Marktbericht: Europäische Aktienmärkte Banken und Autowerte treiben Europas Börsen

Angetrieben von Gewinnen bei Banktiteln und Autowerten haben die wichtigsten europäischen Aktienindizes am Donnerstag deutlich zugelegt. Die Anleger hofften angesichts des G20-Treffens in London auf eine wirtschaftliche Erholung, sagten Händler. Zudem hätten positive Nachrichten aus der US-Autobranche für Kauflaune gesorgt.

HB PARIS/LONDON. Der EuroSTOXX 50 rückte um 4,12 Prozent auf 2.183,95 Zähler vor. In London ging es für den FTSE 100 um 3,33 Prozent auf 4.087,34 Punkte hoch. Der CAC-40-Index kletterte in Paris um 4,08 Prozent auf 2.955,53 Zähler.

Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrieländer haben aber gleichwohl in London weiter über eine Reform des globalen Finanzsystems gestritten. Die Verhandlungen gestalten sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen sehr schwierig. Die G20-Gruppe will Auswege aus der schwersten ökonomischen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg finden. Dabei soll eine tiefgreifende Reform des globalen Finanzsystems auf den Weg gebracht werden, um Zusammenbrüche von Banken und anderen Finanzinstituten künftig zu verhindern. Außerdem steht der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) im Fokus. Experten erwarten eine Absenkung des Leitzinses um einen halben Prozentpunkt auf das Rekordtief von 1,00 Prozent. Auch weitere US-Konjunkturdaten könnten im Handelsverlauf für Bewegung sorgen.

Bankaktien zählten vor diesem Hintergrund zu den größten Gewinnern an den europäischen Aktienmärkten. So sprangen Papiere der ING Groep um 10,44 Prozent auf 4,981 Euro an, und Titel der UBS rückten um 7,62 Prozent auf 12,01 Franken vor. In London stiegen Barclays-Aktien um 7,90 Prozent auf 169,375 Pence. Händlern zufolge stützten Hoffnungen, dass sich angesichts des Treffens der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrieländer in London die wirtschaftliche Talfahrt abschwächen könnte. Auch hätten die Finanzwerte von einem Interview mit Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann in der "Financial Times" profitiert. Demnach sei der Monat März für den deutschen Branchenprimus gut gelaufen und es bestehe kein zusätzlicher Kapitalbedarf.

Titel der Swiss Re verteuerten sich derweil um 7,12 Prozent auf 20,76 Franken. Der Rückversicherer will weltweit jeden zehnten Arbeitsplatz streichen.

Europaweit gefragt waren auch Autowerte. So stiegen Renault um 10,63 Prozent auf 18,575 Euro, für PSA Peugeot Citroen ging es um 10,31 Prozent auf 16,590 Euro nach oben. Die Automobil-Absatzzahlen in den USA seien zum Teil nicht so stark eingebrochen wie befürchtet, meinten Börsianer.

In London standen Minenwerte weit oben auf der Einkaufsliste der Anleger. Sie profitierten Händlern zufolge von steigenden Kupferpreisen, die in der Hoffnung auf die wirtschaftliche Erholung angezogen hätten. Aktien von Kazakhyms und Vedanta stiegen zweistellig.

Daneben zählten Titel von ArcelorMittal mit einem Plus von 8,37 Prozent auf 17,35 Euro zu den Favoriten. Der weltgrößte Stahlkonzern hat seine bis 2012 laufende Kreditlinie um 1,2 Milliarden auf nun 6,0 Milliarden Euro ausgeweitet.

Aktien von Lafarge aber sackten um 5,64 Prozent auf 30,11 Euro ab und waren damit der einzige Verlierer im CAC-40-Index. Angesichts der geplanten Kapitalerhöhung haben mehrere Analysten die Kursziele für die Titel des französischen Zement-Herstellers gesenkt. Die Verschuldung von Lafarge sei immer noch hoch, kommentierte etwa Analyst Eric Schneider von der UBS. In einer aktuellen Studie reduzierte er sein Ziel von 39,00 auf 35,00 Euro und beließ seine Einschätzung auf "Neutral".

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