Märkte aktuell Dax rutscht unter wichtige Marke – was Anleger jetzt wissen müssen

Eine Reihe von Risikofaktoren drückt den Leitindex auf den tiefsten Stand seit Januar 2017. Nur eine Dax-Aktie steigt gegen den Trend deutlich.
Update: 11.10.2018 - 14:35 Uhr Kommentieren

„Aktuell werden fast alle Aktien verkauft“

FrankfurtDer Ausverkauf an der Frankfurter Börse setzt sich auch am Donnerstag fort. Der Dax lag am Nachmittag 0,8 Prozent tiefer bei 11.625 Punkten. Zuvor hatte das Minus 1,4 Prozent betragen. So tief hatte der deutsche Leitindex zuletzt im Januar 2017 notiert.

Bereits am Mittwoch hatte der Dax um mehr als zwei Prozent nachgegeben. In der Folge ging es auch an den Märkten in den USA und in Asien deutlich nach unten. An der Wall Street verloren Dow Jones und S&P 500 mehr als drei Prozent. Da Tech-Titel besonders betroffen waren, verlor der Technologieindex Nasdaq sogar über vier Prozent. Daraufhin brach der Nikkei-Index an der Tokioter Börse ebenfalls ein.

Einzelwerte im Fokus

Bayer: Die Aktien des Pharmakonzerns performten gegen den Trend und in der Spitze um sechs Prozent nach oben. Der Prozess um 250 Millionen Dollar schwere Strafen wegen des Unkrautvernichters Glyphosat soll neu aufgerollt werden. Die Zahlungen könnten deutlich reduziert oder gar komplett gestrichen werden, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Helvea Bank.

Wirecard: Nach dem massiven Kursverlusten in der laufenden Woche setzte bei Dax-Neuling Wirecard eine erste Erholungsphase ein. Der Zahlungsdienstleister legte über ein Prozent zu.

Dialog Semiconductor: Die Titel von Dialog Semiconductor stiegen sogar um 29 Prozent. Der Chip-Designer schloss eine 600 Millionen Dollar schwere Lizenzvereinbarung mit Apple. Dialog tritt einen Teil seines Geschäfts und Know-hows an Apple ab und bekommt im Gegenzug künftige Aufträge vom iPhone-Konzern zugesichert. Es geht um Chips für die Stromsteuerung in Apple-Geräten vom iPhone bis zur Computer-Uhr.

Wieso Fed-Chef Powell nun im Fokus steht

Der Anstoßimpuls für den weltweiten Absturz kam aus den USA. Die Notenbank Fed hat unter ihrem neuen Chef Jerome Powell einen strammen Kurs von Zinserhöhungen eingeschlagen, im Takt von einem Viertel Prozentpunkt pro Quartal.

Powell hatte sich mehrfach, gemessen an den vorsichtigen Gepflogenheiten der Geldpolitiker, überraschend enthusiastisch über die Stärke der US-Konjunktur geäußert – das hat die Renditen der US-Anleihen hochgetrieben und der Stimmung am Aktienmarkt einen Dämpfer verpasst.

Die Tatsache, dass US-Präsident Donald Trump die Fed als „verrückt“ bezeichnet, erschwert es ihr noch, von ihrem Kurs abzuweichen, weil Powell auf keinen Fall seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen darf. Trump dürfte nervös werden, denn kurz vor den Parlamentswahlen im November kann er keinen Absturz der Börse gebrauchen.

Sollten die Verwerfungen an den Märkten anhalten und auf das Vertrauen der Verbraucher oder die US-Konjunktur durchschlagen, dann würde die Fed wahrscheinlich ihren Kurs leicht korrigieren. Das allerdings dürfte einige Wochen oder Monate dauern und nicht mehr vor der Wahl geschehen. Der unabhängige US-Ökonom Joseph LaVorgna bringt die Stimmung auf den Punkt: „Powell geht das Risiko ein, zu schnell die Zügel anzuziehen.“

Der bekannte US-Ökonom Mohamed El-Erian kritisiert die Gier der Märkte danach, von der US-Notenbank gerettet zu werden „Kaum kommt es zu einem Abverkauf, da wünschen sich einige Kommentatoren gleich wieder einen stärkeren Fed-Put“, sagte der Berater der Allianz-Tochter Pimco. Und setzte hinzu: „Das ist nicht gut, und wahrscheinlich auch unrealistisch. Um langfristig intakt zu bleiben, brauchen die Märkte ein solides Fundament und nicht Liquiditäts-Spritzen der Fed.“

Scott Minerd von der US-Vermögensverwaltung Guggenheim schrieb am Mittwoch: „Wie ein Eisberg in der Dunkelheit darauf harrt, von der Titanic mit Volldampf getroffen zu werden, so nähert sich die US-Wirtschaft dem fiskalischen Rückschlag im Jahr 2020 unter dem Volldampf von weiteren Zinserhöhungen, die die Inflation und den überhitzten Arbeitsmarkt im Zaum halten sollen.“

Wie andere Experten geht auch er offenbar davon aus, dass die von Trump angestoßenen Steuersenkungen zu einer Ausweitung des Staatsdefizits führen werden, die wiederum auf die Zinsen durchschlagen oder möglicherweise sogar Gegenmaßnahmen erfordern.

Warum Technologieaktien besonders betroffen sind

Vom aktuellen Kursrutsch sind vor allem Technologietitel betroffen. Der TecDax und das US-Technologiebarometer Nasdaq fielen am gestrigen Handelstag um mehr als vier Prozent – deutlich mehr als die anderen Indizes.

Im Dax hat Wirecard beispielsweise innerhalb einer Woche 18 Prozent an Wert verloren. Die Bilanz der US-Technologieriesen gestern: Minus 6,2 Prozent bei Amazon, minus 8,4 Prozent bei Netflix, Microsoft bei minus 5,4 Prozent und Facebook und Apple jeweils rund vier Prozent.

Der Rückschlag für Tech-Titel hat auch mit der Veränderung der Zinserwartungen zu tun. Wenn das Renditeniveau auf Dauer höher ist, sind die abgezinsten künftigen Erträge, auf denen die Bewertung bei den Wachstumstiteln vor allem beruht, heute weniger wert als bei niedrigeren Zinsen.


Warum Charttechniker Alarm schlagen

Mit dem Rutsch unter die wichtige Widerstands-Marke von 11.800 Punkten hat der Dax nach Meinung von technischen Analysten weiteres, deutliches Abwärtspotenzial aufgetan. Das „rechnerische Abschlagspotential kann auf rund 1800 Punkte taxiert werden“, meinen die Charttechniker der Düsseldorfer Bank HSBC in ihrem Morgenkommentar.

Die Berechnung derartiger Kursziele geht wie folgt: Anderthalb Jahre lang hat sich der deutsche Leitindex in einer Schiebezone zwischen 13.600 Punkten auf der Ober- und 11.800 Zählern auf der Unterseite bewegt – also in einer Spanne von 1800 Punkten. Bei einem Bruch einer der beiden Marken hat der Dax dann die Chance von derart hohen Kursgewinnen – oder wie aktuell – das Risiko für hohes Abschlagspotenzial. Eine theoretische Berechnung, die nicht unbedingt immer eintrifft.

Sollte sich diese Prognose aber bewahrheiten, wäre der Dax dann auch offiziell in einen Bärenmarkt. Dieser ist erreicht, wenn der deutsche Leitindex von seinem Allzeithoch 20 Prozent verloren hat. Konkret wäre das bereits von Notierungen unterhalb der Marke von 10.800 Zählern erreicht. Das Allzeithoch markierte der deutsche Leitindex Anfang Januar dieses Jahres mit 13.597 Zählern.

Vereinfacht gesagt versuchen charttechnische Analysten, aus dem Vergleich wiederkehrender Kursmuster der Vergangenheit mit aktuellen Chartgrafiken die Weiterentwicklung von Wertpapierkursen und Aktienindizes vorherzusagen. Realwirtschaftliche Größen wie die konjunkturelle Entwicklung, das Verhältnis von Kursen zu Gewinnen in Firmen oder die Geschäftsaussichten spielen eine untergeordnete Rolle – anders als bei fundamentalen Untersuchungen herkömmlicher Analysten.

Auch die anderen Indizes des deutschen Aktienmarktes sind – gelinde gesagt – charttechnisch angeschlagen: Der MDax hat ein Rückschlagspotential von gut 2500 Punkten, ähnlich sind es beim SDax aus.

Wann die Korrektur enden könnte

„Jetzt sind die Märkte im Korrekturmodus und erfahrungsgemäß endet eine Korrektur erst dann, wenn die dominierenden Probleme gelöst werden oder zumindest wenn sich mögliche Lösungen abzeichnen“, meint Sentimentexperte Stephan Heibel, der die wöchentliche Handelsblattumfrage Dax-Sentiment auswertet.

Auch für ihn hält Fed-Chef Powell mit seiner Zinspolitik derzeit den Schlüssel zum Markt in der Hand. Er selbst hatte erwartet, dass die Dax-Verluste bei 11.800 Punkte ein Ende finden würden. „Doch das ist nicht geschehen und deutet auf tiefer liegende Probleme.“

Was das Angstbarometer zeigt

Auch der VDax, das „Angstbarometer der Börse“, ist gestiegen, es zeigt mit einem Plus von acht Prozent damit deutliche Angst bei Anlegern an. Aktuell notiert das Barometer bei 20 – erst ab einem Wert von 25 spricht man von übertriebenen Angstzuständen. Auf einem ähnlichen Niveau notierte dieser Volatilitätsindex bereits Mitte August dieses Jahres.

Der VDax bildet die erwartete Dax-Schwankungsbreite von professionellen Anlegern ab, die mit Optionen an der Frankfurter Terminbörse Eurex handeln.

Die weiteren Indizes

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen verlor 1,3 Prozent. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 notierte über ein Prozent schwächer. Der TecDax verlor 0,6 Prozent.

Blick nach Asien

Der Nikkei 225 in Tokio schloss um 3,89 Prozent niedriger. In Hongkong gab der Hang-Seng-Index um 3,2 Prozent nach. In China ging es noch stärker abwärts: Der Shanghai-Composite-Index fiel um 5,2 Prozent, während der Shenzhen-Component-Index sechs Prozent verlor. Für Verunsicherung sorgte auch die Abwertung der chinesischen Währung Yuan, die eine psychologisch wichtige Marke unterboten hatte. Der japanische Yen hingegen legte im Verhältnis zum Dollar leicht zu.

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