Gastbeitrag „Wir brauchen eine neue Sicht auf das Risiko“

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Mehr wirtschaftliche Allgemeinbildung

Eine entsprechende Aktienkultur zu schaffen, ist vor allem eine gesellschaftspolitische Frage. Wir brauchen ein gesellschaftliches Klima, das finanzielle Eigenvorsorge stärker fordert und fördert. Dazu müssen zunächst die Rahmenbedingungen für die Wertpapierberatung verbessert werden. Diese ist heute mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, und es ist fraglich, ob sie damit ihren Zielen noch gerecht werden kann. Das Beratungsprotokoll soll die Beratung dokumentieren, ohne sie zu behindern oder mit Anforderungen zu überfrachten.

Und: Wir brauchen eine neue Sichtweise auf den Begriff Risiko. Die aktuelle Regulierungslogik ordnet Aktien in der Einmalanlage aufgrund ihrer möglichen Schwankungsbreite automatisch der höchsten Risikoklasse zu. Das kann für sich genommen zwar richtig sein.

Aber eigentlich ist diese Betrachtung zu statisch. Der Anlagehorizont oder die Streuung innerhalb eines Portfolios werden außer Acht gelassen, obwohl gerade diese Aspekte das Risikoprofil beeinflussen können. Ein Sparplan auf einen Aktienfonds beispielsweise glättet in Summe die Schwankungen einzelner Titel und reduziert damit das Risiko. Insofern müsste ein Sparplan in einer niedrigeren Risikoklasse eingestuft werden.

Nicht zuletzt muss die Grundlage für einen rationalen Umgang mit Wertpapieren geschaffen werden. Dazu gehört eine breite wirtschaftliche Allgemeinbildung. Hier gibt es noch Potenzial, angefangen in den Schulen. Das Ziel muss sein, Finanzwissen zu fördern: über die Funktionsweise von Wertpapieren, das Zusammenspiel an den Märkten, über den Sinn von Portfoliostrukturierungen und über richtiges Ein- und Ausstiegsmanagement. Je besser ein Anleger informiert ist, desto umsichtiger kann er seine Entscheidungen treffen.

Der Aufbau einer Aktienkultur ermöglicht die Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten am Erfolg und am Wachstum einer Volkswirtschaft. Sie hilft, Altersarmut zu vermeiden und trägt damit zur Wahrung des sozialen Friedens in Deutschland bei.

 

Oliver Behrens ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DekaBank

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