Schlussbericht Börse Frankfurt Dax im Krisen-Modus

Zwischen Erholung und Schock liegen gerade einmal 24 Stunden. Am Mittwoch rutschte der Dax erneut tief ins Minus. Neben der Krim-Krise sorgte die chinesische Wirtschaft für Nervosität. Einzige Gewinner: Gold und Silber.
Update: 12.03.2014 - 17:45 Uhr 5 Kommentare

China schickt Konjunkturdaten

FrankfurtSorgen um einen Einbruch der chinesischen Wirtschaft und der Streit um die Krim-Halbinsel haben am Mittwoch die Aktienmärkte europaweit belastet. Der Dax fiel um 1,28 Prozent auf 9188 Punkte.

Auch die Börsen in Südeuropa - ihnen hatte die Krise in der Ukraine bislang wenig anhaben können - gaben nach. „Die Anleger schauen auf jede Nachricht aus China und der Ukraine", sagte Christian Henke von IG Markets. Das sei eine im Augenblick äußerst schlechte Nachrichtenlage für die Kapitalmärkte.

Chinas Wirtschaft läuft bereits seit einiger Zeit nicht mehr so rund. Die Zentralbank in Peking will Insidern zufolge bei einer weiteren Abschwächung der Konjunktur zwar massiv gegensteuern und den Banken mehr Spielraum für Kredite geben. Doch an den Kapitalmärkten blieb die Skepsis - vor allem am Rohstoffmarkt. Zeitweise fiel an der Londoner Metallbörse der Kupferpreis um 1,5 Prozent auf 6376,25 Dollar je Tonne und notierte damit so niedrig wie seit Juli 2010 nicht mehr. Schon am Dienstag war der Preis eingebrochen, nachdem der hohe Verlust eines chinesischen Solarmodul-Herstellers Angst vor Zahlungsausfällen geschürt hatte. Denn das vor allem im Bau benötigte Industriemetall kann in China als Sicherheit für Kredite hinterlegt werden. Viele fürchteten, dass die Gläubiger nun ihre Bestände verkaufen, um an ihre Geld zu kommen.

Die Stars der Dax-Rally

INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006231004
Börse
Xetra

-0,68 -2,94%
+22,43€
Chart von INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz1: Infineon
1 von 20

Platz 1: Infineon

Der Chip-Hersteller Infineon hat den rasantesten Wandel in den vergangenen fünf Jahren durchgemacht. Das Unternehmen stand vor der Pleite, die Aktie war ein Pennystock. Den absoluten Tiefpunkt mit 36 Cent pro Aktie erreichte sie im Krisenjahr 2008. Doch Infineon schaffte die Wende. Dank boomender Konjunktur und Erholung auf dem Halbleiter-Markt gelang es, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Im Jahr 2011 bekamen die Aktionäre erstmals seit zehn Jahren wieder eine Dividende ausbezahlt.

Kursentwicklung (2009-2014): +2231 Prozent

CONTINENTAL AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005439004
Börse
Xetra

-6,10 -2,91%
+203,30€
Chart von CONTINENTAL AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 2: Continental
2 von 20

Platz 2: Continental

Auch für den niedersächsischen Automobilzulieferer Continental waren die vergangenen fünf Jahre turbulent. Als die Aktien-Rally losging, war das Unternehmen bereits zum zweiten Mal in seiner Firmengeschichte aus dem Dax herausgeflogen und fortan im Index für mittlere Werte gelistet. Grund war die Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe, welche die freie Marktkapitalisierung der Firma unter die Dax-Aufnahmeschwelle sinken ließ. Im September 2012 gelang Conti der Wiederaufstieg in den Dax. Seit dem Tief Anfang 2009 hatte sich die Aktie des Automobilzulieferers um 700 Prozent erholt. Damit schaffte es Continental als einziges Unternehmen, zweimal in den Leitindex aufzusteigen.

Kursentwicklung (2009-2014): +1407 Prozent

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
Xetra

-2,78 -1,86%
+146,56€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
Platz 3: Volkswagen Vorzugsaktien
3 von 20

Platz 3: Volkswagen

Anfang 2009 beschloss die VW-Hauptversammlung die Ausgabe von 135.000 neuen Vorzugsaktien. Daraufhin ersetzte die stimmlose Vorzugsaktie die VW-Stammaktie im Dax. Außerdem drohte dem Konzern eine Übernahme durch Porsche. Sie misslang allerdings wegen Finanzierungsproblemen. VW schaffte es trotz Absatzkrise in Europa, seine Umsätze zu steigern. Ins Jahr 2014 startet VW mit einem neuen Absatzrekord: 515.700 Fahrzeuge lieferten die Wolfsburger an ihre Kunden aus. Trotzdem läuft es nicht überall rund: Die Umsätze in den USA und in Russland sanken.

Kursentwicklung (2009-2014): +505 Prozent

LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005470405
Börse
Xetra

-0,82 -1,19%
+67,82€
Chart von LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 4: Lanxess
4 von 20

Platz 4: Lanxess

Der von Bayer abgespaltenen Chemie-Konzern Lanxess ist erst seit 2012 im Dax gelistet. Für Lanxess waren die vergangenen fünf Jahre eine Zeit der Investitionen: Die Kölner übernahmen chinesische und indische Unternehmen und baute sein Geschäft auch in Russland aus. Ins laufenden Jahr starten Lanxess allerdings tief in den roten Zahlen. 257 Millionen Euro an Abschreibungen, einen Gesamtverlust von rund 159 Millionen Euro und die Halbierung ihrer Dividende auf 50 Cent pro Aktie mussten die Aktionäre hinnehmen. Der Grund: Etwa 40 Prozent seiner Erlöse bezieht der Konzern aus seiner Kautschuk-Sparte. Hauptabnehmer sind aber die Autohersteller, die unter den Überkapazitäten am Automarkt leiden.

Kursentwicklung (2009-2014): +333 Prozent

HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N

WKN
ISIN
DE0006048432
Börse
Xetra

-0,30 -0,28%
+107,70€
Chart von HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N
Platz 5: Henkel
5 von 20

Platz 5: Henkel

Zu Beginn der Dax-Rally dümpelte die Henkel-Aktie um einen Kurs zwischen 15 und 20 Euro herum. Doch wer in die Papiere des Konsumgüterherstellers investierte, hatte Glück: In den folgenden fünf Jahren schaffte es die Aktie, ihren Wert zu verdreifachen. Auch die Dividende stieg von 51 Cent auf 93 Cent pro Aktie. Bei den Anlegern punktete Henkel zum Beispiel durch seine Nachhaltigkeitsstrategie, die allerdings von Umweltschützern kritisiert wurde. Und während der Konzern auf den aufstrebenden Märkten Asiens Probleme hat, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, investierte er 2013 zwölf Millionen Euro in die Osteuropäische Sparte, um vom „Know-How” der Mitarbeiter zu profitieren. Jüngst weht dem Düsseldorfer Unternehmen aber ein rauer Wind entgegen: Analysten geben sich verhalten in Bezug auf das kommende Geschäftsjahr. Grund sind befürchtete Währungsabwertungen in Schwellenländern, in die der Konzern investiert.

Kursentwicklung (2009-2014): +306 Prozent

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
Xetra

-1,22 -1,52%
+79,09€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN
Platz 6: BMW
6 von 20

Platz 6: BMW

In der Finanzkrise brach die weltweite Nachfrage nach Autos ein. BMW bekam Schwierigkeiten mit der Finanzierung an den Kapitalmärkten. Von den Konjunkturprogrammen vieler Länder profitierte der Luxusautohersteller kaum. Der Konzernumsatz sank um mehr als vier Prozent. Allerdings gelang es BMW wie auch anderen Autoherstellern, den Weg aus der Krise zu finden. 2013 arbeitete der Konzern nahe an der Kapazitätsgrenze. Auch brachte der Hersteller das erste Elektroauto auf den Markt, den i3.

Kursentwicklung (2009-2014): +304 Prozent

DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005552004
Börse
Xetra

-0,19 -0,65%
+29,03€
Chart von DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 7: Deutsche Post
7 von 20

Platz 7: Deutsche Post

Auch der Logistikriese hatte 2009 noch unter den Folgen der Wirtschaftskrise zu leiden: Weil seine Kunden in finanzielle Nöte gerieten, gab es auch für die Post weniger Briefe und Pakete auszutragen. Mit einem Preis von 7,40 Euro erreichte die Postaktie Anfang 2009 ihren absoluten Tiefststand. Nach einem erneuten Kurseinbruch 2011 geht es für das Unternehmen aber nur nach oben. Inzwischen notiert die Aktie bei 27 Euro. Das Unternehmen startet optimistisch ins neue Geschäftsjahr und will seiner Konkurrenz Markanteile abjagen. Der Konzern profitiert auch vom Wachstum des Internethandels, schließlich ist es die Post, die Päckchen von Amazon und Co. ihren Kunden nach Hause liefert.

Kursentwicklung (2009-2014): +290 Prozent

Daneben geht das Säbelrasseln in der Krim-Krise weiter. Im Schwarzen Meer begann ein gemeinsames Marinemanöver der USA mit Bulgarien und Rumänien. In Polen finden Luftwaffenmanöver statt. Am Sonntag wollen die meist russisch-stämmigen Bewohner auf der Halbinsel über einen Anschluss an Russland abstimmen, was der Westen für illegal und Russland für legal hält. Die Anleger machten vor diesem Hintergrund weiter einen Bogen um die Moskauer Börse. Die Leitindizes fielen dort um je zwei Prozent.

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5 Kommentare zu "Schlussbericht Börse Frankfurt: Dax im Krisen-Modus"

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  • @Schaarschmidt: Völlig korrekte Feststellung. Was ständig als Verdoppler und Outperformer gefeiert wird, ist noch lange nicht auf den alten Kursen. Infineon und Telekom sind doch die besten Beispiele. Alles Hochgerede nützt eigentlich nichts. Die Märkte stolpern von einer Krise in die nächste, wobei mir die Zeitabstände immer kürzer vorkommen.

  • Zusammen gebastelte Statistik:Wenn ich sehe,Infineon ist auf der eins.Mann oh Mann,Infineon emittierte zu 70,stieg bis 95 und dümpelt heute unter 10.
    Wissen Sie,ich bin ja für kreative Buchführung,aber bitte immer die ganze Wahrheit sagen.
    Alles andere ist "Nemax- Politik".Da verloren Aktien erst 98% an Wert ,verdoppelten sich dann und wurden als "Verdoppler" gefeiert,aber unter Strich bleibt trotzdem ein Verlust.
    Übrigens,Kursverluste von über 90%, bei mehr als 10 Jahren Haltedauer, gelten in der Branche als Totalverlust.

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Infineon-Emission-haelt-Boerse-und-Banken-in-Atem-20891.html

    Es gibt ja gute Werte,Google,Apple,Microsoft,Amazon.Wer da beim Börsengang oder zeitnah dabei war,hat auch jetzt noch eine gute Rendite.
    Microsoft kam splitbereinigt übrigens zu 6 US Cent im März 86 an die Börse und steht heuer bei über 38 US Dollar.

  • Wenn ich dir jetzt eine direkte Antwort gebe, wird man meinen Beitrag wohl auch wegzensieren;)

    Ich vermute ganz stark bei Palladium und etwas weniger stark bei Weizen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Krise und Preis. Das ist meiner Meinung nach allerdings nicht der einzige Zusammenhang: Bei Palladium spielen anscheinend noch ein paar Streiks eine Rolle usw.

    Wenn die Krise demnächst entschärft wird, dann vermute ich auch das sich das bei diesen Rohstoffen entsprechend des Stärke des Zusammenhangs im Preis widerspiegelt. Ob man long oder short geht hängt unter anderem vom Anlagehorizont und der erwarteten Krisendauer ab ;)

  • Der Weizenpreis ging nach oben, als sich die Krise entwickelte, weil die Ukraine ein Hauptlieferland dafür ist. Du meinst also, man solle Weizen shorten?

  • "Ich glaube nicht an einen Krieg, wohl aber an eine noch andauernde Auseinandersetzung mit Gazprom als politischem Druckmittel. "

    Da die Ukrainer nicht gewillt waren für die Krim entschlossen in den Krieg zu ziehen und die Europäer zumindest vordergründig Entschlossenheit zeigen eine Krimannexion nicht hinzunehemen, ist eine politische Lösung nun die wahrscheinlichere Alternative.

    Die Stimmung kann jetzt sehr schnell drehen, wenn nun doch mit Russland verhandelt wird. Ich bin also vorsichtig mit den Short Positionierungen. Wer auf ein schnelles Ende der Krise setzt kann sich mal Palladium und Weizen ansehen ;)

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