Geglückte Auktion Rettungsfonds besteht Vertrauensfrage

Der europäische Rettungsfonds EFSF hat seine Top-Bonität bei der Ratingagentur Standard & Poor's eingebüßt - doch die Märkte beeindruckt das nicht. Eine Auktion von EFSF-Geldmarktpapieren lief erfolgreich.
Update: 17.01.2012 - 12:23 Uhr 18 Kommentare
Ein Frau steht mit einem blauen EU-Schirm vor dem Gebäudekomplex des EU-Parlaments in Brüssel. Quelle: dpa

Ein Frau steht mit einem blauen EU-Schirm vor dem Gebäudekomplex des EU-Parlaments in Brüssel.

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Frankfurt/BerlinDie Finanzmärkte trotzen der Herabstufung des Rettungsfonds EFSF. Der erwartete Schritt der US-Ratingagentur Standard & Poor's hielt Anleger am Dienstag nicht davon ab, in den EFSF zu investieren: Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren flossen dem europäischen Krisenfonds wie angestrebt 1,5 Milliarden Euro zu, die Zinsen bewegten sich auf einem niedrigen Niveau.

Standard & Poor's hatte am Montagabend - drei Tage nach dem Rundumschlag gegen neun Euro-Staaten - auch den Rettungsfonds EFSF abgestuft. S&P senkte die Bonität von der Bestnote „AAA“ auf „AA+“. Die Agentur begründete dies mit dem Verlust der Topbonität von Frankreich und Österreich. Bisher wurde der EFSF von sechs Euroländern mit Bestnote gestützt, jetzt bleiben nur noch Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg. Die Märkte blieben trotzdem gelassen, der neuerliche S&P-Schritt war erwartet worden.

Versteigert wurden sechsmonatige EFSF-Papiere. Mit 0,266 Prozent lagen die Zinsen sogar auf niedrigerem Niveau als die Rendite der umlaufenden Dreimonatspapiere des EFSF. Die Auktion der in der Vergangenheit nicht immer begehrten EFSF-Schuldverschreibungen war auch hinsichtlich des Kaufinteresses ein voller Erfolg: Die Nachfrage hätte ausgereicht, um das 3,1-fache der Papiere am Markt zu platzieren.

Der Euro machte nach den heftigen Verlusten infolge des S&P-Rundumschlags weiter Boden gut. Der deutsche Leitindex Dax notierte bis zum frühen Nachmittag mehr als eineinhalb Prozent im Plus.

Gute Nachrichten gab es für Spanien: Das Land konnte sich bei einer Geldmarktauktion zu deutlich geringeren Zinsen refinanzieren. Mit einer Versteigerung von Papieren mit Laufzeiten von zwölf und 18 Monaten sammelte das spanische Schatzamt nach eigenen Angaben 4,88 Milliarden Euro ein. Am Montag hatte sich bereits Frankreich trotz des „AAA“-Verlustes 8,59 Milliarden Euro frisches Geld an den Finanzmärkten geliehen. Die Zinsen für kurzfristige Geldmarktpapiere sanken sogar im Vergleich zur letzten Versteigerung.

Die Bundesregierung hatte bereits vor der EFSF-Herabstufung betont, dessen Finanzierung sei sicher. Seine Ausstattung müsse nicht vergrößert werden. EFSF-Chef Klaus Regling und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker beteuerten, der Fonds sei handlungsfähig. „Die Entscheidung von S&P wird die Ausleihkapazität des EFSF von 440 Milliarden Euro nicht verringern.“ Der Rettungsfonds verfüge über ausreichend Geld, um die laufenden und geplanten Hilfsprogramme - für Portugal, Irland und Griechenland - zu stemmen.

Der Fonds besitze auch nach dem Verlust der S&P-Bestnote noch die Höchstbewertung der beiden anderen großen Ratingagenturen Moody's und Fitch, betonte Juncker. Der luxemburgische Premier wies darauf hin, dass bereits im Sommer der EFSF-Nachfolger ESM am Start sein werde. Aufgrund seines Eigenkapitals hänge er weniger vom Rating der Euro-Staaten ab. Im März würden die Minister entscheiden, ob die geplante Ausstattung von 500 Milliarden Euro für den ESM reiche.

Möglicherweise kommen auf den Fonds künftig aber für das leicht höher eingeschätzte Risiko auch leicht höhere Zinszahlungen an Investoren in EFSF-Anleihen zu. Um das zu verhindern, müsste entweder der Umfang möglicher Hilfskredite reduziert werden, oder die Euro-Länder müssten den Fonds mit höheren Garantien absichern.

Unterdessen sprach sich Außenminister Guido Westerwelle erneut für die Schaffung von unabhängigen europäischen Rating-Agenturen aus. „Dafür ist es höchste Zeit“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag). „Mehr Wettbewerb täte gut.“ Als Vorbild könnte die Stiftung Warentest dienen.

Italiens Regierungschef Mario Monti forderte beim Schuldenabbau mehr Hilfe von Deutschland und warnte erneut vor einer Anti-Europa-Stimmung. Sollten Deutschland und die anderen Gläubigerstaaten nicht mehr Unterstützung für die Länder an der Peripherie der Eurozone zeigen, könnten die Wähler dort „heftige Gegenbewegungen“ anstoßen, sagte Monti der „Financial Times“ (Dienstag). Die Investoren könnten vor allem durch Eurobonds und eine Stärkung des Rettungsfonds besänftigt werden. Das würde auch die Zinsen für Staatsanleihen drücken. Es sei im eigenen Interesse Deutschlands, sich stärker dafür einzusetzen. Das für diesen Freitag in Rom geplante Spitzentreffen des italienischen Regierungschefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wird auf Februar verschoben.

Das Misstrauen der Banken untereinander nimmt derweil immer drastischere Ausmaße an: Die „Vorsichtskasse“ der Geldinstitute des Euroraums bei der Europäischen Zentralbank (EZB) kletterte am Dienstag erstmals über die Schwelle von 500 Milliarden Euro. Die Banken nutzen die EZB als eine Art Tresor für ihre überschüssige Liquidität. Damit sind die Ein-Tages-Einlagen der Banken fast tausendmal so hoch wie im Durchschnitt des Jahres 2007 - also vor Ausbruch der ersten Finanzkrise im Zuge der Lehman-Pleite.

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18 Kommentare zu "Geglückte Auktion: Rettungsfonds besteht Vertrauensfrage"

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  • Nur eine Frage: WER sind die Käufer????

  • Für 217 Milliarden Anleihen gekauft bisher... Es geht nicht um Motzen, sondern darum, vor lauter rosaroten Wolken den "Fahrplan" nicht mehr zu sehen. Was hier abläuft, hat System:
    1. Stufe: Lehmann Bros. und JP Morgan medienwirksam am Abgrund
    = Es wird ein Schockereignis inszeniert. Dieses liefert uns
    2. Stufe: Freibrief für Systemrettung durch alle Staaten der Erde. Das Wort "alternativlos" wird zum Schlachtruf.
    3. Stufe: "Eurokrise". Es wird ein weiteres Schockereignis inszeniert. Dieses lenkt vom Staatsdesaster der USA ab, generiert gewaltiges Wachstum (Deutsche trennen sich in Untergangspanik vom Ersparten/Ererbten, kaufen Immobilien etc. pp.) und sorgt damit dafür, dass sehr viel geparktes Geld in den realen Umlauf kommt.
    Die Eurokrise liefert zugleich den "alternativlosen" Vorwand, das bis dato undemokratische System der EU (es regieren Kommissare, Parlament ohne Einfluss) "alternativlos" schnellstmöglich zu zementieren. Dies geschieht im Hinblick auf Stufe 4:
    Stufe 4: Austerität. Die Krise wird real greifbar, denn die aufgetürmten Schulden müssen nun beglichen werden. Steuererhöhungen und Sparprogramme können von Brüssel aus durchgesetzt werden - die nationale Politik ist zugleich "aus dem Schneider". Dittmeyers Valensinasaft ist nichts gegen die Bewohner der EUdSSR-Zone: täglich frisch gespresst.
    Willige Helferlein sind gekaufte Ökonomen (kürzlich im HB zu lesen!), Statistiker etc. pp.

    Es ist dies alles sehr einfach und hat nichts mit Motzen, sondern bestellten Wahrheiten zu tun.

  • Was frueher ein Schreihals a la Goebbels erledigen musste das schaffen heute diverse Statistik Behoerden in der EU, GB, USA, China und Japan. Inflation, gaaaanz niedrig. Wachstum hoeher als erwartet, Arbeitslosenzahlen sinken, Anleihenauktionen erfolgreich. Nur der laestige Goldpreis, das Luegenbarometer, ist nicht ganz so einfach zu manipulieren. Aber die Blase platzt bestimmt, ganz sicher, ganz grosses Ehrenwort...
    Tatsache ist das weit mehr Versprochen wurde (Renten, Versicherungen, Anleihen, usw.) als jemals durch die reale Wirtschaft erarbeitet werden kann. Viele dieser Versprechungen werden nicht oder eben nur teilweise eingeloest werden koennen. Wenn ich 3 Kindern jeweils einen Schokoriegel verspreche aber nur einen Riegel zum verteilen habe, weil ich die beiden anderen selbst gefressen habe, dann wird es bei den Kindern lange Gesichter geben. Das ist dann wie immer "unerwartet" oder "überraschend". Schuld sind dann natuerlich die Spekulanten, Rating Agenturen oder der Weihnachtsmann.

  • Ein sauber initiiertes Schauspiel.

    Wie schon mit der "Herabstufung" von F geprobt, war der Rest nur eine Frage der Zeit.

    Und inzwischen mehren sich die Stimmen, die behaupten, dass man die ganze Wulff-Affäre nur inittiert hat, um davon abzuleknken, dass man die Wiedereinführung der DM vorbereitet.

    Trotzdem, vielen Dank an die hochverehrten Teilnehmer hier bei den HB-Leserbriefen, die mir aufgezeigt haben, wie leicht man den Mopp mit der BILD-Meinung manipulieren kann.

  • Kritik völlig berechtigt, aber auch Du machst es Dir zu einfach in meinen Augen. Die EZB übernimmt doch keine Risikohaftung in dem sie die Märkte mit Geld flutet (das dieser Vorgang natürlich Probleme wie Inflation nach sich ziehen kann, steht wieder wo anders).

    "Werden die Anleihen durch die Schuldnerländer nicht mehr bedient, nimmt die EZB diese Zurück und sozialisieren damit die Schulden auf die EU Bürger."
    Diese Aussage halte ich ebenfalls für gewagt.

  • Richtig. Die EZB vergibt billiges Geld und mit diesem decken sich die Banken u.a. mit EFSF Anleihen ein. Die Kritik an der Vorgehensweise ist berechtigt. Die Aussage aber, dass die EZB EFSF-Anleihen kauft, halte ich für gewagt. Auf der Bilanz der EZB tauchen diese Papiere nicht auf. Ein billiger Trick vielleicht (Geld zur Verfügung stellen damit Institute Anleihen kaufen), aber nicht hinsichtlich Bilanzierung.

    Was mich nervt, sind die recht negativen Einschätzungen und die Deutschen finden es ja anscheinend super zu motzen. Von mir aus. Ich mache da aber nicht mit und sehe eben nicht jeden Tag den Weltuntergang.

  • Sven, Du hast es eben immer noch nicht kapiert.Glaube ruhig weiter an den Weihnachtsmann.
    Natürlich kann man über Form und Stil der einzelnen Kommentare hier manchmal nur staunen.Aber in den vereinfachten Kernaussagen haben sie nun mal recht.
    Die Verar... besteht darin, dass dem deutschen Bürger eingeredet werden soll, alles in Butter,bitte weiterschlafen.
    Selbstverständlich, hat im Dezember 2011 die EZB vorausschauend den Banken mal schnell 500 Millarden Euro gedruckt und gegeben mit der Bitte, doch damit die kommenden Anleihen der PIGS zu kaufen.Die Risikohaftung hat die EZB übernommen.Das heißt, die Banken bezahlen für diese Kredite 1 % bei der EZB, erhalten aber je nach Lage für die Anleihen 7 - 8 % Zins, den die Banken behalten dürfen. Werden die Anleihen durch die Schuldnerländer nicht mehr bedient, nimmt die EZB diese Zurück und sozialisieren damit die Schulden auf die EU Bürger.So einfach ist das.Ein genialer Betrug und alle Akteure klatschen Beifall.

  • Ja, es ist gut, dass das System immer wieder "Hilfssheriffs" findet, die jedwede Kritik pauschal als "sinnfrei" abwerten. Merkel glaubt man nicht mehr, aber einem "Sven" sehr wohl! Alles wird gut, jawohl! In zwei bis drei Tagen werden wir natürlich (wie bei jeder derzeitigen Anleihenauktion) erfahren, dass die EZB massiv gekauft hat... Uns wird damit "Aufschwung" suggeriert und eine "Lösung", ohne dass sich was an den entscheidenden Stellschrauben geändert hat.

  • Die EZB verteilt das frisch Gedruckte an die Banken. Die Banken kaufen die Anleihen da die EZB selbst nicht direkt auf dem Market eingreifen darf. Ein billiger Buchhaltungstrick. Im Prinzip kauft die EZB die Papiere und versucht dies zu verschleieren indem sie die Banken als Mittelmaenner benutzt. Offenbar funktioniert das recht gut wie man an Ihren Kommentar sehen kann.

  • Die Hurra-Propaganda läuft auf vollen Touren! Willkommen in der zweiten Welt der rosa Wolken, Wattezahlen, der sanften Fälschungen und Mediokratur! Für mich der Beweis: Die EUdSSR wird ohne Arbeitslager, KZ und ähnliches auskommen, denn die rosaroten Schönreder, die Hochplauderer, Zahlentürker und Ökonomenschwindler sind richtig gut und sitzen überall. Otte rät zu Aktienäufen; ein paar gefälschte Arbeitsmarktdaten hier und dort dem ZEW-Index einen Hüpfer verpasst. Wir freuen uns schon auf die Europäische Ratingagentur, die tagtäglich die USA bis auf die Unterhosen herabstufen und dafür die EUdSSR aufwerten wird - gaaaaaanz unabhängig, versteht sich. Obama lässt sich derweil 1,2 Bio. genehmigen und heizt damit neues "Wachstum" an - der Chinese lässt mal schnell das BIP um 0,2 Prozent über den Markterwartungen wachsen - 2012 wird alles gut, weil auch 2012 nicht ist, was nicht sein darf. Draghi Pinoccio macht vorneherum Stimmung gegen Anleihenkäufe und lässt hintenrum drucken, was die Presse hergibt. In dieses Rosa-Schönwolken-Programm der Zweiten Welt packen wir dann peu a peu die unerfreulichen Ereignisse aus der Ersten Welt: Dazwischen geht beispielsweise Griechenland unter - aber in der "Euphorie" merkt das keiner. Also, mein Ausblick für 2012, 2013, 2014 und überhaupt jedes Jahr ist klar: Was soll diese Schwrazmalerei - alles wird gut!

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