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Kommentar zu Dax-Absturz und China-Crash Ruhig bleiben!

Der Drache speit Feuer. Der Dax ist wegen China im Krisenmodus, die 10.000-Punkte-Marke ist gefallen – Anleger brauchen starke Nerven. Die Verluste schmerzen, doch jetzt panisch aus Aktien zu fliehen, ist falsch.
31 Kommentare

Tiefes Minus: Ruhe bewahren trotz Dax-Absturz!

DüsseldorfKrisenstimmung an den Märkten. Schon wieder. Die Sorge um Chinas Konjunktur geht um und lässt die Emotionen an der Börse hochkochen. Der Dax ist sogar unter die Marke von 10.000 Punkten gerauscht, was bei empfindsamen Gemütern und nicht minder empfindsamen Computern heftige Reaktionen auslöst. Viele verlieren die Nerven und wollen nur noch eins: raus aus Aktien. Doch liebe Anleger: Ihr reagiert zu heftig!

Natürlich haben Anleger allen Grund zur Verunsicherung. Erleben sie doch die zweite große Verkaufswelle binnen weniger Tage und den schwächsten Jahresauftakt des Dax seit 25 Jahren. Fast fünf Prozent hat der deutsche Leitindex in dieser Woche bereits eingebüßt. Die Verkaufswelle erwischt natürlich auch andere Märkte, aber den Dax trifft es besonders hart.

Kein Wunder, denn er ist extrem automobillastig und Volkswagen, BMW und Daimler leiden besonders, wenn sich die Konjunktur in China abschwächst. Schließlich machten sie dort in den vergangenen Jahren gute Geschäfte. Nun sieht es nicht mehr so rosig aus. Ihre Wochenbilanz lässt Anlegern entsprechend die Nackenhaare zu Berge stehen: BMW minus neun Prozent, Volkswagen minus elf Prozent, Daimler minus 7,5 Prozent. Und auch am heutigen Donnerstag führen die drei Autowerte die Verliererliste an.

Die Sorgen um Chinas Wirtschaft und ihre Auswirkungen auf die Weltkonjunktur mögen berechtigt sein, trotzdem ist die Panik an den Märkten übertrieben, wieder mal. Anleger erinnern sich noch gut an den schwarzen Montag. Damals, im August 2015 waren die Ausschläge ähnlich heftig. Der Dax reagierte, als ob die Weltwirtschaft und vor allem die deutschen Konjunktur in die Rezession gerutscht wären. Eine totale Überreaktion.

Doch das sehen Aktionäre oft nicht. Sie haben nur ihren schmelzenden Depotwert vor Augen. Angesichts hoher Verluste hinterfragen gerade Privatanleger ihre Engagements, und zwar nicht nur die in Autowerte, die in vielen deutschen Depots liegen. Die Aktie an sich ist auf einmal brandgefährlich, das Vermögen in Gefahr. Sie lassen sich anstecken von der Panik anderer Investoren.

Überreaktionen gehören zur Börse

Deutsche Aktien größte Verlierer des China-Schocks

EURO STOXX 50®

WKN
ISIN
EU0009658145
Börse
DJSTOXX

-61,67 -1,83%
0,00€
Chart von EURO STOXX 50®
Euro Stoxx 50
1 von 11

Der wichtige europäische Aktienindex Euro Stoxx 50 notiert am Montagnachmittag drei Prozent im Minus bei 3170 Punkten. In ganz Europa hat der chinesische Kurssturz sich fortgesetzt. Vor allem deutsche Aktien gehören zu den größten Verlierer im Euro Stoxx 50.

DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005140008
Börse
Xetra

-0,16 -2,14%
0,00€
Chart von DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Bank
2 von 11

Die Deutsche-Bank-Aktie hat unter den 50 Werten im Euro Stoxx 50 am heftigsten unter den Kursabschlägen in China am Montagmorgen gelitten. Das Papier lag am frühen Nachmittag 5,15 Prozent im Minus.

Das Institut hatte kurz nach Weihnachten den Verkauf seiner Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank bekannt gegeben – für 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro.

E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000ENAG999
Börse
Xetra

+0,05 +0,52%
0,00€
Chart von E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Eon
3 von 11

Auch bei den weiteren größten Verlierern im Euro Stoxx 50 finden sich vor allem deutsche Unternehmen. Auf Rang zwei der größten Verlierer steht der Versorger Eon. Die Aktie hatte seit Mitte Dezember deutlich von 7,82 Euro zugelegt. Zum Jahresauftakt könnten daher Anleger interessiert sein, Gewinne mitzunehmen. Am Nachmittag steht ein Minus von 5,1 Prozent.

FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785604
Börse
Xetra

-2,04 -4,23%
0,00€
Chart von FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius SE
4 von 11

Auch auf Rang drei der Verlierer ein deutsches Unternehmen: der Gesundheitskonzern Fresenius. Das Minus liegt bei 4,9 Prozent.

BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000BASF111
Börse
Xetra

-1,57 -2,34%
0,00€
Chart von BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.
BASF
5 von 11

Der Chemiekonzern BASF hat in den vergangenen Jahren stark vom Wachstum Chinas profitiert. Zweifel an der Wirtschaftskraft rütteln daher an der Aktie. Das Minus um 14.20 Uhr: 4,4 Prozent.

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
Xetra

-1,55 -2,18%
0,00€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN
BASF
6 von 11

Mit einem geringeren Wirtschaftswachstum in China droht auch die Nachfrage gerade nach luxuriösen Autos einzubrechen. Das schadet der BMW-Aktie: minus 4,2 Prozent.

SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007236101
Börse
Xetra

-3,13 -3,18%
0,00€
Chart von SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siemens
7 von 11

Auch auf Rang sechs der Verliererliste steht ein deutscher Konzern, in diesem Fall Siemens: minus 3,8 Prozent.

Doch das ist falsch. Wer im August überstürzt sein Depot leer räumte, gar Fondssparpläne kündigte und damit seine langfristige Strategie über den Haufen geschmissen hat, machte einen Fehler. Schon ein paar Tage später sah die Börsenwelt nicht mehr ganz so stockdunkel aus, ein paar Wochen später waren die Kursverluste so gut wie wett gemacht.

Solche Überreaktionen gehören an der Börse dazu. Es hat sie immer gegeben, und es wird sie immer wieder geben. Investoren neigen zu Panik und Herdentrieb. Schon der legendäre André Kostolany sagte, dass die Börse zu 90 Prozent aus Psychologie besteht. Im Umkehrschluss heißt das, nur zehn Prozent sind Fakten.

Aber der Börsenaltmeister zielte damit auf die kurzfristige Börsenentwicklung ab, langfristig zählen nämlich sehr wohl die Fakten. Und die sind nicht so schlecht, wie die Abschläge an den Börsen meinen lassen. Experten erwarten für dieses Jahr immer noch ein Wachstum der Weltwirtschaft von etwa drei Prozent – von Krise keine Spur. Auch wenn sich die Aussichten etwas eingetrübt haben. Die Weltbank hat deshalb gerade erst ihre Prognose für das globale Wirtschaftswachstum 2016 auf 2,9 von zuletzt 3,3 Prozent gekappt. Grund sei ein voraussichtlich schwächerer Konjunkturverlauf in einer Reihe von Schwellenländern. Das könne sich erheblich auf den Rest der Welt auswirken, so die Weltbank.

Auch der bekannte US-Investor George Soros zeigt sich angesichts des anhaltenden Negativtrends an Asiens Märkten besorgt. Die globalen Märkte stünden einer Krise gegenüber, Investoren müssten nun äußerst vorsichtig sein, sagte Soros beim Wirtschaftsforum in Sri Lanka. China habe Schwierigkeiten ein neues Wachstumsmodel zu finden. Dieses Problem stecke auch den Rest der Welt an. Nicht zuletzt die jüngste Zinsanhebung stelle die Schwellenländer vor große Herausforderungen.

Das stimmt natürlich alles, aber deshalb an den Weltmärkten gleich in den Krisenmodus zu schalten, ist übertrieben. Natürlich wächst die Wirtschaft in China langsamer als früher, aber eine Überraschung ist das eigentlich nicht. Das war abzusehen und von der chinesischen Regierung auch gewollt. Warum also jetzt die Hysterie? Das Land baut sein Wirtschaftsmodell um, und das ist mit einem Rückgang des Wachstums verbunden. Das ist aber alles nicht neu.

Bloß nicht anstecken lassen

Neuer China-Absturz drückt Dax wohl unter 10.000 Punkte

Auch die extremen Ausschläge an Chinas Börsen sind keine echte Überraschung. Chinas Anleger ticken anders als die amerikanischen, und erst recht als die risikoscheuen Deutschen. Die Chinesen sind extrem risikofreudig, mitunter werden sie gar als Zocker tituliert. Sie gehen heiße Wetten ein, gerne auch kreditfinanziert. Befeuert wurde das lange Zeit sogar von der Regierung. Die versucht nun einzudämmen, was sie selbst angezettelt hat.

Nach dem Einbruch zum Wochenanfang hatte die chinesische Regierung Milliarden in den Markt gepumpt. Auch wurden neue Maßnahmen angekündigt, um die Kurse zu stützen, was kurzfristig auch gelungen war. Doch fehlt das langfristige Vertrauen der Anleger.

Davon sollten sich Privatanleger hierzulande aber nicht anstecken lassen und ihre Strategie über Bord werfen, nur weil es an der Börse gerade mächtig kracht. Auch wenn die Verluste schmerzen: Durchhalten sollte die Devise langfristig orientierter Anleger lauten. Auch diese Krise wird vorüberziehen, egal wie heftig sie auch noch werden und wie lange sie dauern wird.

Aktien sind die erfolgreichste Anlageklasse überhaupt - langfristig wohl gemerkt. Die Rendite kann sich durchaus sehen lassen, allen Kursschwankungen und Crashs zum Trotz. Und schaut man sich die Entwicklung des Dax von 1965 bis 2014 an, dann verschwindet das Risiko von Verlusten ab einem Anlagehorizont von 13 Jahren vollständig, wie das Deutsche Aktieninstitut berechnet hat. Unter allen 41 möglichen Zehn-Jahreszeiträumen seit 1965 waren überhaupt nur zwei Perioden mit einem Verlust in einer breit gestreuten Aktienanlage - nämlich Ende 1998 bis Ende 2008 sowie Ende 1999 bis Ende 2009. Die Durchschnittrendite aller Zehn-Jahreszeiträume lag dagegen bei jährlich 8,1 Prozent. Anleger konnten also innerhalb von nur zehn Jahren ihr Vermögen mehr als verdoppeln.

Vielleicht steht uns ein extrem schlechtes Börsenjahr bevor, vielleicht erleben wir nach sieben guten Jahren nun den Crash. Wer aber langfristig investiert, sollte solche Turbulenzen einfach aussitzen – und vielleicht sogar zum Einstieg nutzen. Ein langer Atem wird an der Börse belohnt. Aber eins muss klar sein: An der Börse sollten Anleger nur Geld investieren, was sie in den kommenden Monaten und sogar Jahren nicht brauchen. Sonst könnten sie heftige Kursrücksetzer, wie wir sie derzeit erleben, übel erwischen.

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31 Kommentare zu "Kommentar zu Dax-Absturz und China-Crash: Ruhig bleiben!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Bei diesem Kommentar handelt es sich um eine Antwort auf den Kommentar von Herr Dirk Becker. Hab' leider vergessen auf "antworten" zu klicken.

  • "... wenn Sie mit Ihrem privaten Einkommen für alle Verluste haften, die aufgrund Ihrer Aussagen entstehen ?"

    Wieso sollte sie? Guter Mann, auch bei einem Artikel handelt es sich letztlich - wie es anders gar nicht sein könnte - um die Einschätzung des Redakteurs (wenn auch um eine professionelle).

    Wie plausibel Ihnen irgendwelche Aussagen erscheinen, können letzten Endes nur Sie selbst anhand bzw. vor dem Hintergrund der Ihnen sonst noch vorliegenden Informationen beurteilen.

    Und ob sie den Tipp ("Ruhig bleiben" - ich persönlich finde ihn gut, aber das ist meine eigene und damit völlig unmaßgebliche Meinung) nun befolgen wollen oder nicht, bleibt schließlich immer noch in Ihrer eigenen, völlig freien Entscheidung - und damit auch Ihrer Verantwortung überlassen.

  • "Wenn man langfristig von der Wirtschaftslage überzeugt ist, muss man drinbleiben."

    Weitaus wichtiger finde ich, dass man von den Unternehmen, in die man investiert hat überzeugt ist

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die 10.000-Punkte-Marke ist auf gefallen. Und? Auch wenn sie auf 6000 fallen sollte, wo sie auch hingehört, wäre das absolut keine Tragödie. Nebenbei, ich besitze ein paar Aktien, und glaube es einfach nicht das hinter den Firmen Penny Stock Aktien lauern. Die sind nämlich schon ziemlich tief gefallen, trotz Gewinne von vieler hundert Millionen.



  • Dazu kann es nur den Aufruf geben - meidet die Systemmedien !!!
    Qualitätsinfo gibt es nur im Internet bei freien Journalisten!!!!!



  • Dazu kann es nur den Aufruf geben - meidet die Systemmedien !!!
    Qualitätsinfo gibt es nur im Internet bei freien Journalisten!!!!!

  • Genau das ging mir auch durch den Kopf...

    Tip von mir: Nicht mehr als eine Armlänge Kursverlust!

  • .......bei einer derartigen Situation, wie sie jetzt ist, ist es für einen Privatanleger kaum möglich, sein Geld mit Gewinn zu generieren. Gehört dazu eine ständige Information am Markt und in der Presse und zwar den ganzen Tag, so lang die Börse geöffnert ist auf Wochen und Monate....für einen Arbeitnehmer so gut wie kaum möglich......ist doch der Ein- und Ausstieg möglichst genau zu treffen..... das Ziel....
    Und so finden Äußerungen, wie sie gestern von Markus Koch an NTV gegeben wurden, kaum Beachtung.....und was war seine Äußerung?
    Nun. er sagte, daß die amerikanischen Großbanken den Anlegern geraten haben .....abzuwarten, da man für die nächsten 2-3 Jahre fallende Kurse sehen werde.
    Also ein Crash auf Raten?.....ja, so ist es.....bedeutet also, die Füße still zu halten und nix (nichts) zu tun.....ein gutes Buch lesen....oder Sport treiben..... gesund zu sein, für die anstrengenden Monate der nächsten Zeit.....

  • << Doch liebe Anleger: Ihr reagiert zu heftig! >>

    Was für eine putzige Aussage! Und falls die Anleger mit den Ratschlägen im Artikel doch Verluste machen sollten, werden die ihnen von Frau J. Schwarzer selbstverständlich in voller Höhe erstattet. Darauf können wir uns zum Glück verlassen.

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