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Politische Krise Haushaltsstreit in Italien schockt die Märkte – Ausverkauf bei Anleihen

Das Politchaos in Italien sorgt für Unruhe an den Finanzmärkten. Die Kurse von italienischen Staatsanleihen fallen – und ziehen auch Bankaktien mit hinab.
Update: 03.08.2018 - 15:25 Uhr Kommentieren
Tria spricht sich wiederholt für Haushaltsdisziplin im hochverschuldeten Italien aus. Quelle: Reuters
Italiens Finanzminister Giovanni Tria

Tria spricht sich wiederholt für Haushaltsdisziplin im hochverschuldeten Italien aus.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Ein Sondertreffen der italienischen Regierung zur Lösung des Haushaltsstreits hat Investoren verunsichert. Italienische Staatsanleihen standen am Freitag auf den Verkaufslisten, nachdem Spekulationen über einen Rücktritt von Wirtschafts- und Finanzminister Giovanni Tria die Runde gemacht hatten.

Die Rendite für die maßgebliche zehnjährige italienische Staatsanleihe stieg zwischenzeitlich um 0,2 Prozentpunkte auf 3,09 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit den Marktturbulenzen nach der Italien-Wahl Anfang Juni. Ein Renditeanstieg von 0,2 Prozentpunkten gilt bei Staatsanleihen mitunter schon als eine Art „Ausverkauf“. Der Kurs des Papiers fiel in der Spitze um 1,6 Prozent. Gleichzeitig waren zehnjährige deutsche Bundesanleihen als sichere Anlagen gefragter. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel um 0,05 Prozentpunkte auf 0,4 Prozent.

Aus Sicht von Christoph Rieger, Chefanalyst für Anleihemärkte bei der Commerzbank, sind die Rücktrittsspekulationen um Trias der Hauptgrund für den Ausverkauf bei den italienischen Staatsanleihen: „Das könnte zu einem Kollaps der Regierungskoalition, Neuwahlen und einer weiter erstarkenden Lega Nord führen“, sagte er.

Zudem seien die Märkte besorgt, dass Italien einen Haushaltsplan beschließt, der unvereinbar mit den Vorgaben zur Staatsverschuldung der Euro-Zone wäre. Finanzminister Tria hat sich wiederholt für Haushaltsdisziplin im hochverschuldeten Italien ausgesprochen.

Nach einem Treffen mit seinen Kabinettskollegen zeigte sich Tria immerhin zufrieden mit dem Ergebnis der vorläufigen Etatverhandlungen. Der vorgeschlagene Haushaltsrahmen sei mit den bereits im Parlament diskutierten Etatzielen mit Blick auf Steuern und Arbeitslöhne vereinbar, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Die Renditen von Italiens Staatsbonds sanken daraufhin wieder auf den Stand des Vortags.

„Tria gilt innerhalb der Regierung als vergleichsweise europafreundlich und damit aus Marktsicht als Hoffnungsträger, dass Italien nicht die totale Konfrontation mit Brüssel suchen will“, heißt es in einer Analyse der DZ Bank.

In der von der rechtsgerichteten Lega und der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung gestellten Regierung Italiens gibt es Pläne für höhere Ausgaben. Der stellvertretende Regierungschef und Innenminister Matteo Salvini sagte, die neuen Haushaltspläne würden Rentenerhöhungen und Steuersenkungen umfassen. Allerdings sei nicht vorgesehen, alle Maßnahmen bereits im Budget für 2019 umzusetzen. Die Vorhaben dürften den italienischen Schuldenstand weiter in die Höhe schrauben, sofern das Geld nicht an anderer Stelle eingespart wird.

„Die beiden Koalitionspartner haben nicht viele Gemeinsamkeiten – doch das Potenzial, mit ihren Plänen die EU zu erzürnen, ist groß“, kommentiert auch Eoin Walsh, Portfoliomanager bei Twenty Four Asset Management, den Haushaltsstreit in Italien.

Die Kursverluste bei italienischen Staatsanleihen setzten am Freitag zeitweise auch die Aktien von italienischen Banken unter Druck: Die Geldinstitute halten einen großen Teil der italienischen Staatsschuld. Aus Sicht von Natixis-Analyst Cyril Regnat wird diese Abhängigkeit zu einem immer größeren Risiko: „Die hohe Volatilität der italienischen Staatsanleihen erhöht die Ansteckungseffekte zwischen dem öffentlichen Sektor und den Banken.“
Mit Material von Reuters

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