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Die Turbulenzen an den Märkten sind erklärungsbedürftig.

(Foto: Prisma Bildagentur)

Rezessions-Gefahr Was es für die Märkte bedeutet, wenn die Zinsen Kopf stehen

Ein Warnsignal an den Märkten ist die „inverse Zinskurve“, die als Signal für einen wirtschaftlichen Abschwung gilt. Noch hat es nicht aufgeleuchtet.
Update: 07.12.2018 - 04:25 Uhr Kommentieren

Frankfurt Wie lässt sich eine Rezession vorhersagen? Die Fed San Francisco, der Ableger der US-Notenbank in Kalifornien, hat im März nachgerechnet. Das Ergebnis: Eine sogenannte inverse Zinskurve hat seit 1955 alle neun Rezessionen vorhersagt. Wichtig dabei: Nur ein einziges Mal gab sie Fehlalarm. Die Rezession folgte in der Regel etwa zwei Jahre später – meist war die Inversion da schon wieder vorbei.

Und eine Rezession in den USA erfasst oft auch den Rest der Welt. Kein Wunder also, dass die Märkte nervös werden. Denn zurzeit ist eine inverse Zinskurve nicht mehr weit entfernt. Aber man muss genau hinschauen.

Normalerweise sind die langfristigen Zinsen höher als die kurzfristigen. Wer sein Geld für zehn Jahre verleiht, will mehr haben, als wenn er es nur für kurze Zeit aus der Hand gibt. Die Zinskurve zeigt an, welche Zinsen für welche Frist bezahlt werden. Und invers heißt diese Kurve, wenn die kurzfristigen Zinsen höher sind als die langfristigen.

Am Donnerstag lagen die US-Zinsen für zweijährige Staatspapiere bei 2,7661 Prozent. Die fünfjährigen hatten eine Rendite von 2,7651 Prozent, lagen also knapp darunter. Damit war die Zinskurve in der Mitte minimal invers. Dass es in den Tagen zuvor ähnlich aussah, hat die Anleger verunsichert.

Allerdings wird, wenn um Rezessionssignale geht, meist der Abstand der zweijährigen zur zehnjährigen Anleihe beachtet. Die Zehnjährige lag am Donnerstag bei 2,8955 Prozent, also um 0,13 Prozentpunkt höher – oder um 13 Basispunkte im Fachjargon. Insofern haben wir sozusagen noch keine echte Inversion. Weil es für die zweijährigen Papiere keine Daten bis zurück in die 50er-Jahre gibt, hat die Fed San Francisco zudem die Einjährigen mit den Zehnjährigen verglichen. Und hier liegt die Differenz bei 20 Basispunkten, also noch ein Stück weiter entfernt von der Inversion.

Ein Punkt in der Analyse gibt einen Hoffnungsschimmer: Das Signal scheint nur dann zu gelten, wenn die Kurve wirklich kippt. In dem Text heißt es: „Ein negativer Wert ist sehr viel besorgniserregender für die Konjunkturprognose als ein niedriger, aber noch positiver Wert.“ Anders gesagt: Noch ist nichts verloren.

Wenig beruhigend ist dagegen, dass die Entwicklung zurzeit einem wohl bekannten Muster folgt: Die Kurve kippt vor allem, weil die kurzfristigen Zinsen steigen. Nur selten spielt dagegen eine Rolle, dass die langfristigen Zinsen sinken. Zurzeit gilt das auch, zumindest für den längerfristigen Trend. Das führt zu der schwierigsten Frage: Warum funktioniert dieses Signal überhaupt?

Es gibt dafür mehrere Erklärungen. Einmal lässt sich sagen, dass in dieser Situation die Investoren längerfristig eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung – und daher niedrigere Renditen – erwarten als für die nächsten ein oder zwei Jahre. Die Kurve bildet demnach also nur die Erwartungen ab, die dann auch eintreffen.

Ein anderer Ansatz geht davon aus, dass bei dieser Inversion die Banken wenig Anreiz haben, Kredite zu vergeben, weil sie mit einer negativen Zinsspanne leben müssen. Das sollte allerdings stärker für Länder außerhalb Amerikas gelten. Denn in den USA läuft viel Finanzierung an den Banken vorbei über den Kapitalmarkt.

Es ist aber nicht auszuschließen, dass auch außerhalb der Banken Investoren zögern, die langfristig investieren wollen und sich traditionell kurzfristig refinanzieren. Wenn keiner investiert, gibt es eine Rezession. Diese zweite Erklärung besagt also, dass die inverse Zinskurve nicht nur Erwartungen abbildet, sondern ursächlich zur Rezession beiträgt.

Angesichts des üblichen Musters mit dem Anstieg der kurzfristigen Zinsen liegt aber eine dritte Erklärung nahe: Die Inversion bildet eine Situation ab, in der die US-Notenbank Fed munter ihre kurzfristigen Zinsen erhöht und zu spät merkt, dass sie damit die Konjunktur abwürgt.

Das ist genau die Sorge der Investoren derzeit. Aber auch diese enthält eine gute Nachricht: Die Erklärung bedeutet, dass die Notenbank durchaus die Chance hat, ihren Kurs zu berichtigen und zu verhindern, dass die Kurve kippt – oder, falls doch, dass das Signal sich später erfüllt. Vielleicht gibt es ja nach Jahrzehnten doch einmal einen Fehlalarm.

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