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Griechische Börse Anleger misstrauen den Erfolgsmeldungen aus Athen

Griechenland und seine Gläubiger feiern das Ende der Hilfsprogramme. An der Athener Börse bleibt die Stimmung jedoch gedrückt.
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Die griechische Regierung muss über Jahrzehnte hinaus Überschüsse erzielen, um ihre Gläubiger zu bezahlen. Quelle: dpa
Athener Börse

Die griechische Regierung muss über Jahrzehnte hinaus Überschüsse erzielen, um ihre Gläubiger zu bezahlen.

(Foto: dpa)

Athen„Es ist geschafft“, stellte Mário Centeno, Chef der Euro-Gruppe, erleichtert fest. Der Athener Finanzminister Euklid Tsakalotos sprach sogar von einem „historischen Moment“. Die Politiker jubelten, als Griechenland Ende Juni mit den internationalen Gläubigern Schuldenerleichterungen ausgehandelt und damit einen entscheidenden Schritt zur Rückkehr an die Finanzmärkte getan hatte.

Die Anleger jedoch bleiben skeptisch. Der Schuldendeal brachte der Athener Börse nicht den erhofften Schub, im Gegenteil: Der Leitindex Athex Composite verlor seither fast drei Prozent. Damit setzt sich die Talfahrt fort. Seit Jahresbeginn gab der Leitindex mehr als acht Prozent ab. Noch 2017 hatte die Athener Börse Anlegern ein Jahresplus von fast 25 Prozent beschert.

Die Vorgaben sind nicht schlecht: Das Krisenland hat die Rezession hinter sich gelassen. Ende August kann das Hilfsprogramm auslaufen. Der 2015 als Rebell angetretene linke Premier Alexis Tsipras hat sich für die Gläubigerinstitutionen zu einem Partner gewandelt, der die Vorgaben folgsam umsetzt. Dank der jüngst beschlossenen Erleichterungen gilt Griechenlands Schuldenlast vorerst als tragbar, und mit einem Liquiditätspuffer von 24 Milliarden Euro ist Athen bis Mitte 2020 durchfinanziert.

„Historischer Moment“ – Europartner entlassen Griechenland aus Rettungsprogramm

Dennoch kommt die hellenische Börse nicht aus dem Tief. Am Dienstag erreichte der Umsatz gerade mal magere 25 Millionen Euro. Vor allem ausländische Anleger, auf die etwa zwei Drittel der Marktkapitalisierung entfallen, halten sich zurück. Das hat Gründe. So legt das griechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar seit fünf Quartalen wieder zu.

Doch das Wachstum bleibt anämisch und wird 2018 mit voraussichtlich zwei Prozent deutlich unter der Prognose der EU-Kommission von 3,1 Prozent bleiben. Für die Zeit nach 2022 hat Brüssel die Wachstumserwartungen auf ein Prozent pro Jahr gekürzt. Und die Vorgabe der Gläubiger, wonach Athen bis ins Jahr 2060 jährliche Primärüberschüsse von 2,2 Prozent des BIP erwirtschaften soll, könnte die ohnehin schwache Konjunktur noch weiter abwürgen.

Nicht nur die zweifelhaften Wachstumsaussichten belasten die Stimmung. Griechenland kämpft generell mit Misstrauen an den Märkten, nicht nur gegenüber der Politik, sondern auch gegenüber dem Land und seinen Institutionen.

Affäre um Modeschmuck-Konzern

Wie berechtigt die Skepsis ist, zeigt aktuell die Affäre um den Modeschmuck-Konzern Folli Follie (FF Group). Anfang Mai behauptete der Hedgefonds Quintessential Capital Management, Folli Follie habe die Zahl der Verkaufsstellen in Asien, wo man besonders stark expandiert, viel zu hoch angegeben. Nach heftigen Kursverlusten wurde die von Analysten gern empfohlene Aktie vom Handel ausgesetzt.

Inzwischen gibt es weitere Anzeichen für schwere Unregelmäßigkeiten. Die Wertpapieraufsichtsbehörde hat wegen des Verdachts auf Marktmanipulationen Klage gegen die FF-Group-Geschäftsleitung eingereicht.

Der Fall wirft auch die Frage auf, ob die Athener Börsenaufsicht die gebotene Wachsamkeit an den Tag legt. Institutionelle Anleger beginnen bereits, die Zahlen anderer börsennotierter Unternehmen zu hinterfragen.

Da helfen auch gute Quartalsergebnisse, wie sie jetzt viele Firmen vorgelegt haben, wenig. Manos Chatzidakis vom Brokerhaus Beta Securities beklagt in einer Analyse, der Markt nehme positive Meldungen derzeit einfach nicht zur Kenntnis, konzentriere sich ganz auf mögliche Gefahren. Chatzidakis konstatiert eine „vergiftete Atmosphäre“. Ein anderer Händler spricht sogar von einem „Fluch“, der über der Akropolis-Börse liege. 

Ob und wann der Bann gebrochen wird, hängt nicht zuletzt von den vier großen Banken ab. Auf sie entfällt rund ein Viertel der Gewichtung im Leitindex. Im Frühjahr bestanden die vier systemischen Institute zwar einen vorgezogenen Stresstest der Europäischen Zentralbank. Selbst in einem Krisenszenario würde die harte Kernkapitalquote der Institute immer noch bei durchschnittlich neun Prozent liegen. Aber die Banken sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite.

Die notleidenden und ausfallgefährdeten Darlehen machten Ende des ersten Quartals 48,5 Prozent aller ausgereichten Kredite aus. Alle vier Banken schreiben zwar wieder schwarze Zahlen. Aber Rückstellungen und Abschreibungen werden die Bilanzen noch auf Jahre hinaus belasten.

Dennoch gibt es gerade im Bankensektor einen Silberstreif, der auch die düstere Szenerie an der Börse aufhellen könnte: Die Ratingagentur Standard & Poor’s setzte jetzt zwei Anleihen der Piraeus Bank und der National Bank of Greece von BB+ auf BBB- herauf. Damit führen die US-Bonitätsprüfer erstmals seit 2011 wieder griechische Bankenbonds in der Kategorie „investitionswürdig“ – ganz im Gegensatz zu griechischen Staatsanleihen. Die rangieren immer noch vier Stufen tiefer im Ramschbereich.

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