Märkte-Ausblick Der Dax könnte zum Wochenstart deutlich verlieren

In der neuen Woche sind erneut politische Konflikte im Fokus der Anleger. Noch dazu droht den Aktienbörsen ein weiterer „Partykiller“.
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Auch in der neuen Woche erwarten Marktexperten Schwankungen im Dax. Quelle: dpa
Händler an der Frankfurter Börse

Auch in der neuen Woche erwarten Marktexperten Schwankungen im Dax.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Hoffnung auf Entspannung an den Finanzmärkten dürfte sich auch in der kommenden Woche nicht erfüllen. Marktexperten rechnen erneut mit Kursrücksetzern. Eine Korrektur bis zur psychologisch wichtigen Marke von 12.000 Zählern sei durchaus möglich, prognostiziert Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Auch Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, bleibt vorsichtig und setzt auf eine neutrale Aktienpositionierung: „Der Dax dürfte vorerst seinem anhaltenden Seitwärtstrend treu bleiben“, sagt er. Im Fokus der Anleger dürften weiterhin die Handelskonflikte mit den USA, die Rangelei um den Brexit und Italiens Haushaltsplanung stehen. Neben diesem „politischen Dreierblock“ rückt ab Ende der Woche die US-Quartalszahlensaison in den Fokus, so Greil.

Am Freitag war der deutsche Leitindex mit einem Minus von rund 1,1 Prozent bei 12.111 Punkten aus dem Handel gegangen. Auf die Woche gesehen hat der Dax damit einen Verlust von 1,5 Prozent erlitten. Der Euro Stoxx 50 verlor 0,9 Prozent auf 3345 Zähler – auf Wochensicht notierte der Index damit zwei Prozent schwächer.

An der Wall Street fielen die Verluste im Vergleich geringer aus. Am Freitag setzten die neuesten Daten zum US-Arbeitsmarkt und die steigende Erwartung höherer Zinsen dem US-Leitindex aber zu: Der Dow Jones ging mit einem Verlust von 0,7 Prozent bei 26.447 Punkten aus dem Handel.

Die US-Wirtschaft hatte im September überraschend wenige Jobs geschaffen. Die Regierung in Washington meldete am Freitag 134.000 neue Arbeitsplätze. Von Reuters befragte Experten hatten hingegen mit 185.000 zusätzlichen Jobs gerechnet. Grund für das geringere Plus könnten auch Folgen des jüngsten Wirbelsturms „Florence“ sein. Zugleich wurde der Stellenzuwachs für Juli und August insgesamt um 87.000 nach oben revidiert.

Zinsentwicklung spielt eine Schlüsselrolle

Für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte spielt neben dem Wirtschaftswachstum auch die Zinsentwicklung eine Schlüsselrolle. „Da wir keinen deutlichen Renditesprung erwarten und die Gewinne weltweit weiter wachsen sollten, gehen wir von einer Fortsetzung des Aufschwungs aus“, sagt DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger. Größere Dynamik an den Märkten erwarte er jedoch erst im ersten Halbjahr 2019.

Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Brokers CMC Markets, sieht steigende Zinsen als neuen „Partykiller an den Börsen“. „Die Dividendenrendite im S&P-500-Index liegt bei 1,7 Prozent, während man auf zwei Jahre bereits fast 2,9 Prozent pro Jahr Zinsen mit amerikanischen Staatsanleihen erhält“, rechnet Stanzl vor. Hier entwickele sich ein „echtes Konkurrenzprodukt für Aktien“.

Die Hoffnung auf eine Zinswende mit anschließender Rückkehr zu den Zeiten höherer Nominalzinsen hält Christoph Bruns, Fondsmanager und Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys AG, allerdings vorerst für eine reine Illusion.

„Die Staaten Europas sind heute höher verschuldet denn je, und mit Italien gerät nun das nächste Mittelmeerland an den Rand einer Staatsschuldenkrise“, so Bruns. Europa könne sich keine wesentlich höheren Zinsen leisten, „wenn es nicht zum Auslöser einer erneuten Schuldenkrise à la 2008 werden möchte“.

Neue Woche, neue Konjunkturdaten

Neue Erkenntnisse zur Konjunktur sollen schon am Montag Daten zur Industrieproduktion in Deutschland liefern. „Die Durststrecke für die deutsche Industrie ist noch nicht beendet“, sagt Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank. Er rechnet damit, dass die Produktion im August um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen ist. Am Dienstag folgen Daten zu den deutschen Exporten.

Zur Wochenmitte sollen dann Frankreich, Italien und Großbritannien über die Produktion ihrer Industrie informieren. Von Interesse für die Anleger dürften am Mittwoch auch die Produzentenpreise in den USA sein. Am Donnerstag werden die US-Verbraucherpreise und neue Zahlen zur Inflation in den USA erwartet.

Schließlich eröffnen am Freitag die drei Banken JP Morgan, Wells Fargo und Citigroup die Bilanzsaison in den USA. Wie bereits in den Vorquartalen dürften sie von den Steuersenkungen zu Jahresanfang, den steigenden Zinsen und der brummenden US-Konjunktur profitiert haben.

In Deutschland gewähren am Donnerstag Südzucker und der Verpackungsspezialist Gerresheimer Einblicke in ihre Bücher. „Das dritte Quartal ist für die meisten deutschen Unternehmen von sehr großer Bedeutung, denn es zeigt, ob die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr noch haltbar sind“, sagt Commerzbank-Analyst Markus Wallner.

Quartalszahlen könnten enttäuschen

Angesichts der zahlreichen Gewinnwarnungen der vergangenen Tage könnten die Ergebnisse für das dritte Quartal enttäuschen. „Wir sind aber nicht ganz so pessimistisch, da die Gewinnwarnungen in der Regel auf spezifische Sektoren begrenzt waren“, erklärt Wallner. So hätten sich die Warnungen insbesondere auf Einzelhandelsunternehmen aus dem Bereich Bekleidung sowie auf die Automobilbranche konzentriert.

Den Bekleidungsunternehmen habe vorrangig der heiße Sommer die Geschäfte im dritten Quartal verdorben. Die Autobauer hatten Probleme mit dem neuen Abgastest (WLTP) und den chinesischen Zöllen auf Importe aus den USA. Einen weiteren Lichtblick laut Wallner gibt es aber noch: Der schwächere Euro dürfte die Quartalsergebnisse der deutschen Unternehmen positiv beeinflusst haben.

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