Konflikt um die Krim Kriegsangst an den Börsen

Anleger fürchten einen Krieg um die Krim. Ein großer Investor warnt vor „erheblichen Verwerfungen“. Der Dax verliert über drei Prozent, auch der Dow schwächelt. Noch schlimmer erwischt es allerdings den russischen Markt.
Update: 03.03.2014 - 18:24 Uhr 13 Kommentare
Börsen im Banne Wladimir Putins: Die Krim-Krise schickt die Märkte weltweit auf Talfhart. Quelle: dpa

Börsen im Banne Wladimir Putins: Die Krim-Krise schickt die Märkte weltweit auf Talfhart.

(Foto: dpa)

Moskau, FrankfurtDie Angst vor einem Krieg um die Krim erfasst die Finanzmärkte: Der russische Aktienmarkt brach am Montag um mehr als zehn Prozent ein. Der Rubel sackte ab. Die russische Zentralbank reagierte mit einer überraschenden Zinsanhebung. Sie erhöhte den Leitzins um 1,5 Prozentpunkte.

In Frankfurt gab der Dax um 3,4 Prozent auf 9358 Punkte nach. An der Wall Street fiel der Dow Jones im frühen Handel um 1,25 Prozent. In Tokio hatte der Nikkei um 1,3 Prozent nachgegeben. „Die Investoren hatten das Risiko einer Eskalation der Lage in der Ukraine unterschätzt“, sagte Aktienhändler David Thebault vom Brokerhaus Global Equities. „Die Ereignisse vom Wochenende sind ein Weckruf.“

Gefragt waren Anlagen, die als sicher gelten: Der Preis für eine Feinunze der Krisenwährung Gold sprang um 2,04 Prozent auf 1353 Dollar. Der Ölpreis (Brent) kletterte um 2,1 Prozent auf 111,29 Dollar. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel um knapp fünf Basispunkte auf 1,58 Prozent.

Besonders betroffen waren die Aktienkurse von europäischen Unternehmen, die in Russland oder in der Ukraine bislang gute Geschäfte gemacht haben - in Deutschland etwa der Handelskonzern Metro, in Österreich die Raiffeisen-Bank, in Dänemark die Brauerei Carlsberg und in Frankreich der Autobauer Renault.

Russland hat Soldaten auf die Krim geschickt und die Kontrolle über die zur Ukraine gehörende Halbinsel übernommen. Das russische Parlament genehmigte einen Militäreinsatz in der Ukraine. Moskau sieht sich als Schutzmacht für die Russen in der Ukraine. Die neue ukrainische Regierung spricht von einer Invasion. Im Westen sorgte Russlands Vorgehen für scharfe Kritik. US-Außenminister John Kerry will am Dienstag in Kiew mit der Übergangsregierung des Landes zusammentreffen, um ihr die Unterstützung der Vereinigten Staaten zuzusichern, wie es aus amerikanischen Regierungskreisen hieß.

Der Vermögensverwalter Pimco, einer der größten Investoren der Welt, warnt vor den „geopolitischen Risiken“ des Konflikts. Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, würde dies weltweit zu „erheblichen Verwerfungen“ an den Märkten führen, heißt es in einem Kommentar. Die Erholung der Weltwirtschaft sei gefährdet. Das Ergebnis wäre vergleichbar mit den Erschütterungen während der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre oder der iranischen Revolution in den späten 1970er Jahren.

Russland selbst könnte die Folgen am heftigsten zu spüren bekommen. Die Aussichten für die Wirtschaft haben sich ohnehin verschlechtert. Sollten Investoren nun das Land verlassen, droht Russland eine schwere Wirtschaftskrise. Es könnte zu Gegenmaßnahmen der internationalen Gemeinschaft kommen, schrieb die Unicredit-Volkswirtin Gillian Edgeworth in einem Kommentar. So hätten die USA bereits mit einer Verringerung von Investitionen gedroht. Die italienische Unicredit ist selbst in der Ukraine engagiert. Sie hat die Summen, die an Geldautomaten abgehoben werden können, limitiert, so wie andere Banken auch.

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13 Kommentare zu "Konflikt um die Krim: Kriegsangst an den Börsen"

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  • Neidisch?


  • Oh, das tut mir aber leid für die armen Börsianer! Viele waren schon so gierig und hatten einen Dax bei 10000 im Auge. Sie wollten noch mehr von der Billigzins- un Gelddruckpolitik der Notenbanken profitieren. Strafe muss sein Gut so!

  • Die Einwohner der Krim sollten abstimmen, zu wem sie gehören wollen. Russland oder Ukraine. Im Falle pro Russia sollte Russland der Ukraine einen Kaufpreis zahlen, der die Ukraine für die nächsten Jahre jeglicher Probleme entbindet. Die Ukraine kann die Zeit dann nutzen, wirtschaftlich und politisch auf die beine kommen und dann entscheiden, mit wem, wann und ob überhaupt.

  • Auf der Krim sind 60% der Bevoelkerung Russen. Da kann man wohl kaum von einer Minderheit sprechen.

  • Fortsetzung
    Erst wenn EU Politiker aufgrund dieser Tatsachen größte Probleme bekommen werden, könnte vielleicht etwas mehr Vernunft statt der Gier auf ungehemmten Zuwachs in dessen Köpfe einziehen.
    Im Moment von Krieg zu sprechen ist einfach nur lächerlich. Kaum ein ukrainischer Soldat lässt sich von einer unautorisierten Regierung in den Krieg schicken. Auf ukrainischer Seite heißt es, stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin. Dieser Popanz wird nur von Westmedien und der Maidan-Regierung aufgebaut, realistisch ist er nicht!

  • Es gibt keinen Krieg um die Krim, wenn dann nur um die Ostukraine. Das mit der Krim ist längst entschieden, denn die Mehrheit der Menschen auf der Krim will nicht unter den despotischen Nationalisten in Kiew leben. Sicher gab es bis zuletzt Umfragen in der die Mehrheit mit dem Status einer autonomen Republik innerhalb der Ukraine zufrieden war, aber das haben die irren Umstürzler in Kiew nun endgültig vergeigt. Anstatt die in einem Jahr sowieso stattfindenden Wahlen abzuwarten, regiert jetzt der nicht demokratisch legitimierte Maidan-Mob in Kiew. Die Menschen auf der Krim und in der Ostukraine nehmen sich jetzt nur das gleiche Unrecht heraus. Wo ist der Unterschied?! Der Maidan-Mob wurde vom Westen massiv unterstützt und der Russen-Mob in der Ostukraine wird von Russland massiv unterstützt! Jedenfalls werde ich mich nicht auf meine Kosten von irgendeiner Seite benutzen lassen und so denkt die Mehrheit der Menschen in Deutschland. Es liegt allein an Putin und seinen Zusagen an die Menschen in der Ostukraine, der Westen wird jedenfalls keinen militärischen Finger krumm machen, ob auch Teile der Ostukraine sich für unabhängig von der Ukraine erklären. Sonnenklar ist jedenfalls, die Industrie in der Ostukraine würde in der EU platt gemacht werden und die ukrainischen Armutsflüchtlinge, nach neuester Sprachregelung ukrainische Fachkräfte, dürften dann in das gelobte Mitteleuropa einwandern, um dort mit gleicher Entlohnung für Lohndumping zu sorgen.

    Nur wenn der neue Präsident der Ukraine diese eventuelle Sezession militärisch unterbinden würde, gäbe es einen Krieg mit Russland. Von sich aus wird Russland keinen Konflikt um die gesamte Ukraine beginnen, dafür ist die Westukraine viel zu unbedeutend, zu arm und aufrührerisch. Die Westukraine wird ein sehr teures Anhängsel der EU, ähnlich wie Griechenland, werden, davon haben wir ja immer noch nicht genug!
    Fortsetzung

  • ...............endlich isset so weit.......er macht nur Kniebeuge, noch kein Horizontale.....platt auf dem Boden.
    Aber das kommt noch. Ist und war doch alles unnatürlich.....denn es gibt keine Vernunft an den Börsen. Und so wird der Lauf der Geschichte sein.....daß nichts ungestraft bleibt, nichts......und das ist gut so...........

  • hat sich eigentlich einer das EU Assoziierungsabkommen genauer angeguckt ?
    Ägypten und Marokko haben den auch unterzeichnet. Man konnte den auch Ausplünderungspakt nennen. Ist kein Wunder, dass die ukrainische Regierung den nicht unterzeichnet hat. Bloß unser beliebter von vielen Kämpfen "beeinträchtigter" Boxer hat es den angeblichen Demonstranten anders definiert.
    Und was die sogenannten Volksvertreter angeht... die paar Tausend bezahlte oder tollwütige Demonstranten machen natürlich Großteil von 45 Millionen aus

  • Richtig, wer am Gashahn sitzt, aber auch der, der an der Verteilerstelle sitzt! Und wenn kein Geld mehr kommt.....? Woher nehmen?

  • ...........Wer zuletzt den längeren Atem hat, wird sich noch zeigen.........

    Vermutlich der, der am Gashahn sitzt....

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