungs für dieses Jahr insgesamt vier statt der bislang in Aussicht gestellten drei Erhöhungen andeuten könnte.

Die hohe Verunsicherung im Markt dokumentierte der als Angstbarometer bekannte Vix-Index, der am Montag um rund 25 Prozent nach oben schnellte. Der Vix misst die kurzfristig erwarteten Schwankungen des S&P-500-Index.

Die „New York Times“ und der britische „Observer“ hatten am Wochenende berichtet, dass Cambridge Analytica die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern angezapft habe, um 2016 den US-Wahlkampf von Donald Trump zu unterstützen. Cambridge wies die Medienberichte unterdessen zurück.

Facebook selbst hatte bereits am Freitag erklärt, man habe 2015 erfahren, dass ein Professor der Universität Cambridge den Konzern belogen habe. Demnach nutzte er eine Psychologietest-Software, um Daten an Cambridge Analytica weiterzuleiten. Am Montag gab Facebook bekannt, es wolle Cambridge Analytica überprüfen. Die Firma habe eingewilligt, den Privatermittlern Zugang zu sämtlichen Servern und Systemen zu gewähren.

In Großbritannien gerät auch Cambridge-Analytics-Chef Alexander Nix ins Visier. Der Vorsitzende des Digitalausschusses im Parlament, Damian Collins, warf Nix vor, das Gremium bewusst getäuscht zu haben. Der Manager hatte im Februar gesagt, seine Firma nutze Facebook lediglich als Werbeplattform. „Wir nutzen Facebook-Daten nicht, und wir besitzen keine Facebook-Daten“, hieß es damals.

Die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham sagte dem Sender Channel 4 News, ihre Behörde wolle einen Durchsuchungsbeschluss für Cambridge Analytica erwirken. Denham, kündigte an, eine gerichtliche Verfügung erwirken zu wollen, um Zugang auf die Server des Unternehmens zu bekommen. Denn Cambridge Analytica habe sich bei Ermittlungen „unkooperativ“ gezeigt.

Die Sicherheitsbeauftragte prüft, ob die Facebook-Daten „illegal erlangt und verwendet“ wurden. Sie sprach von einer „komplexen und weitreichenden Untersuchung“ für ihr Team. EU-Justizkommissarin Vera Jourova will in dieser Woche bei ihrem US-Besuch mit dem Konzern und der Regierung in Washington über die Affäre sprechen.

Börsenanalyst Brian Wieser vom Brokerhaus Pivotal Research zeigte sich überzeugt, dass Facebook mehr Druck von der Politik bekommen wird. „Das ist nach unserer Ansicht ein weiterer Hinweis auf systembedingte Probleme bei Facebook.“

In den USA forderten der republikanische Senator John Kennedy und seine demokratische Kollegin Amy Klobuchar bereits Facebook-Chef Zuckerberg auf, sich zu erklären. In einem gemeinsamen Brief an den Vorsitzenden des Justizausschusses, Chuck Grassley, sprachen sie sich zudem dafür aus, auch die Chefs der Google-Mutter Alphabet und des Kurznachrichtendienstes Twitter vorzuladen. Die drei Unternehmen sammelten so viele Nutzerdaten wie nie zuvor.

Die Abgeordneten beklagten zudem eine mangelnde Kontrolle darüber, wie Daten gespeichert werden und politische Werbung verkauft wird. Dies gebe im Hinblick auf Wahlen und Datenschutz Anlass zur Sorge.

  • rtr
  • dpa
  • mi
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