Schlussbericht Frankfurt Gerüchte lassen Dax rot schließen

Kurz vor Ende der Handelswoche wurde es am Finanzmarkt nochmal turbulent: Gerüchten zufolge will S&P Frankreich und andere EU-Länder herabstufen. Den Dax kostete es sein Plus. Der Euro fiel auf ein 17-Monats-Tief.
Update: 13.01.2012 - 17:58 Uhr 53 Kommentare
Händler an der Frankfurter Börse: Gerüchte über eine Herabstufung mehrerer Euro-Länder durch S&P schickten den Dax auf Talfahrt. Quelle: dapd

Händler an der Frankfurter Börse: Gerüchte über eine Herabstufung mehrerer Euro-Länder durch S&P schickten den Dax auf Talfahrt.

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Gerüchte um Rating-Herabstufungen europäischer Staaten haben den vorsichtigen Aufwärtstrend des Dax am Freitag gestoppt. Der deutsche Leitindex rutschte am Nachmittag deutlich ins Minus. Nach negativer Eröffnung der US-Börsen beschleunigte er seine Talfahrt noch, konnte die Verluste aber kurz vor Handelsschluss noch verringern und schloss 0,6 Prozent tiefer bei 6.143 Punkten. Zeitweise hatte der Dax mehr als 150 Punkte verloren.

Noch stärker rutschte der Euro ab, der auf 1,2677 Dollar zurückfiel. Auf Wochensicht hat der Dax gerade noch ein Plus von 1,4 Prozent geschafft.

Auslöser für den Kursrutsch waren Gerüchte, die Ratingagentur Standard & Poor's stehe unmittelbar vor einer Herabstufung mehrerer europäischer Staaten. Nachrichtenagenturen zitierten EU-Kreise, dass es noch am Freitag so weit sein könne. Das Gerücht, dass Frankreich seine Top-Bonitätsnote verlieren werde, wurde schließlich später durch französische Fernsehsender bestätigt. Deutschland dagegen komme ungeschoren davon. Allerdings wollte S&P sich nicht zu den Gerüchten äußern. Sicherheit wird es damit wohl erst am Abend geben. S&P's offizielles Statement wird nach Börsenschluss erwartet.

Die französischen Anleihen gerieten nach den Meldungen der Ratinggerüchte unter Druck. Die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen Bonds stiegen binnen weniger Minuten von rund drei auf 3,127 Prozent. Parallel dazu markierte der Bund-Future mit 140,23 Zählern ein neues Rekordhoch.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte Reuters, die Bonitätsherabstufung irritiere zwar kurzfristig die Märkte, sei aber kein großes Problem in einer Welt, in der auch die USA und Japan nicht mehr über das Spitzenrating AAA verfügten. „Dreifach-A ist ohnehin eine aussterbende Spezies“, sagte er.

Der Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland, Thorsten Polleit, wertet die wahrscheinliche Rating-Abstufung zahlreicher Euro-Länder, darunter auch Frankreich, durch Standard & Poor's (S&P) als Rückschlag für die Rettungsbemühungen in der Schuldenkrise. „Die Schultern der vermeintlichen finanzstarken Länder sind zu schwach, als dass sie die Lasten der maroden Länder übernehmen könnten“, sagte Polleit Handelsblatt Online. Die drohenden Herabstufungen signalisierten, dass sich die miserable Finanzlage der Staaten „nicht durch neue Kredittöpfe und Schuldenkollektivierung bereinigen“ lasse.

Aktuelle Ratings - vor dem Downgrade.

Aktuelle Ratings - vor dem Downgrade.

Im Vormittagshandel hatte die Emission italienischer Anleihen für Bewegung gesorgt. Nachdem das Land am Vortag sehr erfolgreich kurzlaufende Anleihen platziert hatte, waren die Erwartungen an die Auktion von Papieren mit drei- und sechsjähriger Laufzeit hoch. Ganz wurden diese allerdings nicht erfüllt, sodass der Dax-Kurs einen leichten Knick nach unten bekam, danach aber schnell wieder stieg. Am Donnerstag hatte das Mittelmeerland über Geldmarktpapiere zwölf Milliarden Euro eingenommen. Spanien erhielt mit zehn Milliarden Euro doppelt so viel Geld wie geplant.

Gerüchte kursierten am Nachmittag auch über die Bilanz der Lufthansa. Das Unternehmen müsse seine Gewinnprognose für 2011 senken, hieß es. Die Lufthansa dementierte aber sofort. Es gebe keine neuen Erkenntnisse, die an den Prognosen etwas ändern würden. Die Aktie der Lufthansa, die zeitweise um 3,5 Prozent abgerutscht war, verringerte ihr Minus daraufhin und schloss 1,2 Prozent tiefer.

Der Softwareentwickler SAP hat das beste Jahr seiner Unternehmensgeschichte hinter sich. Einen Umsatzzuwachs um 14 Prozent auf 14,23 Milliarden Euro konnte der Konzern am Freitagnachtmittag bekanntgeben. Mit einer um Sondereffekte und Wechselkurse bereinigten operativen Marge von 33,1 Prozent übertraf SAP seine selbstgesteckte Prognose von 32,5 bis 33 Prozent und beförderte damit den Aktienkurs deutlich nach oben. Einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr will das vor allem mit Oracle und Microsoft konkurrierende Unternehmen am 25. Januar veröffentlichen. Die Aktie von SAP war der größte Dax-Gewinner, die mit einem Plus von 3,6 Prozent schloss.

Griechenland bleibt Sorgenkind

Kopfschmerzen könnte den Investoren allerdings wieder einmal Griechenland bescheren. Griechenlands Regierung warnt vor neuen Finanzlöchern, wenn nicht alle Investoren beim notwendigen Schuldenerlass mitziehen. „Dies könnte der Fall sein, wenn nicht hundert Prozent der Halter griechischer Staatsanleihen am Schuldenschnitt teilnehmen“, sagte Vizefinanzminister Filippos Sachinidis gestern im griechischen Radio. „Dann wird eine zusätzliche Unterstützung von den Partnern im Euroland nötig sein“. Die Verhandlungen mit den privaten Investoren werden am Montag fortgesetzt werden.

Neben SAP konnten sich nur wenige Aktien ein grünes Vorzeichen erarbeiten. Nachdem der Dax ins Minus drehte gaben Bankaktien ihre hohen Gewinne vom Vormittag ab. Die Commerzbank-Aktie konnte 3,4 Prozent höher schließen. Auf Wochensicht ist die Commerzbank-Aktie einer der größten Gewinner im HDax. Die Aktien der Deutschen Bank gewannen 1,5 Prozent dazu. Der entsprechende europäische Branchenindex rückte um 0,5 Prozent vor. „Ebbt die Krise der Staatsanleihemärkte ab, ebbt auch die Bankenkrise ab“, sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank vor diesem Hintergrund.

Gutes US-Verbrauchervertrauen bleibt unbeachtet
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53 Kommentare zu "Schlussbericht Frankfurt: Dax schließt wegen Rating-Gerüchten im Minus"

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  • Gerade jetzt, wo es nur von Krise und Ratlosigkeit nur so wimmelt, ist der richtige Zeitpunkt, seine eigene Strategie durchzuziehen. Die Krise beginnt im Kopf und, wenn wir nicht aufpassen, lähmt sie uns und macht uns willfährig und handelsunfähig. Dagegen kann man was tun... mehr siehe auch unter http://www.diary-of-a-future-millionaire.blogspot.com

  • KeepCool, manchmal sind Sie "doch" ein bern- nünftiger Mensch; machen Sie mal folgendes. Lesen Sie stlilstisch und inhaltlich das Forum zum Rating auf faz.net, oder schreiben Sie Zauderlieseln herbei, oder den DGB, der Zwangsanleihen auf eigentum plant, oder lesen Sie das Wallstreet Journal, das zum EFSF und zur Bonität schreibt. Das Geld fließt in den Dollarraum und die Chinesen und Russen und Brasilianer werden Streuble die rote Karte zeigen... S&P ist ein Politikum deswegen muss darauf politisch reagiert werden. Ein gutes Wochenende

  • "Ihrer"? Aber OK. "Ich habe es ja nicht auf eine Wette angelegt": Das las sich aber anders. Egal: Ich könnte dann zwar nicht mehr zahlen, die Erben schon. Wäre also machbar. Alles eine Frage der Regelung. In diesem Sinne "lache" ich gerne auch post mortem.

  • Zitat deltaone: "Das letzte Hemd ist leer. Also die Wette, zu Lebzeiten nicht pleite zu gehen. Die nehme ich an. Einsatz?"

    Ich habe es ja nicht auf eine Wette angelegt. Mich interessiert mein finanzieller Wasserstand nur in eigenem Interesse. Ihrer ist mir letztlich egal.

    Aber ihr Wettvorschlag hat einen paradoxen Aspekt. Im Verlustfall könnten Sie gar nicht zahlen. :-)

  • Das letzte Hemd ist leer. Also die Wette, zu Lebzeiten nicht pleite zu gehen. Die nehme ich an. Einsatz? Bin Baujahr 1977... Stat. Lebenserwartung sehe ich mir Montag an

  • Das "Zuletzt" wird sich in der Praxis nicht realisieren lassen. Es ist die jeweilige Sekunde, nach der Asset-Location keine Relevanz mehr besitzt. Bis dahin sollte man durchhalten und nicht pleite gehen.

  • Gerne. Und wann ist zuletzt?

  • Zitat deltaone: "... insofern wünsche ich viel Dir viel Glück mit Deiner strategischen asset allocation (gemeint wie geschrieben). Ich mag den statischen Ansatz einfach nicht, Geschmacksfrage..."

    Es ist ja nicht so, dass meine Strategie absolut statisch ist; nur ist die Frequenz der Depotumwälzung vergleichsweise gering.

    Über das endgültige Ergebnis sollten wir erst ganz am Ende diskutieren. Nur wer zuletzt noch lacht...

  • Als allererstes möchte ich hierauf noch etwas schreiben:

    Zitat R2D2: "Wer keine Volatilität aushält und sich die Hosen dabei vollmacht, soll sich Pampers kaufen gehen und vom Markt fern bleiben. Punkt aus !!!"

    Dieser Spruch zeugt von einer Unmenge an Arroganz. Das sagt mehr über den Schreiber aus als über mich.

    Für Sie kann ich nur hoffen, dass die Überlegenheit, die Sie sich selbst zumessen, lange anhalten wird. (Sie müssen hoffen, dass die Volatilität Sie niemals zum Kentern bringen wird.)

  • Ach ja,Kommentar Frank Mayer von N-tv am morgen,der weg ist frei bis 1,30 €/$ bzw. 1,30 $/€ nach brealy Myers Theorie....

    vorsicht vor solchen Kommentaren,weg frei nach unten auf xxxx bedeutet auch oft genug das es nach oben geht.
    Ich bleibe in meiner herumschubs-Range bei Financials....20% auf 2-4 wochensicht immer drin und nicht mal viel zu tun bei....

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