Finanzmärkte unter Druck Explosives Gemisch

An den Börsen geht es abwärts. Die Euro-Krise droht den Rest der Welt anzustecken. Die Zeit für eine Lösung läuft ab, warnt ein weltbekannter Investor. Nun soll es wieder mal die Notenbank richten.
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Händler in New York am Boden: An den Finanzmärkten geht es seit Wochen abwärts. Quelle: AFP

Händler in New York am Boden: An den Finanzmärkten geht es seit Wochen abwärts.

(Foto: AFP)

Die Nervosität an den Aktienmärkten wächst. Der deutsche Aktienindex (Dax) rutschte am Montag erstmals seit Januar wieder unter die Marke von 6.000 Punkten. Im Laufe des Tages grenzte der Index seine Verluste ein. Doch das kleine Börsenwunder, von dem viele Investoren vor wenigen Wochen noch sprachen und das den Index zeitweise wieder deutlich über 7.000 Zähler trug, ist längst vergessen. Sein Plus von knapp 18 Prozent vom Jahresauftakt - immerhin der größte Kursgewinn in einem ersten Quartal seit 1998 - hat der Dax damit binnen weniger Wochen fast komplett wieder aufgezehrt.

Und es könnte sogar noch schlimmer kommen. An den Märkten braut sich ein explosives Gemisch zusammen. George Soros, der weltbekannte Hedge-Fonds-Manager, sagte am Wochenende im italienischen Triest, die Euro-Krise drohe die Europäische Union zu zerstören und sie in "ein verlorenes Jahrzehnt" zu stürzen, wie es in den 1980er Jahren in Südamerika der Fall war. Das sei es, was Deutschland und andere Länder erkennen müssten, meint Soros. Es gäbe noch immer keine Lösung für die Probleme der Euro-Zone.

Der US-Investor sieht vor allem die Deutschen in der Pflicht. Es gebe viele Möglichkeiten, um die hohen Finanzierungskosten von Schuldenländern abzumildern, aber alle diese Möglichkeiten erforderten die aktive Unterstützung der Deutschen Bundesbank und der Bundesregierung, sagte Soros. Viel Zeit bleibe mehr nicht mehr, vielleicht noch drei Monate.

Die europäischen Spitzenpolitiker allerdings streiten nach wie vor über die richtige Therapie der Eurokrise. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat jüngst nochmals bekräftigt, einer Einführung von Eurobonds unter keinen Umständen zustimmen zu wollen. Die anfängliche Zinsangleichung bei der Euro-Einführung habe die falschen Impulse gesetzt, sagte die Kanzlerin. Einige Euro-Staaten hätten zu viel in den Konsum gesteckt und Reformen vernachlässigt. Genau dies müsste nun nachgeholt werden. Eurobonds dagegen würden die Bereitschaft, schmerzhafte Reformen durchzusetzen, eher behindern. Sparen lautet Merkels Therapie für die Krise.

Genau das Gegenteil will Francois Hollande. Der neue französische Präsident ist davon überzeugt, dass nur Wachstum Europa aus der Malaise führe. Und dafür brauche es nicht nur Sparpläne, sondern vor allem Investitionen. Hollande ist nicht allein mit seiner Meinung. Gemeinsam mit US-Präsident und Barack Obama und dem italienischen Ministerpräsident Mario Monti hat er erst kürzlich versucht, Kanzlerin Merkel zum Einlenken zu bringen. Bislang ohne Erfolg.

Der Trend beim Dax geht nach unten
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25 Kommentare zu "Finanzmärkte unter Druck: Explosives Gemisch"

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  • @karstenberwanger

    "Also sorry....was unterscheidet die USA denn von Griechenland?"

    Sehr viel!

    Die USA haben das Geld klug angelegt indem sie sich die mit Abstand größte Militärmacht geschaffen haben. Da können sie viele davon überzeugen, daß es alternativlos ist, amerikanische Staatsanleihen mit niedrigem Zins, langer Laufzeit und in großer Menge zu kaufen. Die Amis brauchen nicht um Geld zu betteln. Entweder du zahlst oder regime change.



    Der Philanthrop und Hedge-Fonds-Manager George Soros mach wieder Befehlsausgabe. Deutsche Steuerzahler sollen ihn vor Kreditausfällen schützen.

  • Mit Vulgärmarxismus und platter Egalisierung schafft man keine Lösungen, vielmehr liegt genau hier die Ursache, warum die derzeitige Transferunion das genaue Gegenteil von dem bewirkt, was sie vorgeblich bewirken soll. Wir brauchen eine Rückkehr zu den liberalwirtschaftlichen Prinzipien, bei denen der Staat die Weichen stellt, aber sich nicht stümperhalft in alles einmischt und dadurch mangels Kompetenz, Flexibilität und Geschwindigkeit und dank korrumpierter Seilschaften und Fixierung auf den eigenen Machterhalt immer nur neue Totalschäden anrichtet. Nicht die Beachtung, sondern die Missachtung aller marktliberalen Spielregeln fahren unser System derzeit an die Wand.

  • Selbstverständlich gibt es Lösungen jenseits des Knalls und Crashes, man muss sie nur wollen. Sie liegen darin, die Transferunion endlich zu beenden, Banken auch mal pleite gehen zu lassen, wobei der Staat dann die Garantien für das Kundengeschäft, aber nicht für spekulative Geschäfte übernimmt, endlich zu sparen und die aufgeblähte soziale Hängematte zusammenzustreichen und nur noch die zu unterstützen, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen wirklich nicht arbeiten können, die Kinderproduktion von Dauersozialhilfeempfängern durch Schaffung falscher finanzieller Anreize zu stoppen und insgesamt wieder die Selbstverantwortung statt die Entmündigung der Bürger zu fördern. Die EU ist ohnehin zum tönernen Koloss mit einer viel zu teuren, aufgeblähten Bürokratie geworden, die Umweltvernichtung und Gigantomanie statt intelligente lokale Vernetzung und in allem Bereichen ein ethisches Downsizing (man denke nur an das Elend der Tiere in den Tierfabriken) fördert und für eine schleichende Entdemokratisierung bewirkt. Also weg damit und neue Strukturen schaffen statt weiter so wie bisher.

  • Das ist hier gar nicht der springende Punkt. Der springende Punkt hier ist, dass das Handelsblatt ständig jeglicher wirtschaftlichen Vernunft widerspricht, indem es rät, fröhlich weiter Schulden mit Schulden zu bekämpfen. Nein, liebes HB, der Markt wartet keineswegs darauf, dass Dracula Deutschland erneut und diesmal so heftig zur Ader lässt, dass es dabei verblutet (selbst die russische Mafia hat inzwischen gelernt, dass man die Kuh, die man melken will, nicht schlachten darf), sondern er wartet darauf, dass endlich die Finanzhaushalte der Staaten stabilisiert und überfällige Reformen durchgeführt werden. Wenn Sie wirklich wissen wollen, was die Märkte fordern, dann lesen Sie das erstklassige Interview aus der WiWo mit Felix Zulauf, das das HB heute dankenswerterweise in sein Web gestellt hat: http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/felix-zulauf-im-interview-es-wird-unendliches-leid-ueber-europa-gebracht-seite-all/6699746-all.html. Dieser Artikel hingegen übt sich wieder in deutschlandfeindlichen Attacken und der größenwahnsinnigen Forderung, Deutland solle die ganze Welt retten.

  • Sie haben vollkommen recht. Interessanterweise fast immer nur Vertreter einer bestimmten Richtung zitiert.

  • DANKE @ puk!
    Das sehe ich genauso wie Sie.

  • Letz fetz ;-)
    Hoffe Deutschland (und Politiker) sind vernüftig genug eine Volksabstimmung über Euro Austritt zur erzwingen!!!
    Das vermisse ich bei den Parteien!

  • Die Eurokrise steckt die Welt an??
    Die größte Krise der Neuzeit, von der wir gerade mal 5% sehen, entstanden durch Leben auf Pump, soll durch die Sparguthaben der Deutschen bekämpft werden?
    Ausgelöst wurde die Finanzbetrugskrise anno 2007, als in den USA das Perpetuum-Mobile, Leben auf Pump, beendet wurde. Die letzten 20 Jahre haben die Amerikaner ihren Wohlstand mit absolut wertlosen Papierschnipsel bezahlt, diese vor allem an die Europäer verkauft, die immer noch auf ca. 18,2 Billionen Euro solcher Papierschnipsel sitzen. Und die drei größten US-Banken haben über 200 Billionen von diesen wertlosen Papierschnipsel in den Kellern gelagert. Jetzt ist dieser Traum ausgeträumt, das Geldsystem steht vor dem Kollaps. Da reichen auch nicht die Sparvermögen der stupid Germans, um die Krise auch nur einen Tag länger hinauszuschieben. Würden die Zentralbanken nicht schon im 25Stunden Takt Geld drucken, würde in den westl. Ind.staaten die öffentliche Ordnung schon längst zusammenbrechen.
    Nur ein Reset im Finanzsystem und ein Trennbankensystem ermöglicht den westl. Ind.staaten einen Neuanfang. Und darauf müsste eine Neuordnung der Realwirtschaft aufgebaut werden mit neuen Geschäftsmodellen, sonst nützt auch ein Reset nichts.
    Noch ist dafür Zeit, seine Ersparnisse und sein Vermögen in Rohstoffe und Edelmetalle umzuschichten.

  • So siehts aus. Zur Zeit läuft eine gewaltige Umverteilung, ob gewollt oder nicht.
    Es hilft nur eine Bankenregulierung, und zwar so streng, das nie wieder ein Staat mit seinen Steuergeldern dafür gerade stehen muß.
    Leerverkäufe verbieten, Verbot von Handel mit Grundnahrungsmitteln und Strom an den Börsen und Aktienmärkten, Immobilienhandel streng kontrollieren.
    Gehandelt werden dürfen nur echte Gegenwerte, keine Luftblasen. Die Finanzmärkte können machen was sie wollen, die reale Wirtschaft mit seinen Steuereinnahmen ist als Maß aller Dinge zu nehmen. Die Wirtschaft mit realen Dienstleistungen und Produkten.
    Nehmt den Finanzhaien die Luftnummern, dann braucht kein Staat mehr diese Fässer ohne Boden subventionieren.
    Start bei Null - neues Spiel, neues Glück. Aber diesmal mit eigener Hände Arbeit. Warum sollen nur die Kleinverdiener, die Arbeitslosen und unsere Kinder die Zeche der Finanzwelt zahlen? Mit unserem Geld spielt, zockt, und spekuliert man nicht.
    Die Börse kann von mir aus so in den Keller gehen, das es kracht, richtig kracht.

  • Begreift mal endlich, ihr teilweise belehrungsresistenten Wirtschaftsjournalisten, dass es keine Euro-Krise gibt. die Einheitswährung könnte DM; Dollar oder Jen heißen. Es gibt eine Finanz- und Bankenkrise sowie eine Krise der Politik. Wer immer noch erzählt, die Staatsschulden seien das Problem, streut den Menschen Sand in die Augen. Sand einer gescheiterte neoliberalen Finanz- und Wirtschaftspolitik. Wer Fortschritt und Wachstum will, muss dafür sorgen, dass sich mindestens einer der Marktteilnehmer (Staat, Private, Unternehmen) sich verschuldet, denn ohne Schulden kein Sparen. In einer Marktwirtschaft muss sich immer einer verschulden, damit die Wirtschaftsleistung wächst. Die Vorstellung Staaten könnten sich gegenseitig im Kampf um die Wettbewerbsfähigkeit niederringen, versteht von den Prinzipien der freien Marktwirtschaft nichts. Wenn einer immer nur gewinnen will, muss er die anderen dazu verführen, dass sie bereit sind immer zu verlieren. Das allerdings führt zu einem Niedergang der Wirtschaft. Handel mit Nachbarstaaten und Staaten der restliche Welt ist nur möglich, wenn sich die Leistungsbilanzen wechselseitig ausgleichen. Das fatale an der Eurozone ist, dass einige geglaubt haben, sie könnten mit einer Dumpingstrategie (Niedriglöhne, Hartz Gesetze etc. wettbewerbsfähig werden und bleiben. Dass das nicht möglich ist zeigt der Zustand der Währungsunion. Wirtschaftskreisläufe sind keine Einbahnstraße auf der immer nur einer gewinnen kann. Denn die Gewinne des einen sind immer die Verluste des anderen. Diese banale saldenmechanische Tatsache der Makroökonomie haben neoliberale Traumtänzer infrage zu stellen versucht und sind aus heutiger Sicht kläglich damit gescheitert. Dies nun als Euro- oder Schuldenkrise zu apostrophieren ist ein weiterer kläglicher Versuch, Fehler zu vertuschen. Solange die maroden Banken nicht endlich abgewickelt werden und nur immer neue Milliarden erhalten, wird Europa nicht aus der Krise kommen. Mit oder ohne Euro.

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