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Marktreaktionen So nehmen die Märkte den gescheiterten Brexit-Deal auf

Die Niederlage Theresa Mays hatten Anleger bereits erwartet. Die Märkte bleiben gelassen, Schwankungen gibt es wenige. Das Pfund allerdings reagierte überraschend.
Update: 16.01.2019 - 08:39 Uhr Kommentieren

„Die Märkte unterschätzen das Risiko eines harten Brexit“

DüsseldorfDie Reaktionen der Medien auf den Brexit-Deal sind eindeutig: Dass die britische Premierministerin Theresa May mit ihrem mit der EU ausgehandelten Deal scheitern würde, überraschte kaum, die Höhe ihrer Niederlage im britischen Parlament dagegen schon.

Die Märkte aber lässt der abgeschmetterte Deal bisher kalt. „Es hat den Anschein, als seien Händler und Investoren gut vorbereitet gewesen“, sagte Chefstratege Michael McCarthy vom Broker CMC Markets.

Der Dax notierte zuletzt auf vorbörslichen Handelsplattformen sogar leicht höher als am Vortag. Der britische Leitindex FTSE 100 wurde kaum verändert taxiert. Die Bewegungen an den Finanzmärkten hielten sich in Grenzen, da Händler mit diesem Ergebnis bereits gerechnet hatten.

Pfund schnellte überraschend in die Höhe

Eine ungewöhnliche Entwicklung gab es gestern beim britischen Pfund, das kurz nach dem Brexit-Votum anstieg. Es schnellte das Pfund um einen US-Cent auf 1,28 Dollar nach oben. Das ist überraschend, denn die Entscheidung hätte die Währung eigentlich unter Druck setzen müssen. Denn sie sorgt für noch mehr Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Zukunft Großbritanniens.

Doch der Devisenmarkt sei sehr schlecht darin, politische Risiken einzupreisen, erklären Devisen-Experten der Commerzbank. Ein anderes Beispiel hierfür: „Nach der US-Präsidentschaftswahl 2016 wertete der Dollar zunächst deutlich auf – als ob diesem US-Präsidenten irgendetwas Dollar positives zuzutrauen wäre“, schreiben sie in ihrer Analyse.

Es dauerte damals Monate, bis der Markt diese Fehleinschätzung korrigiert hatte. Und es dauerte zumindest Stunden, bis nach dem Brexit-Referendum 2016 das Pfund unter Druck geriet. In diesem Sinn ist die gestrige Marktbewegung nach Meinung der Commerzbank-Analysten eine Chance für all diejenigen, die angesichts der Risiken eines „No Deals“ die britische Währung verkaufen wollen. „Das zeigt, wie unsicher der Austrittsprozess bleibt und wie wenig mit der gestrigen Entscheidung erreicht worden ist“, sagte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda.

Börsen in den USA und Asien zeigen sich unbeeindruckt

An der Wall Street hatten die großen Börsenindizes am Vorabend mit Gewinnen geschlossen. Der Goldpreis als ein Indikator für die Risikoscheu von Anlegern legt zwar leicht zu, US-Staatsanleihen gaben dagegen etwas nach.

Die Tokioter Börse hat am Mittwoch zwar nachgegeben. Händler verweisen aber hauptsächlich auf Gewinnmitnahmen als Grund, nachdem am Tag zuvor noch die Hoffnung auf Konjunkturhilfen in China den Kursen Auftrieb verliehen hatte. Das „Nein“ im britischen Parlament führte aber zu keinen direkten Reaktionen. Anleger blieben eher vorsichtig in Deckung, um die weitere Entwicklung abzuwarten.

Der gescheiterte Deal erhöht die Unsicherheit

Analysten fragen sich nun vor allem, wie es weitergeht. „Die Frage ist: Was passiert in Bezug auf Artikel 50?“, sagt Michael Hewson, Anlagestratege bei Cmc Markets. In Artikel 50 ist das Austrittsverfahren aus der EU geregelt. Formal hat die britische Regierung nun drei Tage Zeit, um sich einen alternativen Deal einfallen zu lassen. „Werden die Abgeordneten den Brexit verschieben oder den Antrag zurückziehen? Schließlich erzählen sie uns ständig, dass sie ein 'No-Deal'-Szenario nicht wollen“, sagt Hewson.

„Es ist wahrscheinlich, dass die Regierung eine Verlängerung des Artikel 50 beantragt“, glaubt Nigel Green, Chef von Devere. „Je länger der Brexit-Prozess dauert, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines 'No Deal' und desto größer die Chance eines zweiten Referendums oder eines sanften Brexit.“ Dies würde die Finanzmärkte freuen und sowohl dem Pfund als auch britischen Wertpapieren Auftrieb geben, meint Green.

„Das ist die deutlichste Abstimmungsniederlage, die eine britische Regierung in den vergangenen Jahrzehnten erlitten hat“, sagt Pieter Jansen, Seniorstratege Multi Asset bei NN Investment Partners. Auch wenn die Abstimmungsniederlage nicht unterwartet komme, erhöhe sie die Unsicherheit an den Märkten. „Von nun an hat das Parlament eine größere Kontrolle über den Brexit-Prozess“, sagt Jansen. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass der vereinbarte Deal nur auf wenig Unterstützung stoßen werde. Sowohl Brexit-Hardliner als auch EU-Anhänger haben gegen den Deal gestimmt. Deshalb könne er sich nur schwer vorstellen, wie die Regierung mit einer Alternative aufwarten soll, die sich deutlich vom aktuellen Deal unterscheide und ernsthafte Erfolgsaussichten im Parlament hätte.

Thomas Altmann, Portfolio-Manager bei QC Partners, erwartet im Falle eines 'No-Deals' Verluste. „An der Börse glaubt die Mehrheit weiterhin an eine Lösung im Brexit-Chaos – auch wenn im Moment niemand weiß, wie diese Lösung am Ende aussehen soll“, sagt er. „Die Anleger gehen fest davon aus, dass die EU weitere Zugeständnisse machen wird, um einen harten Brexit zu verhindern.“

Schlechte Nachricht für deutsche Unternehmen

Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, rechnet nun damit, „dass man den Ausstieg um mindestens drei Monate verschieben wird“, wie er beim Neujahrsempfang der Deutschen Bank am Dienstagabend in Berlin sagte. „Denn auch die übrige EU würde bei einem harten Brexit einen halben Prozentpunkt ihrer Wirtschaftsleistung verlieren – zu groß wären die Verwerfungen für den Handel, die Finanzierungsbedingungen und das Vertrauen der Investoren.“

Die wichtigsten deutschen Wirtschaftsverbände sehen derweil die Ablehnung des Brexit-Abkommens durch das britische Parlament als schlechte Nachricht für die Unternehmen hierzulande. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte vor dramatischen Folgen. „Unternehmen diesseits und jenseits des Ärmelkanals hängen weiter in der Luft. Ein chaotischer Brexit rückt in gefährliche Nähe“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang am Dienstagabend in Berlin. Es drohe eine Rezession in der britischen Wirtschaft, die auch an Deutschland nicht unbemerkt vorüberziehen würde. Jede Unklarheit gefährde Zehntausende von Unternehmen und Hunderttausende von Arbeitsplätzen in Deutschland und vor allem in Großbritannien.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag betonte, die Unternehmen müssten sich jetzt verstärkt vorbereiten. „Ohne Abkommen droht der Brexit völlig ungeregelt abzulaufen“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am Dienstagabend in Berlin. Für die deutsche Wirtschaft stehe viel auf dem Spiel.

Großbritannien sei Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner, das Handelsvolumen betrage 122 Milliarden Euro. Eine mögliche Verschiebung des EU-Austritts von Großbritannien um einige Wochen würde die Unklarheit wohl nur aufschieben, meinte Schweitzer.

Mit Material von dpa und Reuters.

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