Maximilian Kunkel UBS-Chefstratege sieht Ende des Aufschwungs an den Börsen

Der Aufschwung an den weltweiten Börsen geht ins zehnte Jahr. UBS-Chefanlagestratege Kunkel erklärt die Gefahren und die beste Risiko-Strategie.
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UBS: Digitale Assistenten für die Vermögensverwaltung im Test Quelle: Reuters
UBS

Die Schweizer Großbank hat ihren Hauptsitz in Zürich.

(Foto: Reuters)

FrankfurtMaximilian Kunkel muss seinen Kunden in diesen Tagen viel erklären. Der 36-jährige Chefanlagestratege für Deutschland bei UBS Global Wealth Management warnt vor höheren Risiken an den Märkten.

Herr Kunkel, wie lange kann der Aufschwung an den Börsen, der bald ins zehnte Jahr geht, noch dauern?

Auf den Monat genau lässt sich das nicht festlegen. Aber wir befinden uns sicherlich im letzten Viertel des Aufschwungs an den Märkten weltweit. Die Ersten, die einen Abschwung spüren werden, sind die Anleger in Hochzinsanleihen. Auslöser könnte etwa eine Zuspitzung des Handelsstreits zwischen USA und China sein oder eine Überhitzung des Arbeitsmarktes, die wir derzeit allerdings nicht erkennen.

Was sollten Anleger tun, um sich gegen Kurseinbrüche an den Märkten abzusichern?

Wir würden andere Vermögensklassen stärker berücksichtigen wie außerbörsliche Hedgefonds. Im vergangenen Jahr haben sie zwar enttäuscht bei der Performance. Da konnten Anleger beispielsweise mit Aktien höhere Erträge erzielen. Doch die Risiken hatten die Spezialfonds im Griff. Und gerade Risiken zu managen ist die Herausforderung der nächsten Zeit. Gleichzeitig steigen die Kursschwankungen, und die Korrelation unter den Aktien befindet sich auf einem Zehn-Jahres-Tief. Beste Voraussetzungen für Hedgefonds, um ein gutes Ergebnis hinzulegen.

Gilt für Investoren künftig die Regel, sich vor allem auf ihren Heimatmarkt zu konzentrieren?

Genau das wäre falsch. Lange wurde zwar davon geredet, aber eine breite Diversifikation bei der Anlage ist in unsicheren Zeiten nötig und wichtig. Die Länderrisiken müssen gestreut werden. Schauen Sie sich die Mini-Krisen in Staaten wie Argentinien, Brasilien, Italien an und die schwache Kursentwicklung in stabilen Ländern wie der Schweiz.

Können Derivate mehr Sicherheit bringen?

Angesichts der Unsicherheiten ist es nicht verkehrt, das eigene Portfolio abzusichern. Das geht beispielsweise über Verkaufsoptionen, die Erlöse bringen, wenn die Kurse fallen, oder über eine systematische Absicherung oder aber über quantitative Ansätze. Das alles geht zwar auf Kosten der Erträge. Aber Investoren können so mit einem Sicherheitsnetz von erhofften Kursanstiegen etwa bei Aktien profitieren.

Sollten Anleger nicht generell die Finger von Aktien lassen?

Nein, gerade am Anfang und am Ende eines Aktienzyklus, das heißt maximal achtzehn bis sechs Monate vor einer Rezession, gibt es erfahrungsgemäß massive Kursanstiege.

So weit sind wir die nächsten zwei bis drei Jahre aber wohl noch nicht. Dafür ist die Vorsicht der Investoren zu groß. Wir würden deshalb sogar die Aktienquote erhöhen. Ohnehin ist die Bewertung von Aktien mit dem 16-Fachen des Jahresgewinns weltweit nicht wirklich teuer. Zudem liegt global das Gewinnwachstum im laufenden Jahr mit rund 15 Prozent sehr hoch. Normal ist ein einstelliger Zuwachs.

… und Anleihen?

Hochzinsanleihen würden wir meiden und gerade in den Vereinigten Staaten und den Schwellenländern auf qualitativ höherwertige Bonds mit längeren Laufzeiten umschichten. Auch das ist ein kosteneffizienter Schutz vor Risiken wie einem Handelskrieg oder einer Wachstumsdelle. Gerade zehnjährige US-Staatsanleihen bieten eine attraktive Rendite. In Europa befinden wir uns beispielsweise mit Blick auf den Kreditzyklus vier Jahre hinter der Lage in den USA. Deswegen fällt der Zinsabstand von kurzfristigen Bonds zu langfristigen auch deutlich größer aus. In Euro würden wir Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren bevorzugen.

Vom Anlegen von Barreserven halten Sie nicht viel?

Cash ist im Vergleich der Anlageklassen nicht wettbewerbsfähig. Das gilt sowohl für den Euro als auch für den Dollar, das Pfund und den Schweizer Franken. Nach Abzug der Inflation verlieren Investoren Geld damit. Deswegen fühlen wir uns mit Anleihen viel wohler.

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