Hoffnung auf Schuldendeal Erleichterung an der Athener Börse

Die Forderung nach einem Erlass der 315 Milliarden Euro griechischer Schulden ist offenbar vom Tisch. Anleger reagierten am Dienstag erleichtert, der Athener Leitindex stieg um mehr als elf Prozent.
Update: 03.02.2015 - 19:42 Uhr Kommentieren
Der griechische Bankenindex kam am Dienstag zeitweise auf ein Plus von über 18 Prozent. Er ist seit Jahresbeginn um knapp 34 Prozent in den Keller gerutscht. Quelle: dpa
Börse in Athen.

Der griechische Bankenindex kam am Dienstag zeitweise auf ein Plus von über 18 Prozent. Er ist seit Jahresbeginn um knapp 34 Prozent in den Keller gerutscht.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Bemühungen griechischer Spitzenpolitiker um eine Reduzierung der staatlichen Schuldenlast haben die Börse in Athen am Dienstag kräftig steigen lassen. Der Leitindex Athex legte am Nachmittag um mehr als elf Prozent zu. Schon zum Handelsstart am Morgen hatte der Index gut vier Prozent zugelegt. Besonders deutlich lagen am Dienstag Banktitel im Plus – sie legten zeitweise um gut 18,5 Prozent zu.

Der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und sein Finanzminister Giannis Varoufakis bemühen sich diese Woche in verschiedenen europäischen Hauptstädten um eine Lösung für das griechische Schuldenproblem. Varoufakis sagte der britischen Tageszeitung „Financial Times“ vom Dienstag, die Regierung werde keinen Schuldenerlass mehr fordern. Er brachte stattdessen ein Umschuldungsprogramm ins Spiel.

„Das Geld ist ohnehin verloren“
Greece 2015 elections
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Alexis Tsipras, Syriza-Chef

„Das Mandat des griechischen Volks schließt ohne Zweifel den Teufelskreis des Sparens“, sagte Alexis Tsipras vor tausenden jubelnden Anhängern am Sonntagabend. Nach Auszählung fast aller Stimmen kann Syriza auf 149 der 300 Parlamentssitze zählen.

Eu Parliament Committee on Foreign Affairs
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Elmar Brok, CDU-Europaabgeordneter

„Einen Schuldenschnitt kann es jetzt nicht geben, denn wenn dort keine Reformen stattfinden und das Land nicht wettbewerbsfähiger wird, dann hätte man in drei, vier Jahren genauso viele Schulden“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im ARD-Morgenmagazin. Über Jahrzehnte sei in Griechenland eine falsche Politik betrieben worden. „Ich kenne kein Land in Europa, in dem die normalen Bürger so von der politischen und wirtschaftlichen Klasse über 30 Jahre betrogen worden sind.“ Das sei noch nicht wieder in Ordnung gebracht worden. „Man kann kein Land in Ordnung bringen, wenn das nur der kleine Mann zu zahlen hat und man erneut an die Senkung der Renten herangeht. Hier müssen die Reformen gemacht werden“, forderte er.

huGO-BildID: 41359018 Britain's Prime Minister David Cameron gestures during a speech about future plans for the the Scottish parliament in Edin
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David Cameron, britischer Premierminister

„Die griechische Wahl wird die ökonomische Unsicherheit in Europa vergrößern“, schrieb Cameron in der Nacht zum Montag auf Twitter. Syriza-Chef Tsipras hatte den Bürgern des hochverschuldeten Landes im Wahlkampf Änderungen des Sparkurses versprochen. In knapp dreieinhalb Monaten wählen die Briten ihr Parlament ebenfalls neu, Camerons Konservative liegen in Umfragen etwa gleichauf mit der sozialdemokratischen Labour-Partei.

AfD-Landesparteitag Baden-Württemberg
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Bernd Lucke, Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD)

„Das Festhalten am Euro hat dazu geführt, dass Griechenland seit fünf Jahren unter Massenarbeitslosigkeit leidet und mehr als die Hälfte aller Jugendlichen keine Beschäftigung findet. (…) Ein Schuldenschnitt für Griechenland muss sein – insoweit hat Syriza völlig Recht. Das Geld ist ohnehin verloren, aber wenn wir jetzt endgültig darauf verzichten, muss Griechenland im Gegenzug den Euro verlassen.“

Jörg Krämer Chefvolkswirt Commerzbank
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Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

„Vorübergehend sorgt das für eine große Unsicherheit. Aber trotz markiger Wahlkampfsprüche wird sich Griechenland mit der Staatengemeinschaft am Ende einigen – auch weil jetzt schon das Geld für die geplanten Sozialprogramme fehlt.“

huGO-BildID: 40525089 FILES - Picture taken on July 19, 2011 shows EU commisioner Guenther Oettinger during a press conference at the EU headquarters
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Günther Oettinger, EU-Kommissar

Oettinger macht Tsipras wenig Hoffnungen auf Finanzzugeständnisse der europäischen Partner. Oettinger sagte im Deutschlandfunk, dass die bisherigen Hilfspakete für das Land günstige Konditionen hätten. „Die werden wir wieder anbieten – es braucht ein neues Paket“, sagte der EU-Kommissar. Griechenland benötige ab März neue Finanzmittel. „Wir werden das Angebot nicht verschlechtern, aber auch nicht verändern“, sagte er. Das sei die Grundlage der anstehenden Gespräche mit der neuen griechischen Regierung. Europa könne nicht wegen einer Wahl seine Position ändern. Tsipras müsse in den nächsten Tagen erkennen, dass sein Land diese Finanzierung brauche.

Thomas Oppermann
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Thomas Oppermann, SPD-Fraktionschef

„Auch die neue griechische Regierung ist an die Vereinbarungen mit der EU und der Troika gebunden. Es gibt auch künftig keine Leistung ohne Gegenleistung“, sagte Thomas Oppermann in der Zeitung „Rheinische Post“ (Montagausgabe).

In der vergangenen Woche hatten die Spekulationen über die finanzielle Zukunft Griechenlands insbesondere den Athex ins Minus gezogen. Am vergangenen Mittwoch rutschten die Kurse zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Juni 2012; die Titel der vier wichtigsten griechischen Banken verloren gut ein Viertel an Wert.

  • rtr
  • afp
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