Referendum in Italien „Es gibt keine Gefahr eines finanziellen Erdbebens“

Vor dem Referendum am Sonntag übt sich Italiens Finanzminister in Gelassenheit. An den Finanzmärkten ist die Nervosität jedenfalls deutlich spürbar. Auch die EZB ist in Alarmbereitschaft.
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Diese massiven Konsequenzen hat das Italien-Referendum für Deutschland

MailandDie italienische Regierung versucht angesichts ihrer drohenden Niederlage beim Verfassungsreferendum am Sonntag die Finanzmärkte zu beruhigen. Er sehe nicht die Gefahr eines „finanziellen Erdbebens“ für den Fall eines Nein-Votums, sagte Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan der Zeitung „Avvenire“ (Freitagausgabe). Zwar könnten die Märkte in den ersten 48 Stunden in Unruhe versetzt werden. „Aber dann wird sich wie beim Brexit der Nebel lichten und Normalität zurückkehren.“ Auch negative Auswirkungen auf den Staatsetat befürchtet der Minister nicht: „Ich sehe keine Folgen eines 'No' für den öffentlichen Haushalt.“ Die Regierung braucht 2017 ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent, um ohne Nachtragsaushalt auszukommen.

Die Italiener stimmen am Sonntag über die Verfassungsreform von Ministerpräsident Matteo Renzi ab, die schnellere politische Entscheidungen und stabilere Regierungen ermöglichen soll. Da Renzi für den Fall einer Niederlage mit seinem Rücktritt gedroht hatte, könnte die Regierung kippen.

Bei Neuwahlen hätte die euroskeptische Protestbewegung 5 Sterne gute Chancen, stärkste Partei zu werden. Damit hätte Europa nach dem Brexit-Votum der Briten ein neues Problem, sagen Experten. Vor der Abstimmung haben ausländische Anleger offenbar riesige Wetten auf einen Kurssturz an der Mailänder Börse platziert, wie jüngst deren Chef Raffaele Jerusalmi sagte.

Die Nervosität jedenfalls ist spürbar. Die Mailänder Börse gab um etwa ein Prozent nach. „Zu groß sind derzeit die Sorgen vor einer Regierungskrise, falls die Reformen keine Mehrheit finden“, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG Market.

Vor der Abstimmung haben ausländische Anleger offenbar riesige Wetten auf einen Kurssturz an der Mailänder Börse platziert, wie jüngst deren Chef Raffaele Jerusalmi sagte. Dies sorgt für Unsicherheit unter Anlegern, zumal auch die politischen Perspektiven unklar sind: „Es wird sehr schwierig sein, sich am Montag eine klare Meinung über die Zukunft der italienischen Regierung und den Appetit auf weitere Reformen zu bilden“, sagte Franck Dixmier, Anleihe-Chef des Vermögensverwalters AllianzGI.

Neue Marktturbulenzen könnten vor allem die angeschlagenen Banken hart treffen. Die mussten zuletzt acht Monate in Folge Geldabflüsse hinnehmen. Die Banken haben rund 200 Milliarden Euro an insolvente Schuldner verliehen, fast ein Fünftel der gesamten Unternehmenskredite.

Mit italienischen Luxusaktien überwintern

BPER BANCA S.P.A. AZIONI NOM. EO 3

WKN
ISIN
IT0000066123
Börse
FSE

+0,05 +1,11%
+4,35€
Chart von BPER BANCA S.P.A. AZIONI NOM. EO 3
Banca Popolare dell'Emilia Romagna
1 von 12

Flop-Wert

Der Index Dow Jones Titans 30 mit den wichtigsten italienischen Aktien liegt seit Jahresbeginn ein Viertel im Minus. Das liegt vor allem am hohen Anteil von bedeutenden Finanztiteln in Italien.
Mit einem Kursabschlag von über 40 Prozent kommt die Banca Popolare dell'Emilia Romagna noch glimpflich davon im Vergleich zur Konkurrenz.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 42,67 Prozent

Saipem

WKN
ISIN
Börse

Chart von Saipem
Saipem
2 von 12

Flop-Wert

Eine große Kapitalerhöhung hat den Kurs der auf die Erschließung von Offshore-Gas- und Ölfeldern der Eni-Tochter Saipem herabgesetzt. Der Konzern hat in diesem Jahr auch ein Sparprogramm mit Stellenabbau beschlossen.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 54 Prozent

Unicredit

WKN
ISIN
Börse

Chart von Unicredit
Unicredit
3 von 12

Flop-Wert

Die Muttergesellschaft der deutschen Hypo-Vereinsbank, Unicredit, gehört zu den hart getroffenen Bankaktien. Der Konzern will noch im Dezember eine neue Strategie verkünden.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 59,7 Prozent

UNIO.DI BANCHE ITALIANE S.P.A. AZIONI NOM. EO 2,50

WKN
ISIN
IT0003487029
Börse
FSE

+0,06 +1,53%
+3,81€
Chart von UNIO.DI BANCHE ITALIANE S.P.A. AZIONI NOM. EO 2,50
Ubi Banca
4 von 12

Flop-Wert

Viele italienische Banken – wie auch Ubi Banca – leiden unter hohen Beständen an Problemkrediten, deren Zinsen nicht regelmäßig von den Kunden bedient werden.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 65,6 Prozent

Banca Popolare Di Milano

WKN
ISIN
IT0000064482
Börse
n. a.

Chart von Banca Popolare Di Milano
Banca Popolare di Milano
5 von 12

Flop-Wert

Die Aktie der Banca Popolare di Milano ist schon seit langem ein Penny-Stock, der also weniger als ein Euro wert ist. Doch auch dann kann man noch deutlich an Wert verlieren.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 65,7 Prozent

Banco Popolare Societa Cooperativa

WKN
ISIN
Börse

Chart von Banco Popolare Societa Cooperativa
Banco Popolare Societa Cooperativa
6 von 12

Flop-Wert

Die Banco Popolare Societa Cooperativa hat es in diesem Jahr sehr hart getroffen, nur ein wichtiger Titel steckt noch weiter in den Minuszahlen.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 78,9 Prozent

Banca Monte dei Paschi di Siena

WKN
ISIN
Börse

Chart von Banca Monte dei Paschi di Siena
Banca Monte dei Paschi di Siena
7 von 12

Flop-Wert

Den stärksten Kursrückgang hat die Banca Monte dei Paschi di Siena zu verzeichnen. Sie ist dabei, über eine Kapitalerhöhung Milliarden einzusammeln, um eine staatliche Rettung zu vermeiden. Doch ob das Kunststück gelingt, dürfte auch mit dem Ausgang des Verfassungsreferendums am 4. Dezember zusammenhängen.

Kursveränderung seit 1.1.2016: minus 83,5 Prozent

In der Bredouille steckt vor allem Monte Paschi, die über eine Kapitalerhöhung mehr als fünf Milliarden Euro einnehmen will. Medienberichten zufolge hat die italienische Regierung bereits Staatshilfe für die Krisenbank beantragt. Padoan sagte, er sehe keine systemischen Risiken für die italienischen Banken. „Sollte es zu einem anderen Ausgang kommen, werden wir prüfen, ob eine Form des Eingreifens notwendig sein wird“, sagte er.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) steht Gewehr bei Fuß, sollte es zu größeren Turbulenzen kommen. Bei einem „No könnten die Währungshüter ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm einsetzen, um einen Anstieg der Renditen italienischer Staatsanleihen einzudämmen, sagten zuletzt mehrere Notenbank-Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die Euro-Wächter könnten dann zeitweise mehr italienische Bonds kaufen. Der Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen stieg diese Woche im Vergleich zu den deutschen Bonds zeitweise auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch.

Auch an den europäischen Aktienmärkten ist die Nervosität zwei Tage vor dem Verfassungsreferendum groß. Der deutsche Dax notierte 1,2 Prozent im Minus, die Mailänder Börse ein Prozent schwächer. „Zu groß sind derzeit die Sorgen vor einer Regierungskrise, falls die Reformen keine Mehrheit finden“, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG Market.

  • rtr
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5 Kommentare zu "Referendum in Italien: „Es gibt keine Gefahr eines finanziellen Erdbebens“"

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  • Girokonto

  • 90.000 € Sparbuch + 40.000 € Girrokonto = 100.000 € Auszahlung, der Rest ist weg.
    Mich betrifft dass zwar nicht, da ich von solchen Guthabensummen nur träumen kann, aber ich glaube nicht daran, dass im Ernstfall die Banken auszahlen werden, besser gesagt auszahlen können, weil sie schlicht und ergreifend die Barmittel nicht verfügbar sind.

  • beschäftigt

  • Banken verschicken aktuell “Einlagensicherungsbriefe“, indem sie darauf hinweisen, das alle Einlagen egal ob auf Girokonto oder Sparbuch nur bis zur Höhe von 100.000 € abgesichert sind (wer's glaubt!), die Bundesregierung rät zur Vorratshaltung für mind. 10 Tage und gibt bekannt, dann im Krisenfall auch enteignet werden kann. Das sind Fakten, die man nicht ausblenden kann und jeder der sich in den letzten Jahren mit Griechenland, unserem Geldsystem, EZB und Bankenrettung, Überschuldungskrise geschäftigt hat weiss, was uns bevorsteht.

  • Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen... ;-)

    Da ist wohl gemeint, dass nicht wegen dem italienischen Referendum ein finanziellen Erdbebens besteht. Tja... auch wenn es heute aus der Mode ist: Historiker unterscheiden seit jeher zwischen "Grund" und "Anlass".

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