Schlussbericht Börse Frankfurt Dax schließt unter 8200 Punkten

Vor dem Fed-Zinsentscheid haben sich die Anleger am Mittwoch in Vorsicht geübt. Der Dax rutschte nach einer Berg-und Talfahrt am Ende ins Minus. Unter den Einzelwerten sorgte die Kabel Deutschland Ag für Aufsehen.
Update: 19.06.2013 - 17:55 Uhr 41 Kommentare

Welchen Kurs fährt die Fed?

FrankfurtWenige Stunden vor Abschluss der Fed-Beratungen zur Geldpolitik steigt die Nervosität an den europäischen Börsen. Der Dax wechselte am Mittwoch seine Vorzeichen mehrmals zwischen Plus und Minus. Am Ende ging er mit einem Minus von 0,39 Prozent auf 8197 Punkten aus dem Handel Der Euro Stoxx 50 fiel um 0,55 Prozent auf 2686 Punkte. Der Euro pendelte am Abend in einer engen Spanne um die Marke von 1,34 Dollar.

Im Mittelpunkt des Interesses steht für Anleger, ob Fed-Chef Bernanke eine Drosselung der Wertpapier-Käufe signalisiert und wann er damit beginnen könnte. Bislang pumpt die US-Notenbank mit diesen Geschäften monatlich 85 Milliarden Dollar in die Finanzmärkte. Sie hat sich außerdem dazu verpflichtet, so lange an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festzuhalten, bis die US-Arbeitslosenquote auf 6,5 von 7,5 Prozent gefallen ist.

"Die Fed wird wohl durchblicken lassen, dass sie vor allem die moderate Inflationsentwicklung im Blick behält", sagte Volkswirt David Kohl von Julius Bär. Damit habe die Fed genug Argumente in der Hand, um noch eine Weile bei ihren Anleihekäufen zu bleiben. Der Offenmarktausschuss (FOMC), der die US-Geldpolitik bestimmt, will seine Entscheidungen um 20.00 Uhr (MESZ) veröffentlichen. Eine halbe Stunde später will Bernanke vor die Presse treten.

"Sollte Bernanke andeuten, dass die Drosselung noch recht weit entfernt ist, werden Anleger erleichtert reagieren und die Aktien Kurs auf ihre jüngsten Hochs nehmen", sagte Philippe Gijsels, Chef-Analyst von BNP Paribas Fortis Global Markets. "Falls nicht, wappnen Sie sich für Nervosität und Volatilität." Mögliche Kursverluste wären aber nur vorübergehend und nicht der Auftakt zu einer längeren Talfahrt, betonte er.

Die einflussreichsten US-Notenbanker
Federal Reserve Vice Chair Janet Yellen addresses a conference in Washington
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Janet Yellen (Fed-Vizepräsidentin)

Yellen wird künftig die Feld leiten. Sie gilt als ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin und zugleich als Taube. Sie hat zwar ebenfalls ein Auslaufen der Konjunkturhilfen bei einer Besserung der Wirtschaftslage in Aussicht gestellt, macht aber aus ihrer Prioritätensetzung keinen Hehl: Für den FOMC müsse der Abbau der Arbeitslosigkeit im Zentrum stehen, auch wenn die Inflationsrate „zeitweise leicht über zwei Prozent“ liegen sollte.

Bernanke Testifies Before Joint Economic Committee On US Economic Outlook
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Ben Bernanke (Fed-Präsident)

Der Präsident ist qua Amt die wichtigste Stimme im Chor der Notenbanker. Er hat in der Finanzkrise die Geldschleusen sperrangelweit geöffnet, fährt aber eine pragmatische Linie und weiß geschickt zwischen den Lagern von Falken und Tauben zu vermitteln.

Vor dem Kongress hat er am 22. Mai angekündigt, dass das Staatsanleihen-Kaufprogramm „auf einer der nächsten Sitzungen“ heruntergefahren werden könne, falls sich die Beschäftigungslage nachhaltig aufhelle. Danach sieht es derzeit aber nicht aus, zuletzt war die Arbeitslosenquote sogar gestiegen.

Bernanke gilt als amtsmüde - ein Indiz ist seine Absage für die an den Märkten mit Spannung erwartete Notenbanker-Konferenz in Jackson Hole Ende August. Womöglich wird US-Präsident Barack Obama bereits in den nächsten Monaten einen Nachfolger bestimmen. Beste Chancen hat Bernankes Stellvertreterin...

Economic Club
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William Dudley (links im Bild, New York, FOMC-Vizevorsitzender)

Der enge Vertraute Bernankes plädiert dafür, nichts zu überstürzen. Die Fed solle noch „drei bis vier Monate“ warten, bis sie über ein Zurückfahren der Bond-Käufe entscheide. Bis dahin werde sich ein klareres Bild ergeben, wie weit die Konjunkturerholung gediehen sei. Zugleich betont Dudley, das Programm bleibe flexibel. Bei einer Eintrübung der Konjunktur könne das Tempo der Käufe auch wieder steigen.

Charles Evans, President and CEO, Federal Reserve Bank of Chicago, takes part in a panel discussion titled "Twist and Shout: The Limits of U.S. Monetary Policy" at the Milken Institute Global Conference in Beverly Hills, California
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Charles Evans (Chicago Fed)

Er gilt als Taube und ist für eine extrem lockere Geldpolitik im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Ein Ende der Bond-Käufe kommt für ihn erst in Frage, wenn der Jobmarkt über den Berg ist. Dazu legt er die Latte hoch: Über mehrere Monate müssten mindestens jeweils mehr als 200.000 neue Stellen geschaffen werden. Im Mai waren es lediglich 175.000.

The Federal Reserve Bank of Boston's President and CEO Eric S. Rosengren speaks during the "Hyman P. Minsky Conference on the State of te U.S. and World Economies", in New York
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Eric Rosengren (Boston Fed)

Auch er steht eher im Ruf, eine Taube zu sein. Rosengren schlägt vor, in einigen Monaten eine „moderate Verringerung“ der Bond-Käufe zu prüfen, falls sich der Arbeitsmarkt weiter erholt. Zunächst hatte er dafür einen Schwellenwert von 7,25 Prozent bei der Arbeitslosenquote genannt, der aus seiner Sicht Ende des Jahres erreicht werden könnte. Zuletzt stieg die Quote aber leicht auf 7,6 Prozent.

Handout photo of Kansas City Federal Reserve Bank President Esther George in the bank's boardroom in Kansas
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Esther George (Kansas City Fed)

Sie hält die Geldpolitik für zu locker und plädiert für ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen. Sie warnt, ein zu starkes Stimulieren der Wirtschaft werde die Inflation anheizen.

The Federal Reserve Bank of St. Louis' President and CEO James Bullard speaks during the "Hyman P. Minsky Conference on the State of the U.S. and World Economies," in New York
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James Bullard (St. Luis Fed)

Der Notenbanker sorgt sich um die Preisstabilität, allerdings nicht wegen möglicher inflationärer Auswirkungen der Geldschwemme, sondern wegen des derzeit zu niedrigen Preisauftriebs. Er möchte die Anleihe-Käufe solange fortsetzen, bis die Inflationsrate wieder auf den Zielwert der Fed von zwei Prozent gestiegen ist. Andernfalls drohe das Inflationsziel an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Im April ging die von der Fed beobachtete Teuerungsrate (PCE) in den USA auf 0,7 Prozent zurück.

Bankenverbands-Präsident Jürgen Fitschen erwartet dagegen bei einem Ende der Geldschwemme an den Finanzmärkten keine Panik der Investoren. "Wir stehen am Anfang eines Weges, der sehr gut vorbereitet wird", sagte der Top-Banker am Dienstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. "Auf diesem Weg gehen die Zinsen wieder nach oben." Es werde speziell in den USA soviel über ein baldiges Ende der ultra-lockeren Geldpolitik gesprochen, dass es niemanden mehr überraschen könne. "Dadurch wird eine Schockwirkung vermieden", betonte Fitschen, der auch Co-Chef der Deutschen Bank ist.

In Europa erwartet der Chef-Bankenlobbyist allerdings noch keine baldigen Zinserhöhungen. "Wir stehen im Euro-Raum gegenwärtig nicht vor einer geldpolitischen Wende", sagte er. "Im Gegenteil: Angesichts der sehr schwachen Konjunktur, der weiterhin rückläufigen Kreditvergabe, der sehr moderaten Inflationsrate sowie der hohen Arbeitslosigkeit wird die Niedrigzinsphase wohl noch bis weit ins nächste Jahr anhalten."

Übernahmeschlacht um Kabel Deutschland
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41 Kommentare zu "Schlussbericht Börse Frankfurt: Dax schließt unter 8200 Punkten "

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  • Na das hat doch toll funktioniert, Schluß auf Tageslow
    Daxfuture 8131

  • Wenn du schon so genau bist, es ging über 8240 am Nachmittag.
    Ausserdem was soll schon passieren. Einfach keine Derivate mit X handeln
    und um 20 Uhr werden die Computer sicher richtig aktiv werden und bis
    dahin abwarten, ich habe ein Limit eingegeben um dabei zu sein
    http://www.welt.de/finanzen/article117217924/Draghi-denkt-laut-ueber-weitere-Zinssenkung-nach.html

  • @ Marktbeobachter
    Soso," Vormittags Abverkauf... Nachmittags gibts "IMMER"
    höhere Kurse"
    DAX von 12:00 Uhr bis 13:30 Uhr von 8280 auf unter 8200 gefallen, von 8235 (normale Gegenbewegung) um 14.30 Uhr
    bis 16:30 Uhr neues Tageslow (Nachmittag?),nach kurzer Gegenreaktion 16:40 Uhr auf 8235, 10 Minuten später wieder Abverkauf unter 8200, ein nachmittag mit angesagtem Tageshoch sieht irgendwie anders aus

  • Na. sag ich doch, und da soll ein Buch spannender sein?
    Zitat:" Habe ich gar nicht bemerkt,das es Satire ist"
    Und die Ergüsse gehen weiter.

  • Was ihr nur habt. Bernanke wird nichts negatives sagen.
    Habe ich gar nicht bemerkt, das es Satire ist. Was soll blitzschnell
    ging der Dax gerade auf 8192 und schon wieder über 8228.
    Man dieses Derivat das ich beobachte hat 30 % zugelegt
    Aber dazu muss man wirklich fix handeln können. Aber besser man
    handelt es nach Xetraschluss da können die nicht verfallen egal ob
    der Dax dann kurzzeitig steigt oder fällt, abgerechnet wird er morgen
    wenn der Xetrahandel wieder läuft. Reichtum für Alle die das System
    nutzen können. Nachmittags steigt der Dax ja doch immer wieder!!!

  • Kein Buch kann so spannend sein wie die Selbstbeweihräuscherung von "X-Trader", dem Fehlerlosen,
    und die Theorie der Marktverschwörungen von "Marktbeobachter"

  • Vielen Dank für den Tip.Ich dachte immer Aktien sind da und Derivate sind dort.
    Ich bin überhaupt nicht auf die Idee gekommen ein Limit für billige Käufe reinzulegen,das kann ich bestimmt auch einen Tag vorher meiner Bank mitteilen, dann schlage ich den Casinotradern aber ein Schnippchen und bin auch mal dabei.

  • Ich glaub es nicht, der Herr "Marktbeobachter"
    erklärt wirklich Herrn "Marktvoyeur" die Börse.
    Erwähnt sogar das Telefonieren mit der Bank, ich fall vom Stuhl.Welch Realsatire, er merkt nicht wie er von "Marktvoyeur" hochgenommen wird, unfassbar.

  • Falls es doch mal eine Pause vom eifrigen Kommentieren gibt, empfehle ich ein schönes Buch von Robert Harris mit dem Titel "Angst". Da geht es um einen Handelscomputer, der sich verselbständigt...

  • Musst eben auch auf Aktien setzen , da gibts auch Derivate. Oder man legt eben einfach schon vorher seine Kauforders, dann ist man auch dabei.
    Bis Menschen überlegen und nachdenken und ihre Bank anrufen, haben andere
    schon wieder ihren Profit gemacht. Ist wie Casino, man setzt und nimmt Gewinne
    mit, solange bis Bernanke seine "Aussage" tätigt, ich glaube erst um 20 Uhr.
    Schon wieder günstiger der Dax

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