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Marktreaktionen Deutsche Bank und Commerzbank im Plus – trotz kritischer Analystenstimmen

Die Aktienkurse der größten deutschen Privatbanken gewinnen nach der Nachricht über Fusionsverhandlungen deutlich. Auch das DWS-Papier reagiert.
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„Weder Deutsche Bank noch Commerzbank haben ein nachhaltig erfolgreiches Geschäftsmodell“

DüsseldorfDie Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank führen am Montag die Liste der von Analysten am meisten besprochenen Papiere an der Frankfurter Börse an. Kein Wunder, denn am Wochenende wurde bekannt, dass die Bankchefs einen Zusammenschluss erwägen.

An den Märkten kam diese Nachricht gut an. Der Dax eröffnete höher, die Papiere von den beiden Banken gewannen deutlich an Wert. Der Kurs der Deutschen Bank legte um 4,8 Prozent zu. Die Papiere der Commerzbank gewannen sogar mehr als sieben Prozent.

Doch ob die Fusionsgespräche tatsächlich ein gutes Zeichen sind, ist unter Finanzexperten umstritten. JP-Morgan-Analyst Kian Abouhossein schreibt, die Commerzbank sei für jede am attraktiven deutschen Markt interessierte Bank eine gute Wahl. Er rechnet im Erfolgsfall mit einem Bewertungsaufschlag für die Commerzbank-Papiere und lobte ihr Chancen-Risiko-Profil.

„Eine Fusion käme einer Not-Operation gleich“, sagte hingegen Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Sie diene dem politischen Kalkül, die Sorgen vor einer möglichen Insolvenz der Deutschen Bank auszuräumen. Auch Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com, äußerte sich kritisch. „Es besteht die Gefahr, dass man eine größere, aber genauso schwache Bank kreiert.“

Gerüchte über möglichen Verkauf der DWS

Zeitgleich schnellten die Papiere der DWS nach der Nachricht über die Fusionsgespräche in die Höhe. Sie gewannen zeitweise mehr als 14 Prozent – ein Rekordkurssprung. Der Grund: Es wird darauf spekuliert, dass die Deutsche Bank die DWS an eine andere Fondsgesellschaft verkaufen könnte, um an Geld für eine Übernahme der Commerzbank zu kommen.

Zuletzt hatte es geheißen, die Allianz habe ein Auge auf die DWS geworfen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete jedoch mit Berufung auf zwei mit der Situation vertraute Personen, dass dies für die Münchener aktuell kein Thema sei.

Wenn die Deutsche Bank und Commerzbank fusionierten, würde daraus die viertgrößte europäische Bank (gemessen an ihren Assets) entstehen. Dass die Transaktion tatsächlich zustande kommt, ist aber in keiner Weise klar. So wehrten sich beispielsweise die Gewerkschaften. Verdi-Chef Frank Bsirske warnte am Montag abermals vor dem Verlust zehntausender Arbeitsplätze.

Neue Bedrohung für die Finanzwelt?

Zudem kann sich der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, vorstellen, dass durch eine fusionierte Mega-Bank eine neue Bedrohung für die Finanzwelt entsteht.

Auch Großaktionäre der Deutschen Bank stehen einer Fusion mit dem kleineren Frankfurter Konkurrenten skeptisch gegenüber. Allerdings würden sie sich womöglich nicht komplett verweigern, sollten die Fusionsgespräche, die nach Informationen von Insidern mehrere Wochen in Anspruch nehmen dürften, am Ende erfolgreich sein.

„Wir sind nicht in Fundamental-Opposition, haben aber erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit und am Timing und wollen überzeugt werden“, sagte eine Person aus dem Umfeld eines großen Anteilseigners. Von einem anderen Aktionär hieß es dagegen: „Es gibt keinen offensichtlichen Grund, warum diese beiden Banken fusionieren wollten. Das passt strategisch einfach nicht.“ Die Fusionsverhandlungen sind auch Thema bei den separaten Sitzungen der Aufsichtsräte beider Geldhäuser am Donnerstag.

Die Frage einer solchen Fusion ist unter anderem von politischer Relevanz, weil die Bundesregierung einen Staatsanteil an der Commerzbank von 15,6 Prozent verwaltet. Was mit einem künftigen Bundesanteil an einem fusionierten Institut geschehe, müsste auch mit dem Bundestag als Haushaltsgesetzgeber besprochen werden.

Denn das Bundesfinanzministerium ist nach Angaben eines Sprechers aktuell nicht an den Gesprächen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank über eine mögliche Fusion beteiligt. Es seien Gespräche zwischen zwei privatwirtschaftlichen Unternehmen, man nehme sie zur Kenntnis, man begleite sie aber nicht, sagte Ministeriumssprecher Steffen Hebestreit am Montag in Berlin. Nach Beendigung der Gespräche und einem Ergebnis sei möglicherweise eine Reaktion der Bundesregierung zu erwarten. Regierungssprecher Steffen Seibert fügte hinzu, die Bundesregierung werde die Gespräche „aufmerksam beobachten“.

Auf die Frage, ob eine fusionierte Großbank bei einer Schieflage möglicherweise wieder die Steuerzahler belaste, sagte Hebestreit, seit 2008 seien europaweit große Anstrengungen unternommen worden, dass in so einem Fall die Steuerzahler nicht mehr belastet würden.

Hier die wichtigsten Kennzahlen der beiden größten deutschen Privatbanken:

Deutsche Bank

Mitarbeiter: 91.700 (Vollzeitstellen), davon 41.700 in Deutschland
Kunden: 20 Millionen in Deutschland
Filialen in Deutschland: rund 1400
Bilanzsumme: 1,35 Billionen Euro
Nettogewinn 2018: 341 Millionen Euro
Eigenkapitalrendite (RoTE): 0,5 Prozent
Börsenwert: 16,1 Milliarden Euro

Commerzbank

Mitarbeiter: rund 49.000 (inklusive Teilzeitkräfte)
Kunden: 18 Millionen, davon 13 Millionen in Deutschland
Filialen in Deutschland: rund 1000
Bilanzsumme: 462 Milliarden Euro
Nettogewinn 2018: 865 Millionen Euro
Eigenkapitalrendite (RoTE): 3,4 Prozent
Börsenwert: 8,9 Milliarden Euro

Mit Material von Reuters, Bloomberg und dpa.

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