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Marktreaktionen Italien kann sich ohne Salvini günstiger verschulden

Der italienische Aktienmarkt zieht nach dem Ende der Regierung an, der Risikoaufschlag für Staatsanleihen sinkt. Doch Analysten warnen.
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Der italienische Innenminister hatte mit seiner Lega-Partei dem Staatspräsidenten Giuseppe Conte die Unterstützung entzogen. Quelle: AP
Matteo Salvini

Der italienische Innenminister hatte mit seiner Lega-Partei dem Staatspräsidenten Giuseppe Conte die Unterstützung entzogen.

(Foto: AP)

Düsseldorf Das Ende der Populistenregierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega in Italien sorgt an den Finanzmärkten für eine kuriose Situation: An diesem Mittwoch lag der Risikoaufschlag im für italienische Staatsanleihen im Vergleich zu den als praktisch ausfallsicher geltenden deutschen Bundesanleihen niedriger als zu Beginn der Regierung im vergangenen Jahr. Damit kann sich das Land ohne funktionierende Regierung günstiger Kredite verschaffen als zuvor.

Am Tag nach dem Ende der Regierungskoalition in Rom betrug der Abstand der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe zur Bundesanleihe 200 Punkte. Im vergangenen Juni, als das damalige Bündnis an die Arbeit ging, waren es noch fast 300 Punkte, zeigen Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg.

Der parteilose Staatspräsident Giuseppe Conte reichte am Dienstag seinen Rücktritt ein und erklärte die Regierung aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechten Lega für beendet. Die Lega um Innenminister Matteo Salvini hatte Conte zuvor ihre Unterstützung entzogen.

Conte erklärte daraufhin am Dienstag seinen Rücktritt und rechnete gleichzeitig mit Vizepremier Salvini ab. Dieser habe in einer schwierigen ökonomischen Situation nur seine Interessen im Blick, halte sich nicht an Regeln und zeige Unwissen über politische Abläufe.

Seitdem ist die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihe gesunken. Das bedeutet: Die Nachfrage der Investoren war so hoch, dass die Kurse der festverzinslichen Papiere stiegen – und im Umkehrschluss deren Renditen sanken. Vor Contes Ankündigung warfen die Anleihen noch eine Rendite von 1,441 Prozent ab, zuletzt waren es nur noch 1,342 Prozent. Das liegt nahe dem Allzeittief von 1,328 Prozent, das die Anleihe am vergangenen Mittwoch erreicht hatte.

Im Gegenzug zu den sinkenden Anleiherenditen zogen die Aktienkurse seit dem faktischen Ende der Regierung an. Der italienische Leitindex FTSE MIB markierte unmittelbar vor Contes Rücktrittsankündigung ein Wochentief von 20.462 Punkten. Seitdem ging es mehr als 300 Zähler aufwärts auf bis zu 20.834 Punkte, am Mittwochmittag liegt der FTSE MIB 1,7 Prozent im Plus.

Aussicht auf europafreundliche Regierung

Ähnlich sieht es beim Index der italienischen Banken aus, dem FTSE Italia All-Share Banks, der seit Contes Pressekonferenz mehr als zwei Prozent zulegte – ebenso wie die Unicredit und die Intesa Sanpaolo. Monte dei Paschi legte seit Contes Ankündigung sogar bis 2,9 Prozent zu.

„Wahrscheinlich ist die Aussicht auf eine zeitnahe und europafreundliche Regierungsbildung der Grund für die deutlich nachgebenden Renditen italienischer Staatanleihen“, schreibt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Italiens Präsident nimmt Rücktrittsgesuch von Conte an

Die Analysten der BayernLB kommentieren die Marktbewegungen ähnlich: „Der Rücktritt Contes und seine kämpferische Rede gegen Salvini wurden als Hoffnung gewertet, dass es zu einer neuen Regierung zwischen den Fünf-Sternen und der Demokratischen Partei (PD) kommen könnte.“

An diesem Mittwoch beginnt Italiens Präsident Sergio Mattarella Gespräche mit Vertretern der Parlamentsparteien, um Wege aus der Regierungskrise zu suchen. Dabei geht es um die Frage, ob im Parlament eine Regierungsmehrheit gebildet werden kann. Am wahrscheinlichsten wäre eine Koalition zwischen Fünf-Sterne-Bewegung und PD.

Gelingt dies nicht, wären vorgezogene Neuwahlen nötig. Mattarella könnte die Parlamentskammern auflösen, 60 Tage später könnten die Bürger an die Urnen gerufen werden – so viel Zeit ist nötig, um sie zu organisieren.

Neuwahlen könnten allerdings das Vertrauen an den Märkten in Italien erschüttern. Die Lega um Matteo Salvini liegt in Umfragen deutlich vorne.

Deshalb sehen Analysten keinen Grund für eine nachhaltige Entspannung. „Die politische Krise in Italien dürfte den Euro kurzfristig unter Druck halten, aber auch die Aktienmärkte belasten“, prognostizierte Marktexperte Milan Cutkovic vom Handelshaus Axitrader. „Denn eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht.“

Einige Investoren fürchten, dass Salvini im Falle eines Machtgewinns die Ausgaben des hochverschuldeten Landes nach oben fahren könnte und das Land erneut auf Kollisionskurs im Haushaltsstreit mit der EU bringen könnte. Marktstratege Thomas Altmann vom Handelshaus QC Partners warnt: „Italien sollte jetzt nicht mit dem Feuer spielen und vor allem das ohnehin angekratzte Vertrauen der Anleger nicht verspielen.“

Mit Agenturmaterial.

Mehr: Mit dem Rücktritt von Italiens Ministerpräsident Conte ist die Populistenregierung in Rom gescheitert – verlässlicher wird das Land damit aber noch nicht, kommentiert Handelsblatt-Redakteurin Regina Krieger.

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