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Handelsstreit Amerika und China nähern sich an – aber die Börsen reagieren kühl

Im Handelsstreit zwischen den USA und China deutet sich eine Entspannung an. Für einen Durchbruch an den Börsen muss aber noch mehr passieren.
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Der Zollstreit zwischen den USA und China belastet die Börsen eine Weile. Quelle: Stone/Getty Images
Gebäude an der Wall Street

Der Zollstreit zwischen den USA und China belastet die Börsen eine Weile.

(Foto: Stone/Getty Images)

FrankfurtEs klingt nach einem substanziellen Fortschritt und einem guten Vorzeichen für die Börsen. US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping könnten das Kriegsbeil in Sachen Handelsstreit Ende März bei einem gemeinsamen Gipfeltreffen in Florida begraben, berichten seit Sonntag mehrere Medien.

Die USA würden demnach ihre seit dem vergangenen Juni schrittweise eingeführten Sonderzölle auf Waren aus China aufheben. China würde die entsprechenden Zölle auf US-Waren und andere Hürden für die Einfuhr von US-Produkten senken.

Nach Ansicht der Strategen der US-Großbank Goldman Sachs stehen die Chancen gut, dass sich die Staatschefs bei einem Gipfeltreffen einigen.

Damit würde der Handelsstreit beendet, der die Börsen seit fast einem Jahr in Atem hält und von Oktober bis Dezember zu einem Ausverkauf an den weltweiten Märkten führte.

An den Märkten hielt sich die Euphorie über die Annäherung zwischen den USA und China jedoch in Grenzen. Der Shanghai Composite gewann zu Wochenbeginn gut ein Prozent, beim Stoxx 600 war es bis zum späten Nachmittag ein halbes Prozent, und an der Wall Street startete der S&P 500 mit einem Aufschlag von weniger als einem Prozent in den Handel.

Daniel Lösche überrascht das nicht: „Die Börsen haben seit Jahresanfang vorweggenommen, dass es einen Deal zwischen den USA und China geben wird“, sagt der Investmentstratege beim britischen Asset Manager Schroders. Von daher reichten bloße Meldungen über Fortschritte im Handelsstreit nicht, um die Börsen nachhaltig weiter anzutreiben.

In der Tat haben die Börsen nach dem schlechten Jahr 2018 einen fulminanten Start in das neue Jahr hingelegt. Der S&P 500 stieg seit Jahresanfang rund 13 Prozent, beim Stoxx 600 sind gut elf und beim Shanghai Composite sogar mehr als 21 Prozent.

Keine Rezessionsängste mehr

Im vergangenen Jahr hatten die Indizes mit Einbrüchen von über sechs Prozent in den USA, 13 Prozent in Europa und 25 Prozent in China indes auch mehr als enttäuscht. Dabei spielten die Märkte das Szenario durch, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleitet – auch getrieben durch den Handelsstreit.

Inzwischen gehen Investoren zwar davon aus, dass die amerikanische und die Weltwirtschaft in diesem Jahr weniger stark wachsen werden als 2018, doch das Rezessionsszenario ist zunächst vom Tisch. Dazu sind nach entsprechenden Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell auch die Ängste verschwunden, dass die US-Notenbank die Leitzinsen zu stark erhöht und so die Konjunktur zusätzlich abwürgt.

Damit die Rally an den Aktienmärkten weitergeht, braucht es aber eine konkrete Einigung mit Details, ist Lösche von Schroders überzeugt: Einen Schub dürften die Märkte bekommen, wenn zum Beispiel die USA tatsächlich alle Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von 250 Milliarden Dollar zurücknehmen.

Die Börsen haben seit Jahresanfang vorweggenommen, dass es einen Deal zwischen den USA und China geben wird. Daniel Lösche, Investmentstratege bei Schroders

Sollte es sogar insgesamt zu einer erneuten Liberalisierungsbewegung des weltweiten Handels kommen, dürfte das Wirtschaftswachstum global um 0,6 bis 0,8 Prozent höher ausfallen. Dabei spielt für Lösche auch eine Rolle, dass die Inflation bei einer Abschaffung der Zölle geringer ausfallen und so über den Konsum ebenfalls die Wirtschaft ankurbeln würde.

Euro-Zone könnte von Einigung profitieren

Profitieren würden laut Experten besonders die handelsstarken Nationen, allen voran Deutschland und die gesamte Euro-Zone, aber auch China, Japan und die USA. In den USA sieht die Bank of America bei einer Einigung für den S&P 500 ein Potenzial von fünf bis zehn Prozent, was den Index auf ein neues Allzeithoch von 3.020 Punkten treiben könnte.

Deutliches Potenzial sieht auch die Schweizer Großbank UBS. Sie hat berechnet, dass allein der Handelsstreit die globalen Börsen im Schnitt fast zehn Prozent an Wertentwicklung gekostet hat. Für Chinas Leitindex Shanghai Composite belaufen sich die Einbußen laut UBS auf neun, für den US-Index S&P 600 auf zehn und für den breiten europäischen Aktienindex Stoxx 600 auf sogar 13 Prozent. Weniger betroffen ist Japans Topix mit unter fünf Prozent. Die UBS betont zwar, dass die durch den Handelsstreit theoretisch ermittelten Verluste für die Aktienindizes etwas hoch sein könnten. Nichtsdestotrotz hätten die Börsen bei einem Ende des Konflikts noch viel Luft nach oben.

In Europa sieht Lösche die größten Chancen in den stark abgestraften Branchen wie der Automobilindustrie und ihren Zulieferern sowie in der Chemie. Wichtig sei allerdings, dass die USA auch ihre angedrohten Sonderzölle auf europäische Autos zurücknehmen.

Volkswagen-Chef Herbert Diess betonte, dass allein VW Zölle von im schlimmsten Fall 25 Prozent bis zu drei Milliarden Euro kosten könnten. Selbst wenn sich Trump und Xi einigen – abhaken können Anleger das Thema Handelsstreit noch nicht.

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