Nach dem Börsen-Beben China stemmt sich gegen Kapitalabflüsse

Nach dem Börsen-Crash der vergangenen Tage fließen gewaltige Summen aus China ab. Nun will die Zentralregierung aus Peking gegensteuern.
Die chinesische Mauer ist weltberühmt. Ihre Kapitalmärkte wollen die chinesischen Behörden durch virtuelle Mauern beschützen. Quelle: Reuters
Mauern für Finanzmärkte

Die chinesische Mauer ist weltberühmt. Ihre Kapitalmärkte wollen die chinesischen Behörden durch virtuelle Mauern beschützen.

(Foto: Reuters)

PekingNach dem Börsencrash in China zu Jahresbeginn will die Notenbank die abkühlende Konjunktur stützen und für mehr Stabilität sorgen. Sie werde über zusätzliche Kreditprogramme Schlüsselbereichen der Wirtschaft unter die Arme greifen, erklärte die Zentralbank PBOC am Freitag. Zugleich werde sie das Zinssystem weiter liberalisieren und ihre geldpolitischen Instrumente flexibel handhaben, um das Bankensystem mit angemessener Liquidität zu versorgen. Zudem versicherte die Zentralbank, die Landeswährung Yuan grundsätzlich stabil zu halten. Ferner werde sie weiterhin daran arbeiten, die Devisen stärker international zu verankern. Der Yuan ist nicht frei handelbar, sondern darf einen täglich festgesetzten Referenzwert um maximal zwei Prozent über- oder unterschreiten.

Am Freitag hat China erstmals seit Tagen seine Währung nicht mehr weiter abgewertet und damit für steigende Aktienkurse in Fernost gesorgt. Geldhäuser – etwa in der Finanzmetropole Shenzhen – dürften im Januar nicht mehr Dollar an Kunden weiterreichen als im Dezember, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Ziel sei es, Panikverkäufe zu stoppen. Die Zentralbank in Peking hatte zuvor schon der Deutschen Bank und der britische Großbank Standard Chartered bestimmte Devisengeschäfte untersagt. Um weitere Kapitalabflüsse zu verhindern, seien unter anderem großvolumige Yuan-Handelsgeschäfte zwischen Schanghai und Hongkong verboten worden, berichteten Finanzmedien.

So reagieren die Märkte aufs China-Beben

SSE Composite Index

WKN
ISIN
CNM000000019
Börse
SE

+68,24 +2,50%
Chart von SSE Composite Index
Shanghai Composite Index
1 von 15

Der Aktiencrash des Sommers ist gerade einmal ein halbes Jahr her, nun kracht es wieder an der chinesischen Börse: Nach dem zweiten Kursrutsch in der ersten Januarwoche wurde der Wertpapierhandel am Donnerstag erneut für den Rest des Tages ausgesetzt – gerade einmal eine halbe Stunde nach der Börseneröffnung. Das war damit der kürzeste Handelstag der 25-jährigen Geschichte der chinesischen Börse. Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen waren zuvor um mehr als sieben Prozent gefallen.

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

+104,40 +0,85%
Chart von DAX ®
Dax
2 von 15

An den Märkten weltweit sorgte die chinesische Börsenschließung für ein Kursbeben, so auch im Dax. Der deutsche Leitindex verlor am Vormittag mehr als drei Prozent.

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
L&S

+1,30 +0,85%
+153,93€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
Auto-Aktien
3 von 15

Am härtesten traf es die Autowerte im Dax, allen voran Volkswagen. Kein Wunder, schließlich gehört China zu den wichtigsten Exportmärkten des ohnehin schon krisengebeutelten Konzerns. Die VW-Aktie sank um rund sechs Prozent ab und war damit eindeutig der Dax-Kellerwert des Tages. Für BMW ging es ebenfalls tief nach unten. Die Aktie rutschte um 4,5 Prozent. Auch die Daimler-Papiere büßten mehr als vier Prozent ein.

CAC 40

WKN
ISIN
FR0003500008
Börse
PAR

+42,58 +0,78%
Chart von CAC 40
CAC 40 Index
4 von 15

Den Dax trifft der China-Crash naturgemäß besonders hart, schließlich sind die darin gelisteten Unternehmen exportstark und auch die Automobilwerte machen einen nicht unwichtigen Teil des Index aus. Etwas leichter kommen die anderen europäischen Aktienmärkte davon. Der französische Leitindex CAC 40 verlor rund 2,7 Prozent.

FTSE 100 Index

WKN
ISIN
GB0001383545
Börse
n. a.

Chart von FTSE 100 Index
FTSE 100 Index
5 von 15

Noch weniger gelitten hat der britische FTSE 100 Index, von den Anlegern liebevoll auch „Footsie” genannt. Dieser verlor gerade einmal ein Prozent.

NIKKEI 225 INDEX

WKN
ISIN
JP9010C00002
Börse
TOKIO

+195,00 +0,82%
Chart von NIKKEI 225 INDEX
Nikkei
6 von 15

Für den japanischen Nikkei ging es dagegen prompt auf ein Dreimonatstief auf 17.767 Punkte. Zugleich verbuchte der Index die größte Neujahrspechsträhne seit 1995. Grund dafür ist der durch die China-Turbulenzen erstarkte Yen.

JPY/USD

WKN
ISIN
XC0009652428
Börse
XRATE

-0,00 -0,03%
+0,01€
Chart von JPY/USD
Yen
7 von 15

Die Anleger haben die japanische Währung als sicheren Hafen angesteuert. Diese gewann gegenüber dem US-Dollar.

China hat schon lange eine große Mauer aus Gesetzen und Vorschriften für die Finanzmärkte. Sie sollten Chinas Finanzsystem vor den Risiken und Angreifern im internationalen Geldsystem schützen. Das hat während der Krise 2008 gut funktioniert, und das Milliardenreich weitgehend vor den internationalen Verwerfungen geschützt.

Aber seit Peking die Landeswährung Renminbi, auch Yuan genannt, zum Globalwährung aufwerten will, lockert Peking die Vorgaben. Die Volksrepublik ist zum Handelsweltmeister aufgestiegen. Nun möchte sie auch in der Finanzwelt an Gewicht gewinnen. Deswegen hat die Zentralregierung Löcher in der Finanzmauer zugelassen – Kapitalverkehrskontrollen wurden gelockert.

Doch seitdem Chinas Börsen immer wieder in Turbulenzen geraten und die Realwirtschaft schwächelt, werden Investoren misstrauisch und ziehen ihr Geld ab. Nach Hochrechnungen des Bankenverbands Institute of International Finance (IIF) ist im vergangenen Jahr mit mehr als 500 Milliarden Dollar so viel Geld wie nie zuvor abgezogen worden. Das IFF stützt sich in den Berechnungen auf Handelsdaten, Bank-Transaktionen und Daten der Zentralbanken. Wegen der Zinswende in den USA gehen Experten davon aus, dass noch mehr Investoren ihr Geld abziehen könnten, weil US-Anlagen wieder attraktiver werden.
Jetzt steuert China gegen.

Um einer Abwertung des Renminbis gegenzusteuern, hatte die Notenbank zuletzt offenbar so stark wie noch nie interveniert. Im Dezember waren die Devisenreserven um 107,9 Milliarden Dollar gefallen. „Man mag China zwar unterstellen, dass die Währungsschwäche angesichts der konjunkturellen Situation gelegen kommt, aktiv herbeigeführt wird der Kursverfall aber ganz sicher nicht“, schrieb DZ-Bank-Analystin Dorothea Huttanus. Dass der Wert des Renminbis gegenüber dem US-Dollar trotz der Intervention gefallen sei, deute auf mächtige Marktkräfte hin, argumentierte Huttanus. Die Notenbank werde weiter einschreiten. „Nach einer Trendwende sieht es allerdings derzeit noch nicht aus.“

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