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Index mit Eigenleben „Der chinesische Markt ist ein Casino“

Wenn Händler nach Anhaltspunkten suchen, wie es um die chinesische Wirtschaft bestellt ist, orientieren sie sich gern am Shanghai Composite Index. Dabei führt schon lange ein Eigenleben an der Wirtschaft vorbei.
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Der Shanghai Composite Index führt schon lange ein Eigenleben. Quelle: dpa
Börse in China

Der Shanghai Composite Index führt schon lange ein Eigenleben.

(Foto: dpa)

Peking Wer am Mittwoch zwischen 03.30 Uhr und 09.30 Uhr (MESZ) die Kurscharts von US-Aktien-Futures in Chicago, Kupfer in London und dem Yen in Japan verfolgte – rieb sich die Augen. Die Charts waren kaum voneinander zu unterscheiden. Treiber der gleichförmigen Entwicklung war in allen Fällen der chinesische Aktienindex Shanghai Composite Index.

Lange bereits führt Chinas Benchmark-Aktienindex ein Eigenleben. Plötzlich aber wurde der Index zur führenden Richtschnur für Aktienmärkte weltweit, da Händler nach Anhaltspunkten suchten – nach irgendetwas – was ihnen bei der Abwägung hilft, wie es wohl um die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft bestellt ist. Das Problem, indes, so einige der erfahrensten Vermögensverwalter in Asien, besteht darin, dass Aktienkurse in China wenig Aufschluss über den Zustand der Wirtschaft geben.

Der Handel wird nicht nur von Privatleuten und Investoren, die mit staatlichen Institutionen in Verbindung stehen, beherrscht, die wirtschaftlichen Fundamentaldaten wenig Beachtung schenken. Chinas Aktienmarkt kämpft auch mit Verwerfungen, die sich aus der Auflösung von in Rekordumfang und auf Pump betriebenen Wetten auf steigende Kurse ergaben. Diese Wetten hatten die Bewertungen im Juni in Höhen getrieben, die weltweit zu den höchsten zählten.

Gleichzeitig waren Kennziffern zum Wachstum der Volkswirtschaft im laufenden Jahr auf Mehrjahrestiefstände gefallen, obwohl der Shanghai Composite Index im Vorjahr rund 53 Prozent in die Höhe geschnellt war.

Währungen, die Anleger schockierten

CNY/EUR

WKN
ISIN
Börse
XRATE

+0,00 +0,02%
+0,13
Chart von CNY/EUR
Chinesischer Renminbi Yuan
1 von 8

Für den Yuan ging im August besonders kräftig abwärts: Die Senkung der Leitzinsen, die Abwertung durch die Notenbank und der Crash an der Börse ließen die chinesische Währung um 6,7 Prozent gegenüber dem Euro abwerten.

RUB/EUR

WKN
ISIN
Börse
XRATE

+0,00 +0,21%
+0,01
Chart von RUB/EUR
Russischer Rubel
2 von 8

Chinesischer Marktsturz hin oder her: Der Rubel ist ohnehin seit Monaten und sogar Jahren auf Talfahrt. Die Sanktionen und der niedrige Ölpreis machen der russischen Wirtschaft zu schaffen. Innerhalb eines Monats ging es um gut 16 Prozent gegenüber dem Euro abwärts. Innerhalb eines Jahres beläuft sich das Minus auf sogar 40 Prozent.

HKD/EUR

WKN
ISIN
Börse
XRATE

+0,00 +0,02%
+0,11
Chart von HKD/EUR
Hongkong Dollar
3 von 8

Unter die Räder ist auch der Hongkong Dollar gekommen, den die Abstürze an der chinesischen Börse nicht unberührt ließen. Gegenüber dem Euro hat er innerhalb eines Monats rund 3,6 Prozent verloren. Dafür hat der Hongkong Dollar innerhalb des vergangenen Jahres um fast 15 Prozent gegenüber dem Euro aufgewertet.

SWISS FRANC / EURO

WKN
ISIN
Börse
FX

+0,00 +0,37%
+0,92
Chart von SWISS FRANC / EURO
Schweizer Franken
4 von 8

Der Schweizer Franken hat gegenüber dem Euro seit Anfang August verloren. Seit Jahresbeginn steht allerdings ein dickes Plus unterm Strich: Der Schweizer Franken hat um 11,3 Prozent zugelegt. Geschuldet ist dies der Aufhebung der Koppelung des Franken an den Euro. Die Schweizer Notenbank hatte die Koppelung Anfang des Jahres aufgehoben, wonach der Franken rapide aufwertete.

JPY/EUR

WKN
ISIN
Börse
XRATE

+0,00 +0,02%
+0,01
Chart von JPY/EUR
Japanischer Yen
5 von 8

Die japanische Währung erlebte gegenüber dem Euro einen leichten Knick, konnte sich aber wieder erholen. Interessanter ist jedoch die langfristige Betrachtung. Wegen der beispiellosen Geldflut der japanischen Notenbank geht der Yen seit Jahren auf Talfahrt. Innerhalb der letzten drei Jahre hat er im Vergleich zum Euro fast 30 Prozent an Wert verloren.

GBP/USD SPOT RATE

WKN
ISIN
GB0031973075
Börse
FX

+0,00 +0,20%
+1,23€
Chart von GBP/USD SPOT RATE
Britisches Pfund
6 von 8

Das britische Pfund legte ebenfalls im Rahmen der Börsenturbulenzen zu – jedenfalls im Vergleich zum Dollar. Gegenüber dem Euro wertete das Pfund dagegen ab – und zwar um rund drei Prozent innerhalb eines Monats. Als es am Montag an der Börse krachte, kostete ein Pfund 1,36 Euro, sechs Cent weniger als noch Anfang August.

EUR/USD SPOT

WKN
ISIN
EU0009652759
Börse
FX

-0,00 -0,02%
+1,11€
Chart von EUR/USD SPOT
Euro
7 von 8

Der Euro ist im Vergleich zum Dollar der große Gewinner des turbulenten Augusts. Als es am Montag kräftig an der Börse krachte, sprang der Euro sogar über die Marke von 1,15 US-Dollar. Innerhalb von 30 Tagen ist der Euro damit um fast fünf Prozent gestiegen. Auf Jahressicht liegt der Dollar allerdings weit vorne – zum Jahresbeginn kostete der Euro noch rund 1,20 Dollar.

„Der chinesische Markt ist hochspekulativ – ein Casino“, sagt Hugh Young, der seit 1985 in Aktien von Unternehmen aus Asien investiert und mittlerweile bei Aberdeen Asset Management in Singapur Anlagen im Umfang von 478 Mrd. Dollar betreut. Young sagt, sein Engagement am Markt auf dem chinesischen Festland sei sehr gering. Aber er habe die weltweite Verkaufswelle, die durch den von China ausgehenden Verkaufsdruck ausgelöst worden sei, genutzt, um andernorts Kaufgelegenheiten zu prüfen.

Im Verlauf der fünf Handelstage bis einschließlich Mittwoch ist der Shanghai Composite um 23 Prozent eingebrochen, der größte Kursrutsch seit 1996. Der weltweite Aktienindex MSCI All-Country World Index hat im gleichen Zeitraum 6,5 Prozent nachgegeben.

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