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Börse in Buenos Aires

In der Türkei etwa verlor die Lira gegenüber dem US-Dollar in einem Jahr die Hälfte an Wert. Das schaffte der argentinische Peso in wenigen Monaten.

(Foto: imago stock&people)

Emerging Markets 20 Prozent Börsenverlust bei Schwellenländern seit Jahresbeginn – wie Anleger reagieren sollten

Die Emerging-Markets-Aktienbörsen schrumpfen – in den vergangenen acht Monaten um ein Fünftel. Doch Experten raten erst bei noch tieferen Kursen zum Kauf.
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FrankfurtDie Jahresbilanz für die Schwellenländerbörsen ist enttäuschend. Seit dem Höhepunkt im Januar verloren die Aktien 20 Prozent an Wert, gemessen am Index MSCI World Emerging Markets. Rein statistisch bedeutet das eine Baisse.

Die Aktien der Industrieländer haben sich dagegen mit einem Minus von vier Prozent gut gehalten. Die Kluft spiegelt die dramatischen Ereignisse in einigen Schwellenländern aber kaum wider. In der Türkei etwa verlor die Landeswährung Lira gegenüber dem Dollar in einem Jahr die Hälfte an Wert. Das schaffte der argentinische Peso in wenigen Monaten. Zuletzt rutsche Südafrika in eine Rezession.

So wenig die Situationen sich in vielen Ländern ähneln, so gibt es zwei große Belastungen. „Es ist zum einen der Handelsstreit, der exportorientierte Märkte unter Druck setzt“, sagt Daniel Lösche, Kapitalmarktexperte beim Vermögensverwalter Schroders. „Daneben bringt der starke Dollar die Länder mit hoher Verschuldung in US-Währung in Schwierigkeiten“, ergänzt er.

So seien Argentinien und die Türkei eher wegen des starken Dollars unter Druck geraten. Der vom US-Präsidenten Donald Trump initiierte Handelsstreit treffe dagegen stärker asiatische Länder wie China, aber auch Taiwan, Malaysia, Singapur oder Korea.

Insbesondere der chinesische Aktienmarkt verlor in den vergangenen Wochen stark an Wert. Lösche gibt noch keine Entwarnung: „Die letzten US-Wirtschaftsdaten waren recht stark, so dass Trump keinen Grund für eine De-Eskalation des Handelsstreits hat.“

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Lösche will nach den bisherigen Verlusten noch keine Entwarnung geben: „Die Aktienmärkte der Emerging Markets dürften weiter schlechter abschneiden als die der Industriemärkte – kurzfristig und mittelfristig.“

Aus der globalen Perspektive hat eindeutig ein Land die Nase vorn: die USA. An der Welt-Leitbörse Wall Street liegen die Kurse weiter auf Rekordniveau. Das zieht auch den Dollar entsprechend nach oben, was eben auch ein Problem für manche Emerging Markets ist.

Ganz so skeptisch sehen es die Experten beim US-Fondshaus Franklin Templeton Investments nicht. Sie weisen auf die extremen Gewinne der beiden Vorjahre hin. Chetan Sehgal, Emerging-Markets-Experte beim Verwalter, sagt: „Länder mit angespannten Finanzen beherrschen die Schlagzeilen, aber die Türkei macht lediglich zwei Prozent des MSCI-Aktienindex für Emerging Markets aus, Argentinien ist noch nicht einmal im Index aufgenommen.“

Aus seiner Sicht belaste kein tatsächlicher Handelsstreit, sondern die durch die Spannungen ausgelöste Unsicherheit die Märkte. Und die Anfälligkeit der Länder durch einen starken Dollar sei übertrieben. Der Gesamtblick sei durch die Ereignisse in den beiden genannten Ländern verzerrt. Sehgal kommt zu einem positiveren Fazit: „Nach dem Sommer sollte sich die Stimmung der Anleger wieder aufhellen.“

Kurzfristig skeptisch ist auch Michael Keppler. Der Gründer von Keppler Asset Management in New York glaubt: „Die Kurse können noch weiter sinken.“ Er würde jetzt aber „auf keinen Fall verkaufen“, sagt er.

Keppler traut den Märkten ein höheres Potenzial zu als denen der Industrieländer. „Value-Werte in den Emerging Markets sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 hoch attraktiv, bei einer Dividendenrendite von 3,6 Prozent“, argumentiert er. Da könnten die Börsen der Industrieländer nicht mithalten, in den USA sein die Aktien mit einer Gewinnbewertung von 23 viel teurer.

Den tiefsten Punkt zum Kauf erwische man nie, man kaufe also besser die preiswertesten Märkte, meint Keppler. Auf seiner Kaufliste stehen elf Märkte, darunter Brasilien, China, Korea, Russland – und auch die Türkei. Zum Thema Türkei bemerkt er mit Blick auf die politischen Spannungen mit den USA: „Präsident Erdogan wäre gut beraten, gegenüber Donald Trump etwas harmonischere Töne anzuschlagen.“

Die beiden Kandidaten Russland und Brasilien hat auch Schroders-Mann Lösche auf dem Schirm. In Brasilien habe auch ein Streik belastet. Doch das sollte seiner Meinung nach ausgestanden sein. Russland sei eine starke Wette: „Aber der Markt sieht positiv aus, auch dank einem sehr tiefen Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur sechs.“

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