Nikkei & Co. Asiens Börsen stoppen den Ausverkauf

Die wichtigen Märkte Asiens stemmen sich gegen die Vorgaben aus den USA und schließen im Plus. Die Unsicherheit bleibt allerdings.
Update: 12.10.2018 - 09:12 Uhr Kommentieren
Passanten vor einer elektronischen Börsenanzeigetafel. Quelle: AP
Börse Tokio

Passanten vor einer elektronischen Börsenanzeigetafel.

(Foto: AP)

TokioAsien schloss sich am Freitag der erneuten Verkaufswelle von Aktien an der Wall Street nicht an. Während der Dow Jones Aktienpreisdurchschnitt am Donnerstag wieder um mehr als zwei Prozent nachgegeben hatte, ging in Japan der Nikkei-225-Aktienpreis mit 22.656 Punkten 0,3 Prozent fester aus dem Handel. Auch der Chinas Shanghai Industrial Composite Index schloss 0,5 Prozent im Plus, nachdem er gegen Mittag noch ins Minus gedreht hatte.

Die Entwicklung steht in starkem Kontrast zum Vortag. Am Donnerstag sackten die Aktienkurse in China wie auch die der Japan AG deutlich stärker ab als an der Wall Street. In China verstärkte der Sturz die Sorge, dass das Wachstum stärker abschwächen könnten. Und in Japan wurden die Kurse wie so oft bei Kursstürzen besonders stark gedrückt, weil neben der Volatilität auch der Kurs des Yen stieg, der bei Unruhe im Markt als sicherer Hafen gilt und daher als Fluchtwährung dient.

Ein stärkerer Yen bedeutet tendenziell schwächere Gewinne für die exportabhängige Japan AG. Gleichzeitig belebte der simultane Sturz an der Wall Street und in China auch das „China-Risiko“ aufs Neue, urteilt Japans Wirtschaftszeitung Nikkei. Denn China ist der zweitwichtigste Markt der Japan AG, wenn es um die Gewinne geht. 16 Prozent der Gewinne der börsennotierten Unternehmen würden aus Exporten nach oder Produktion und Verkauf in China stammen, meint Jesper Koll, Chef von WisdomTree Japan.

Und am Aktienmarkt spiegelt sich seit langem wieder, dass die Anleger weniger Wachstum in China erwarten. Während es in den USA an der Börse seit Anfang des Jahres tendenziell bergauf ging, ist der Shanghai Industrial Composite Index um mehr als 20 Prozent abgerutscht. Am Donnerstag fiel er sogar um 5,2 Prozent.

Doch auch in Asiens größtem Aktienmarkt Japan spielte der China-Faktor eine Rolle. Die Ausrüster von Chinas Fabriken wie die Roboterhersteller Fanuc und Yaskawa sowie der Baumaschinenhersteller wurden überdurchschnittlich hart mit Kursabschlägen bestraft. Den Ausschlag mag eine Gewinnwarnung von Yaskawa am Vortag gegeben haben.

In seiner Halbjahresbilanz hatte der Roboterkonzern seine Gewinnprognose für das bis Ende März 2019 laufende Bilanzjahr um etwa zehn Prozent gesenkt. Auch das gesenkte Ergebnis wäre immer noch ein Rekord, aber China weckt Sorgen. Es gebe einen Trend, dass Investitionen wegen der unsicheren Auswirkungen des Handelskriegs zwischen den USA und China gestoppt würden, erklärte Vorstandsmitglied Shuji Murakami.

Doch die Märkte sahen die Angst offenbar als überzogen an. Gerade die hart betroffenen China-Werte zogen am Freitag wieder an. Yaskawas Aktienkurs schoss nach einem 6,1-prozentigen Verlust wieder um 4,4 Prozent auf 3 155 Yen in die Höhe, Fanucs um ein Prozent 19 200 Yen.

Noch ist allerdings offen, ob die Ruhe in Asien schon das Ende des zweiten Ausverkaufs des Jahres darstellt oder ob sie nur warten, was die Bilanzsaison in den USA bringt. Mark Haefele, Global Chief Investment Officer vom UBS Wealth Management, glaubt, dass die Korrektur wie schon die im Februar von technischen Verkäufen von Großanlegern und nicht den wirtschaftlichen Tendenzen geprägt sei.

Er meint, dass daher „die Märkte sich nicht stabilisieren werden, bis das erzwungene Verkaufen endet und die an Fundamenten ausgerichteten Anleger einsteigen.“ Ein möglicher Auslöser für eine schnelle Beruhigung könnte Haefele zufolge die Bilanzsaison für das dritte Quartal in den USA sein.

Sie beginnt am Freitag mit den Banken. Er erwartet, dass die US-Unternehmen trotz steigender Zinsen, vereinzelten Zeichen der Schwäche in der Weltwirtschaft und eskalierender Handelsstreits erneut günstige Ergebnisse und Vorhersagen vorlegen werden.

Auf der anderen Seite stellen die Handelspolitik Chinas, Italiens Schulden und die Kongresswahlen in den USA Risiken dar, die sich verstärken könnten. Aber da die Wirtschaftsdaten gerade in den USA nicht auf eine Rezession hindeuten, lautet wenigstens Haefeles Fazit: „Der Bullenmarkt bleibt intakt.“ Wenigstens bis zum Mittagessen scheinen die Anleger in Asien nicht an dieser Hoffnung rütteln zu wollen.

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