Nikkei, Topix & Co. Kursverluste an der Wall Street ziehen auch Asiens Börsen nach unten

Steigende Anleihenrenditen, IWF-Warnungen vor Risiken für die Finanzstabilität und Handelsspannungen belasten auch die Anleger in Fernost. Die asiatischen Aktienmärkte sacken kräftig ab.
Update: 11.10.2018 - 07:24 Uhr Kommentieren
Ein Passant blickt auf eine Anzeige der Tokyo Stock Exchange. Quelle: AFP
Tokio

Ein Passant blickt auf eine Anzeige der Tokyo Stock Exchange.

(Foto: AFP)

TokioDie Kursverluste an der Wall Street haben am Donnerstag die asiatischen Aktienmärkte nach unten gezogen. Einen einzelnen Anlass für den Ausverkauf gab es nach Einschätzung von Händlern nicht.

Vielmehr spiele ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren eine Rolle: Die Experten der ANZ nannten die steigenden Anleihenrenditen, die Warnungen des Internationalen Währungsfonds vor Risiken für die Finanzstabilität und den anhaltenden Handelsstreit zwischen den USA und China als Gründe für den Kursrutsch.

In China ging es am stärksten abwärts: Der Shanghai-Composite-Index fiel um 5,2 Prozent, während der Shenzhen-Component-Index um 6,07 Prozent verlor. In Hongkong gab der Hang-Seng-Index um 3,2 Prozent nach. Der Nikkei 225 in Tokio schloss um 3,89 Prozent niedriger.

Für Jesper Koll, dem Japan-Chef von WisdomTree Japan, kam das nicht unerwartet. „Japan ist immer der internationale Finanzmarkt plus Hebelwirkung“, sagt Koll. Und dies aus mehreren Gründen.

Einer ist für ihn, dass der ostasiatische Markt wegen seiner hohen Liquidität, niedrigen Zinsen und stabilen Wirtschaft und Politik eine „Spielwiese der Makro-Hedgefonds“ sei. Hier kann man hohe Gewinne einspielen, hier gibt es billig Geld, das sich anderswo investieren lässt.

Ein stärker Yen senkt tendenziell die Gewinne der Japan AG

Der Yen steigt daher oft rasch an, wenn es irgendwo auf der Welt Unruhe gibt, so auch am Donnerstag. Dies drückt wiederum die Kurse in Japan noch stärker ins Minus als anderswo. Denn ein stärker Yen senkt tendenziell die Gewinne der Japan AG, die in Kolls Rechnung zu 65 Prozent von Exporten und den Geschäften im Ausland abhängen.

Besonders groß ist die Unruhe, weil sowohl die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed als auch der Handelskonflikt die beiden Hauptmärkte Japans zu bremsen droht: USA und China.

Doch Koll ist bisher noch gelassen. „Dies war eine notwendige Korrektur“, meint er. „Das Abnormale war bisher die Ruhe im Markt.“ Immer höher stiegen die Kurse weltweit. In Japan liegen sie jetzt auf dem höchsten Niveau seit 1991, der Zeit nach dem Platzen einer riesigen Immobilien- und Aktienblase. Selbst nach dem Fall lag der Kurs noch immer auf dem Niveau von Anfang September, bevor der Markt eine erneute Minirally begann.

Die Nervosität steigt zwar, gerade weil die Lage in den USA sowie Trumps Politik so schwer vorzusagen sind. „Aber ich erwarte nicht, dass die Börsen 20 bis 25 Prozent fallen werden“, so Koll. Denn die Firmengewinne in der Welt seien bisher noch stabil.

In den USA hatten am Mittwoch alle drei Indizes mehr als drei Prozent im Minus geschlossen. Sie reagierten damit insbesondere auf die höheren Renditen am Anleihenmarkt, welche festverzinsliche Papiere im Vergleich zu Aktien attraktiver machten. US-Präsident Donald Trump sprach von einer Kurskorrektur und kritisierte zugleich die US-Notenbank Fed: „Ich denke, die Fed ist verrückt geworden“, sagte er.

Für Verunsicherung sorgte auch die Abwertung der chinesischen Währung Yuan. Die chinesische Notenbank hat die Landeswährung die psychologisch wichtige Barriere von 6,9 durchbrechen lassen, der Dollar stieg daraufhin bis auf 6,9380 Yuan.

Das hat auch andere Schwellenländer-Währungen abwerten lassen und den Zorn der USA auf sich gezogen, die unfaire Handelsvorteile vermuten. Mit der Abwertung der Währung reagiere die Regierung in Peking auch auf die US-Strafzölle, sagte Alan Ruskin, Stratege bei der Deutschen Bank.

Im Gegenzug legte der Yen zu, ein Dollar kostete 112,06 Yen. Der Euro stieg ebenfalls auf 1,1559 Dollar. Viele Investoren suchten Zuflucht in Ländern mit Überschüssen in der Leistungsbilanz. Der Schweizer Franken wurde mit 0,9861 Franken je Dollar und 1,1399 Franken je Euro gehandelt.

Mit Material von Reuters

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