Rohstoffe Warum die Ölpreise in Europa und den USA auseinanderdriften

Die Ölpreise sind wieder deutlich gefallen. Erst im vergangenen Monat hatten sie den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren erreicht. Der Markt beschäftigt sich jedoch noch mit einem anderen Thema.
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Die Ölpreise in Europa und in Teilen der USA driften immer weiter auseinander. Quelle: dpa
Ölförderung

Die Ölpreise in Europa und in Teilen der USA driften immer weiter auseinander.

(Foto: dpa)

FrankfurtAm Dienstag ist Öl noch einmal deutlich billiger geworden. Die US-Regierung soll Saudi-Arabien und andere Ölproduzentenländer gebeten haben, das Angebot zu erhöhen. Zuvor hatten die USA neue Sanktionen gegen iranische Ölexporte verhängt. Der Wunsch nach Mehrproduktion entspricht in seiner Größenordnung etwa den iranischen Ausfällen. An den Terminmärkten kostet ein Barrel der US-Marke WTI rund 66 Dollar, entsprechende 159 Liter der Nordseemarke Brent etwa 74 Dollar.

Der Trend hat sich deutlich gedreht. Im vergangenen Monat hatten die Ölpreise, binnen Jahresfrist um zwei Drittel gestiegen, noch die höchsten Stände seit mehr als drei Jahren erreicht. Der Rückfall ist eine Reaktion auf die Vorschläge von Saudi-Arabien und dem Förderland Russland zur Lockerung der Produktionsbeschränkungen.

Hintergrund des Vorschlags sind die möglichen Lieferverluste aus Iran und Venezuela. Händler spekulieren über das mögliche Ausmaß der Fördererhöhungen, bevor sich die Vertreter der Erdöl exportierenden Staaten Opec in rund zwei Wochen treffen.

Die Rohstoffanalysten der Commerzbank weisen auf eine erhöhte Förderung in Saudi-Arabien im Mai hin. Sie erkennen darin „ein Indiz für ein zaghaftes Umsteuern in der Förderpolitik“. Wichtig sei dabei auch der Ausgleich von Ausfällen in anderen Ländern. Nigeria leide unter Pipelineproblemen, liefere deshalb so wenig Öl wie zuletzt vor über einem Jahr.

Der Markt beschäftigt sich jedoch noch mit einem anderen Thema: Die Ölpreise in Europa und in Teilen der USA driften immer weiter auseinander. In den vergangenen Tagen war WTI zeitweise bis zu elf Dollar billiger als Brent. Höher war der Preisabschlag zuletzt vor mehr als drei Jahren. Innerhalb von nur vier Wochen hat sich die Differenz verdoppelt. In der Regel liegen die Preise für beide Sorten nahe beieinander.

„Dass sich der Brentölpreis zuletzt deutlich besser halten konnte, ist der angespannten Angebotslage auf dem Weltmarkt geschuldet“, erläutern die Commerzbank-Experten. Der niedrigere WTI-Preis dagegen reflektiere das Überangebot an Rohöl, vor allem in Texas, als Folge der stark steigenden Schieferölproduktion. Wegen Pipelineengpässen könne der Rohstoff nur eingeschränkt an die US-Golfküste abtransportiert werden, was zu einem lokalen Überangebot führe.

Die zehn größten Öl-Deals der Welt
Platz 10: Exxon/Bass Family - 5,6 Milliarden Dollar
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Einer der größten Öl-Deals der Welt wurde zwischen dem Ölmulti ExxonMobil und einer der reichsten Familien der USA geschlossen. Die Brüder Sid, Edward, Robert and Lee Bass kommen laut Forbes auf ein Vermögen von 8,2 Milliarden Dollar. Der Verkauf von Vermögenswerten an Exxon brachte ihnen im Januar 2017 einen Milliardenbetrag ein.

Platz 9: Rosneft/Russischer Staat - 6,1 Milliarden Dollar
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Mit Gerhard Schröder hat der russische Staatskonzern Rosneft einen deutschen Bundeskanzler als Aufsichtsrat. Mit dem russischen Staat ist das Unternehmen eng verwoben. Rosneft gilt als kremltreues Unternehmen, Russland ist mit 50 Prozent plus einer Aktie der Mehrheitsaktionär. Ein Aktienrückkauf über 6,1 Milliarden Euro gehört zu den zehn größten Öldeals der Welt.

Platz 8: Total/Maersk - 7,5 Milliarden Dollar
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Mit diesem Deal wurde der französische Energieriese Total zum zweitgrößten Player in der Nordsee: Im August 2017 übernahm Total die Ölsparte der dänischen Containerreederei Moeller-Marsk. Der Wert der Transaktion lag bei 7,5 Milliarden Dollar - es ist der achtgrößte Öl-Deal weltweit.

Platz 7: EQT Corporation/Rice Energy - 8,1 Milliarden Dollar
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Die Übernahme des amerikanischen Energieunternehmens Rice Energy hat sich der US-Erdgasförderer EQT Corporation einiges kosten lassen: 8,1 Milliarden Euro zahlten die Amerikaner Mitte 2017 für den Konkurrenten. Mit dem Zukauf erhofft sich EQT, seine Förderkapazitäten auf den Erdgasfeldern auszubauen.

Platz 6: Canadian Natural Resources/Shell - 8,5 Milliarden Dollar
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Das kanadische Energieunternehmen Canadian Natural Resources ist einer der größten staatsunabhängigen Ölforderer weltweit. Im März 2017 übernahmen die Kanadier Anlagen im Wert von 8,5 Milliarden Dollar von Shell.

Platz 5: Repsol/Talisman Energy - 13 Milliarden Dollar
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Mit diesem Deal stieg das spanische Unternehmen Repsol in die Gruppe der 15 größten privaten Mineralölkonzerne weltweit auf: Repsol kaufte seinen kanadischen Gegenspieler Talisman Energy für 13 Milliarden Dollar. Damit konnte Repsol seine Präsenz auf dem nordamerikanischen Markt verstärken.

Platz 4: Cenovus Energy/Conoco Phillips - 13,3 Milliarden Dollar
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Dieser milliardenschwere Öl-Deal kam eigentlich nur zustande, weil Schulden abgebaut werden mussten. Anfang des Jahres 2017 übergab der US-Ölkonzern Conoco Philipps einen Großteil seines Öl- und Gasgeschäfts in Kanada für 13,3 Milliarden Dollar an den kanadischen Energieproduzenten Cenovus Energy. Cenovus konnte mit diesem Deal seine Tagesfördermenge verdoppeln.

Die Analysten des US-Finanzhauses Raymond James haben daraus bereits Konsequenzen gezogen. Ihrer Einschätzung nach wächst die inländische US-Ölproduktion stärker, als die Infrastruktur es verkraften könne. Das betreffe neben den Pipelines die Transportkapazitäten auf der Straße und mit der Bahn.

„Wir erwarten eine Ausweitung der Preisdifferenzen“, prognostizieren die Rohstoffanalysten von Raymond James in Houston. Sie rechnen für das kommende Jahr mit einem Brent-WTI-Unterschied von 15 Dollar. Ihre WTI-Prognose liegt bei 65 Dollar, die für Brent bei 80 Dollar.

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung ist allerdings groß. Der mittlerweile hohe Preisunterschied beider Sorten ruft auch Analysten auf den Plan, die die Differenz als nicht nachhaltig werten. „Der Preisunterschied ist mittlerweile so hoch, dass vor allem asiatische Raffinerien angekündigt haben, Schiefergasöl aufzukaufen, wo immer sie es bekommen“, berichten die Analysten des Bankhauses Metzler. Das könne schon bald die Preisdifferenz verringern.

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