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M&A So begehrt ist der Mittelstand bei Finanzinvestoren und reichen Familien

Übernahmen von deutschen Mittelständlern haben 2018 einen Höchststand erreicht. Reiche Familien treten zunehmend gegen Finanzinvestoren an.
Update: 29.01.2019 - 17:33 Uhr Kommentieren

FrankfurtEs ist ein Rekord: Rund 4,8 Milliarden Euro gaben Beteiligungsfonds im vergangenen Jahr für die Übernahme von 47 deutschen Mittelständlern aus – die höchste Summe, seitdem die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) im Jahr 2002 solche Deals im Wert von 50 Millionen bis 250 Millionen Euro erstmals erhoben hat. Vor allem für Nachfolgeregelungen holten deutsche Familienunternehmen seit dem Jahr 2016 zunehmend Private-Equity-Häuser zu Hilfe.

Es ist die lange erhoffte Trendwende. Seit Jahrzehnten wetteten vor allem internationale Beteiligungsfonds auf eine große Übernahmewelle im deutschen Mittelstand. Doch Jahr für Jahr weigerten sich die meisten der umworbenen Unternehmen beharrlich zu verkaufen. Der große Dealschub, er blieb aus.

Bis vor Kurzem zumindest. Eine wachsende Zahl von Unternehmern hege keine „dynastischen Beweggründe mehr“ und sei offen für Finanzinvestoren, sagt Torsten Grede, Vorstandssprecher der DBAG, die zusammen mit Equistone zu den aktivsten Investoren im deutschen Mittelstand zählt.

Hohe Bewertungen treiben die Verkäufe

In den vergangenen drei Jahren habe es Anzeichen dafür gegeben, dass Mittelständler ihre Geschäfte über Zukäufe von Firmen oder die geografische Expansion ausweiten wollten, erläutert Jeff Perkins, Managing Director der Investmentbank Harris Williams in Frankfurt. Außerdem befeuerten Finanzinvestoren das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) und trieben damit die Preise.

Ein Grund für die wachsende Bereitschaft der Eigentümer, ihre Firmen zu verkaufen, seien die hohen Bewertungen, sagt Perkins. Zuletzt seien die Preise vor gut zehn Jahren ähnlich hoch gewesen wie jetzt. Beim Finanzinvestor Carlyle geht man jedoch davon aus, dass der Trend zu immer höheren Bewertungen gestoppt ist. „Die Preise für gute Unternehmen haben sich auf hohem Niveau stabilisiert“, sagt Managing Director Thorsten Dippel. Abhängig vom Wachstum und dem Geschäftsmodell wurden die Unternehmen laut DBAG 2018 über alle Branchen hinweg mit dem 7,5-fachen operativen Ergebnis (Ebitda) bewertet – nach dem 8,5-fachen im Vorjahr. Carlyle ist in dieser Woche beim Bonner Softwareunternehmen SERgroup Holding eingestiegen.

Familien investieren

Besonders aktive Private-Equity-Häuser waren 2018 neben der DBAG noch Bregal, Paragon und Waterland. Zu den Firmen, bei denen Finanzinvestoren eingestiegen sind, zählten unter anderem Arosa Flusskreuzfahrten, BFC Fahrzeugteile, der Pflegedienst-Softwareanbieter Medifox und der Maschinenbauer Robert Bürkle. Private-Equity-Gesellschaften sammeln Eigenkapital über institutionelle Investoren wie etwa Pensionskassen, Versorgungswerke und Versicherungen ein.

M&A News: Aktuelles zu Fusionen und Übernahmen von Unternehmen Quelle: picture alliance / moodboard
Beschlossene Fusion

Immer mehr Unternehmer haben keine „dynastischen Beweggründe“ mehr und öffnen sich für Finanzinvestoren.

(Foto: picture alliance / moodboard)

Mit dem Geld kaufen sie Unternehmen, die sie über Zukäufe oder eine Restrukturierung wachsen lassen, nicht selten flankiert mit einer höheren Verschuldung der übernommenen Gesellschaften. Nach drei bis sieben Jahren wird die Firma weiterverkauft oder an die Börse gebracht. Seit Jahren wächst das Kapital in den Beteiligungsfonds schneller als die Investments, sodass sich ein milliardenschwerer Kapitalüberhang aufgebaut hat.

Laut DBAG-Chef Grede nimmt der Wettbewerb zwischen Beteiligungsunternehmen und Family Offices, die die Vermögen reicher Familien managen, stetig zu. Vier von fünf Private-Equity-Managern stimmten heute der These zu, dass ihnen Family Offices das Leben schwerer machten. Mittlerweile treffen 39 Prozent der Private-Equity-Profis in Auktionen um lukrative Mittelständler auf die Geldmanager reicher Familien.

Hohe Renditen erwartet

„Die Niedrigzinsphase lockt die Family Offices an“, sagt Grede. Mehrheitlich rechnen die reichen Familien mit Renditen zwischen zehn und 20 Prozent – angesichts der mageren Zinsen bei Anleihen sind diese Aussichten verlockend. Was die Sache unübersichtlich macht, ist die Tatsache, dass die Familien auch als Geldgeber für Private-Equity-Fonds auftreten. Damit sind sie zugleich Partner und Konkurrenten, eine paradoxe Situation.

Mehr als die Hälfte der Finanzinvestoren glaubt, dass sie bei der Schnelligkeit der Umsetzung von Transaktionen gegenüber den Familien überlegen sind. Aber nur 37 Prozent gehen davon aus, dass sie höhere Preise zahlen können als die Family Offices. Die Familien würden jedenfalls sichtbarer im Markt, rund 25 Family Offices seien mittlerweile im deutschen Markt „voll konkurrenzfähig“ mit den Beteiligungsfonds, meint DBAG-Chef Grede.

Bei Nachfolgeregelungen werben die Family Offices damit, dass sie sich mit der DNA der Mittelständler besser auskennen als die Finanzinvestoren. Früher wurde über Nachfolge im Mittelstand mehr geschrieben als tatsächlich passierte, aber mittlerweile nimmt der Zug offenbar Fahrt auf. Das Thema sei kein plötzlicher Boom, sondern ein kontinuierlicher Prozess, meint Carlyle-Manager Dippel. „Schon seit Jahren ist die Suche nach Nachfolgern einer der Gründe für Verkäufe im Mittelstand. Wir gehen davon aus, dass das auch künftig einer der wichtigsten Treiber sein wird.“

Für das laufende Quartal rechnet M&A-Manager Perkins von Harris Williams – auch wegen des Brexits – mit einer abwartenden Haltung der Marktteilnehmer. Danach werde man auf den Wachstumspfad zurückkehren, der aber flacher als bisher verlaufen dürfte.

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