Dow Jones, S&P 500 Erneuter Kursrutsch bei Facebook und Twitter belastet den Handel an der Wall Street

Auf große Kurssprünge an der Wall Street warten Marktbeobachter auch am Donnerstag vergeblich. Einmal mehr gehören Facebook und Twitter zu den größten Verlierern.
Update: 06.09.2018 - 23:49 Uhr Kommentieren
Der Handelsstreit bleibt das bestimmende Thema, auch an den US-Börsen. Quelle: AP
Händler an der Wall Street

Der Handelsstreit bleibt das bestimmende Thema, auch an den US-Börsen.

(Foto: AP)
  • Papiere von Tech-Riesen wie Amazon, Apple und Alphabet weiten Verluste aus
  • Anleger zögern wegen der Handelskonflikte

Geopolitische Risiken haben am Donnerstag das Geschehen an den US-amerikanischen Märkten belastet. Die US-Börsen schlossen uneinheitlich. Wie schon an den Tagen zuvor wagten sich Anleger kaum aus der Deckung.

Noch immer gibt es große Unklarheiten über die künftigen Handelsbeziehungen der USA mit ihren Partnern Kanada und China. Neuverhandlungen der USA über das Freihandelsabkommen Nafta blieben bislang ohne Ergebnis.

Deutlich stärker beschäftigt Investoren der wieder aufflammende Handelsstreit mit China. Börsianer rechnen damit, dass US-Präsident Donald Trump Zölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar verhängen wird. Gegenmaßnahmen der Regierung in Peking gelten ebenfalls als sicher. Trump erklärte am Mittwoch, dass auch hier die Verhandlungen andauern würden.

Für Donnerstag angekündigte Arbeitsmarktdaten fielen zwar etwas schwächer aus als erwartet, entwickelten sich allerdings nicht zu einem nachhaltigen Problem. Die vom privaten Dienstleister ADP veröffentlichten Daten über den US-Arbeitsmarkt zeigten einen Stellenzuwachs im August von 163.000. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von 190.000 Stellen gerechnet. Diese Daten gelten als Vorläufer der am Freitag erwarteten amtlichen US-Jobdaten.

Für Verunsicherung sorgt nach wie vor die Situation in den Schwellenländermärkten. Währungsturbulenzen in einzelnen Ländern wie der Türkei hatten dort zuletzt einen deutlichen Kursrutsch am Aktienmarkt eingeleitet. Seit Jahresbeginn haben die Schwellenländerbörsen, gemessen am MSCI World Emerging Markets, etwa ein Fünftel an Wert verloren.

Rückenwind erhielten die Aktien von der Konjunktur. So übertraf der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor im August deutlich die Erwartungen von Volkswirten. Zulegen konnte im Vergleich zum Vormonat vor allem die Auftragskomponente des Index.

Vorsicht ließen Anleger erneut bei den Technologiewerten walten: Die Papiere von Branchengrößen wie Amazon, Apple und der Google-Holding Alphabet weiteten die Verluste aus. „Der Technologiesektor ist zuletzt verstärkt unter Beobachtung geraten“, sagte Chris Hussey von Goldman Sachs. Er verwies auf die Anhörungen von Facebook und Twitter vor dem US-Kongress.

Indizes im Überblick

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,1 Prozent höher bei 25.995 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank dagegen 0,4 Prozent auf 2878 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,9 Prozent auf 7922 Punkte.

Vorgaben aus Europa und Asien

Wie schon in den Tagen zuvor geriet der Dax auch am Donnerstag kräftig unter Druck. Der Leitindex verzeichnete den sechsten Verlusttag in Folge – eine derartige Negativserie gab es zuletzt vor sechs Monaten – und schaffte es auch nicht, die Marke von 12.000 Punkten zu verteidigen. Der EuroStoxx50 büßte 0,6 Prozent auf 3295 Zähler ein.

Die wichtigsten Handelsplätze in Asien lagen am Donnerstag hingegen überwiegend in der Verlustzone. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index notierte 0,4 Prozent tiefer, ebenso der Shanghai Composite. Der MSCI für den asiatisch-pazifischen Raum verlor 0,6 Prozent.

Einzelwerte im Überblick

Tesla: Die Papiere des Autobauers verzeichneten ein Plus von 1,5 Prozent. Dem Branchendienst InsideEVs zufolge war das Modell 3 mit einem Absatz von 17.800 Einheiten der Bestseller im vergangenen Monat. Auf Platz zwei und drei der am meisten verkauften Elektroautos in den USA rangierten die Tesla-Modelle S und X.

Facebook, Twitter, Snap und Alphabet: Wie schon am Vortag gehörten die Titel von Facebook und Twitter zu den größten Verlierern an der Wall Street. Der Kurs von Facebook verlor 2,8 Prozent und der von Twitter sogar knapp 6 Prozent. Alphabet-Aktien verbilligten sich um 1,3 Prozent und Snap-Papiere um 3,1 Prozent.

Das US-Justizministerium will darüber beraten, ob Online-Netzwerke „willentlich den freien Meinungsaustausch beeinträchtigen“. Am Mittwoch mussten Manager beider Firmen dem Kongress wegen ihrer Rolle bei der mutmaßlichen Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahlen durch Russland Rede und Antwort stehen.

Navistar: Die Papiere des Lkw-Herstellers Navistar drehten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und verloren 8,5 Prozent. Das Unternehmen, an dem Volkswagen mit knapp 17 Prozent beteiligt ist, erhöhte zwar nach zuletzt guten Geschäften die Umsatzprognose für das laufende Jahr. An der Börse ging jedoch die Sorge um, die Nachfrage nach schweren Lkw in den USA könne den Höhepunkt erreicht haben.

„Händler sehen keine alternative zum Dollar“

KLA Tencor: Besonders hoch waren die Kursverluste von Halbleiteraktien. So brachen Aktien von KLA Tencor um fast 10 Prozent ein, nachdem sich ein Topmanager des Chip-Ausrüsters auf einer Konferenz der Citigroup zurückhaltend zu den künftigen Geschäften geäußert hatte. Papiere von Micron Technology sackten um knapp 10 Prozent ab, nachdem der Broker Robert W. Baird sie von einer Empfehlungsliste gestrichen hatte. Der Branchenindex Philadelphia Semiconductor Index (SOX) verlor 2,7 Prozent.

Chevron und ConocoPhillips: Der Ölpreis fiel zeitweise auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Wochen. Das drückte auf die Kurse der Ölbranche. Aktien von Chevron waren mit einem Abschlag von 3,1 Prozent der größte Verlierer im Dow. Mit minus 3,4 Prozent rutschten ConocoPhillips noch etwas tiefer ab.

Barnes & Noble: Auch bei der Buchhandelskette Barnes & Noble ist der Erlös im vergangenen Quartal stark zurückgegangen. Der Umsatz blieb selbst hinter der niedrigsten Analystenprognose zurück. Der Kurs sackte um rund 8 Prozent ab.

Netflix: Die Aktien von Netflix rückten dagegen um 1,5 Prozent auf 346 Dollar vor, nachdem eine Investmentbank ihr Kursziel für das Filmportal auf 440 Dollar erhöht hatte.

Diese Werte fielen im nachbörslichen Handel auf

Die Aktien von Broadcast stiegen im nachbörslichen Handel um mehr als 3 Prozent, nachdem das Unternehmen seine Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht hatte. Das Halbleiterunternehmen vermeldete einen Gewinn von 4,98 US-Dollar pro Aktie, mehr als die von Analysten erwarteten 4,82 US-Dollar. Die Firma erfüllte mit 5,07 Millionen Dollar die Umsatzerwartungen.

Die Papiere von GameStop fielen nachbörslich um mehr als 3 Prozent. Das Unternehmen hatte ebenfalls zuvor Quartalszahlen veröffentlicht, es wies einen Gewinn von 5 Cents pro Aktie aus, weniger als die von Analysten erwarteten 8 Cent pro Aktie. Der Umsatz fiel mit 1,65 Millionen Dollar hingegen besser aus als erwartet.

Was noch wichtig ist:

An der New York Stock Exchange wechselten rund 610 Millionen Aktien den Besitzer. 1347 Werte legten zu, 2057 gaben nach und 237 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,2 Milliarden Aktien 1046 im Plus, 1951 im Minus und 202 unverändert.

Die US-Kreditmärkte waren als sicherer Hafen gefragt und legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 5/32 auf 99-30/32. Die Rendite sank auf 2,8821 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 10/32 auf 98-28/32 und rentierte mit 3,0568 Prozent.

Der Eurokurs trat im späten US-Devisenhandel mit 1,1624 US-Dollar auf der Stelle. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1634 (Mittwoch: 1,1582) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8596 (0,8634) Euro gekostet.

Mit Agenturmaterial.

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