Markt-Analyse 76 Prozent Plus in zwei Tagen: Diese Aktie lässt Anleger träumen

Der Elektroautobauer Nio will das chinesische Tesla werden – die Aktie geht durch die Decke. Ein Vergleich mit dem Vorbild zeigt, worauf Anleger jetzt achten müssen.
Update: 14.09.2018 - 15:30 Uhr Kommentieren
Tesla-Probleme überschatten Börsengang von Rivalen Nio Quelle: Reuters
Chinesische Konkurrenz

Nio hat ein Konkurrenzfahrzeug zu Teslas Model X im Programm. Am Mittwoch feierte der Autobauer sein Debüt an der New Yorker Börse.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDas ist eine seltene Kursentwicklung: Um 76 Prozent schoss die Aktie des chinesischen Elektroautobauers Nio in den ersten beiden Handelstagen nach dem Börsendebüt in New York nach oben. Aus dem Stand kletterte ihr Kurs damit von 5,35 Dollar auf zuletzt 11,60 Dollar.

Für frühe Anleger hat sich der Einstieg damit mehr als gelohnt. Geht die Kursentwicklung so weiter, könnte sich Nio zum Geheimtipp entwickeln.

Die ersten beiden Handelstage machten damit auch den verpatzten Start vergessen: Ursprünglich hatte der Autohersteller deutlich mehr mit seinem Börsendebüt einnehmen wollen. Einen Marktwert von bis zu 20 Milliarden Dollar sollen sich die Chinesen erhofft haben. Am Ende wurden es nur 6,4 Milliarden Dollar.

In der Firmenzentrale in Shanghai dürfte der Börsengang (IPO) dennoch als Erfolg verbucht werden: Nichts honorieren Analysten wie Anleger schließlich mehr als Wachstumsunternehmen, die auch nach der Kapitaleinwerbung eine starke Entwicklung hinlegen.

Gegenbeispiele zu einem erfolgreichen IPO gibt es genug. Den verpatzten Gang aufs Parkett der Deutsche-Bank-Tochter DWS werden Anleger nicht so schnell vergessen: Seit dem Börsengang Ende März ging es für die Anteile des Vermögensverwalters um mehr als 27 Prozent abwärts.

Die erstaunliche Entwicklung von Nio überrascht zahlreiche Beobachter, könnte das politische Umfeld doch kaum schlechter sein. Schließlich ist Nio ausgerechnet zu einem Zeitpunkt an die Börse gegangen, an dem die globalen Aktienmärkte durch den schwelenden Handelsstreit zwischen den USA und China belastet sind.

Grafik

Außerdem wurde der Börsengang des chinesischen Elektroautobauers von den Problemen des Hauptrivalen Tesla überschattet. Der Branchenpionier aus den USA kämpft mit Schwierigkeiten, seine Produktionsziele zu erreichen. Den Aktienkurs des Unternehmens drückte zuletzt auch, dass Konzernchef Elon Musk über einen Rückzug von der Börse nachdachte, das Vorhaben dann aber aufgab.

Von derlei Branchenzweifeln ließen sich Investoren jedoch nicht abhalten und stürzten sich am Donnerstag auf die Nio-Aktie; am Freitag könnte die Rally weitergehen. Nio hat während des Börsengangs Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar verkauft. An dem Börsengang beteiligt waren unter anderem die Bank of America, die Credit Suisse, die Citigroup, die Deutsche Bank und die UBS.

Der Vergleich mit dem Konkurrenten Tesla zeigt Chancen wie Probleme des Börsendebüts eines noch in der Pubertät steckenden Unternehmens. Der dauerhafte Erfolg von Nio hängt vor allem von einer Frage ab: Gelingt es den Chinesen, Elektroautos in hoher Stückzahl für einen Massenmarkt zu produzieren?

Die 2014 vom chinesischen Unternehmer William Li gegründete Firma hat ein Konkurrenzfahrzeug zu Teslas Model X im Programm, ES8 genannt. Ziel ist, autonomes Fahren und Batterietechnologien voranzutreiben. Genau wie Tesla ist die Firma bisher aber vor allem durch vollmundige Ankündigungen aufgefallen.

So begann Nio erst im Juni, sein rein elektrische Auto ES8 auszuliefern. Bis Ende August hatten die Chinesen lediglich 1.600 Stück produziert. Dennoch ist bereits zum Jahresende ein zweites, günstigeres Fahrzeug geplant.

Nio schreibt wie Tesla rote Zahlen. In den ersten sechs Monaten 2018 verlor die Firma mehr als 502 Millionen Dollar. Trotzdem wird sie an der Börse nun mit im Vergleich fast unglaublichen 13 Milliarden Dollar bewertet.

Gerade dieses Missverhältnis erinnert Beobachter an die paradoxe Situation bei Tesla. Der Autobauer von Internetpionier Elon Musk verspricht genau wie Nio den Einstieg in die elektromobile Zukunft. Und analog zu den Chinesen zeichnen sich die Amerikaner durch eine hohe Marktbewertung aus: An der Börse wird Tesla mit dem 100-fachen des erwarteten Gewinns im Jahr 2019 bewertet, also mit knapp 45 Milliarden Dollar. Und das trotz aller Querelen um Gründer Elon Musk, um Probleme in der Fertigung und kündigende Top-Manager.

Ob bei Nio oder bei Tesla: Antreiber für die Kurse der jungen E-Autopioniere ist Stand jetzt vor allem ein Fixpunkt – das Prinzip Hoffnung. Früh eingestiegene Tesla-Anleger haben trotz jüngster Kursschwächen ihren Einsatz immer noch verzehnfacht. Seit 2012 ist die Aktie von rund 30 Dollar auf 300 Dollar angestiegen.

Ja, auch Nios Investoren könnten einen ähnlichen Gewinn einstreichen. Möglich ist aber auch, dass die Börse der Wiederholung der immer selben (elektro-)automobilen Zukunftsvision überdrüssig wird.

Dann könnte es ein böses Erwachen geben – für Nio-Frühanleger wie für Tesla-Späteinsteiger.

Startseite

Mehr zu: Markt-Analyse - 76 Prozent Plus in zwei Tagen: Diese Aktie lässt Anleger träumen

0 Kommentare zu "Markt-Analyse: 76 Prozent Plus in zwei Tagen: Diese Aktie lässt Anleger träumen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%