Schlussbericht Griechen-Chaos vermasselt Dax-Bilanz

Einer achten Dax-Gewinnwoche in Folge machte Hellas einen Strich durch die Rechnung. Äußerungen griechischer Politiker mehrten die Zweifel an einer Rettung Griechenlands und ließen den Dax einknicken.
Update: 10.02.2012 - 17:48 Uhr 47 Kommentare

Börse Frankfurt am Abend

DüsseldorfSieben Wochen hintereinander konnte der Dax ein Wochenplus verbuchen. Die achte Gewinnwoche in Folge fiel allerdings ins (griechische) Wasser: ein Verlust von 0,5 Prozent steht nämlich zu Buche. Heute sorgten Zweifel an einer Rettung Griechenlands seit Handelsbeginn für fallende Kurse. Die Talfahrt wurde am Nachmittag durch Äußerungen griechischer Politiker, dass sie das Sparpaket nicht mittragen würden, verschnellert. Die ausschreitenden Demonstrationen in Griechenland verstärkten noch den Eindruck einer geteilten Nation. Der Deutsche Leitindex schloss schließlich 1,4 Prozent tiefer bei 6.692 Punkten.

Der Parteichef der griechischen Rechten hat am Freitag angekündigt, das mit der EU, EZB und IWF vereinbarte Sparpaket im Parlament nicht mitzutragen. Im Parlament hätte die Regierung auch ohne der rechten Partei von Karatzaferis eine Mehrheit, allerdings belastete dies die Stimmung. Am Morgen sorgte die Äußerung von Eurogruppen-Chef Jean Claude Juncker, dass noch nicht alle rund um das Sparprogramm gemachten Auflagen erfüllt seien, bereits für fallende Kurse.

„Trotz der Einigung der Regierungsparteien in Athen bleiben die Anleger skeptisch, ob Griechenland die Pleite wirklich abwenden kann“, sagte Jonathan Sudaria von Capital Spreads. Die endgültige Entscheidung der Euro-Länder über das zweite Rettungspaket für Griechenland wurde auf Mittwoch vertagt. Einige Börsenteilnehmer verwiesen auch auf mögliche Gewinnmitnahmen nach der Rally der letzten Wochen.

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Griechenland verhagelte heute die Stimmung. Aus dem achten Wochenplus wurde deshalb nichts. Quelle: AFP

Ein Händler an der Frankfurter Börse: Griechenland verhagelte heute die Stimmung. Aus dem achten Wochenplus wurde deshalb nichts.

(Foto: AFP)

Im Dax leiden unter schlechter Stimmung bezüglich Griechenland die Finanzwerte immer am stärksten. Die Commerzbank-Aktie beendete den Handel als Dax-Schlusslicht mit einem Abschlag von 5,16 Prozent. Für die Papiere der Deutschen Bank ging es vier Prozent nach unten. Dagegen sorgte ein Lob von Goldman Sachs bei der Infineon-Aktie für steigende Kurse. Die Papiere des Halbleiterherstellers schlossen im Dax 0,1 Prozent gegen den Trend höher. Die Halbleiter-Industrie erhole sich schneller als gedacht, hieß es in dem Kommentar der Analysten.

Eine Reihe von Kurszielerhöhungen bescherte der Daimler-Aktie ein Kursplus. Die Aktien des Autobauers gaben aber mit dem Gesamtmarkt nach und schlossen 0,7 Prozent schwächer. Am Donnerstag hatten sie 4,6 Prozent gewonnen. Die Analysten erhöhten die Kursziele in Reaktion auf die am Vortag veröffentlichten Geschäftszahlen des Konzerns. Den 2011 um ein Viertel auf neun Milliarden Euro nach oben geschraubten Betriebsgewinn will der Stuttgarter Autobauer auch in diesem Jahr halten.

Spannung in der zweiten Reihe

Commerzbank

WKN
ISIN
Börse

Chart von Commerzbank
Commerzbank
1 von 18

Commerzbank: Optimismus kehrt zurück

Im Wochenverlauf wurde die Börsenstimmung immer besser. Neue Chancen auf eine zumindest vorläufige Entspannung für Griechenland beflügeln die europäischen Banken. Am Mittwoch schossen Commerzbank-Aktien um bis zu zehn Prozent in die Höhe. Auslöser war die Diskussion um mögliche Zugeständnisse der EZB bei den Verhandlungen um einen Schuldenschnitt. Auch Donnerstag ging es weiter bergauf, nachdem sich die Zustimmung der griechischen Übergangsregierung zum Reformpaket abzeichnete.

Alpha Bank

WKN
ISIN
Börse

Chart von Alpha Bank
Alpha Bank
2 von 18

Alpha Bank: Ungewissheit spiegelt sich im Kurs

Stark schwanken indes die Aktien griechischer Banken, zum Beispiel der Alpha Bank. Das Schicksal der Institute ist eng an das des überschuldeten Staates geknüpft. Und an die Frage, wie sich die Banken rekapitalisieren können. Sogar von Verstaatlichung war die Rede. Die Sorgen hatten sich zuletzt zerstreut. „Es sieht danach aus, dass eine Kombination von Instrumenten genutzt wird und dadurch das Risiko einer Verstaatlichung sinkt“, erklärt Natascha Roumantzi, Chef-Analystin bei Piraeus Securities. Am Montag legte der Branchenindex um bis zu zwölf Prozent zu. Alpha Bank, Piraeus Bank & andere gewannen in der Spitze 20 Prozent. Doch dann errang die Unsicherheit über die Zukunft Griechenlands und damit auch seiner Bankenlandschaft wieder die Oberhand.

DEUTSCHE BOERSE AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005810055
Börse
L&S

-0,39 -0,33%
+114,94€
Chart von DEUTSCHE BOERSE AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Börse
3 von 18

Deutsche Börse: Anleger begrüßen Klarheit

Obwohl die Fusion der Deutschen Börse mit der Nyse Euronext geplatzt ist, stieg die Aktie bis Wochenmitte unaufhaltsam weiter. „Die Entscheidung war keine Überraschung mehr; die Anleger sind einfach nur froh, dass die Hängepartie vorbei ist und man sich bei der Börse nun wieder auf das eigentliche Geschäft konzentrieren kann“, begründet ein Händler die zunächst verblüffende Entwicklung. Die Analysten der UBS halten das Börsenunternehmen zudem von den Fundamentaldaten her für ein attraktives Unternehmen.

DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007100000
Börse
L&S

+0,26 +0,46%
+57,59€
Chart von DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Daimler
4 von 18

Daimler: Rekordgewinn lockt Investoren an

So richtig gut läuft es derzeit für den schwäbischen Autobauer Daimler. Der weist für 2011 den größten Gewinn der Firmengeschichte aus. Offenbar hatten am Donnerstag viele damit nicht gerechnet. Sie griffen bei der Aktie zu, die vier Prozent gewann und damit zu den größten Gewinnern im Dax gehörte. „Die Zahlen sind super, die Dividende ist hoch, das gefällt den Anlegern“, sagte ein Händler, „der deutliche Anstieg der Aktien seit Jahresbeginn ist also durchaus gerechtfertigt.“ Daimler-Papiere haben seit Januar mehr als 30 Prozent zugelegt.

RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007037129
Börse
L&S

-0,09 -0,43%
+21,28€
Chart von RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
RWE
5 von 18

RWE: Harter Sparkurs kommt gut an

Beeindruckt zeigen sich Analysten vom ehrgeizigen Sparprogramm, mit dem der Versorger RWE wieder auf Rentabilitätsspur kommen will. Die Aktienstrategen der HSBC stuften die Titel am Montag hoch. LBBW-Analyst Bernhard Jeggle denkt angesichts des „überraschend hohen Volumens der zusätzlichen Einsparungen“ über eine Anhebung seiner Prognosen nach. Am Montag gab dies den RWE-Aktien einen Schub; sie setzten sich an die Spitze des Dax.

Hugo Boss

WKN
ISIN
Börse

Chart von Hugo Boss
Hugo Boss
6 von 18

Hugo Boss: Börse mit Quartalszahlen zufrieden

Es war auch eine Woche der zweiten Reihe. Neben Schwergewichten legten viele MDax- und kleinere Unternehmen Zahlen vor, zum Beispiel Hugo Boss am Donnerstag. Der deutliche Umsatz- und Ergebnisanstieg im vierten Quartal hat die Anleger sehr erfreut. Zeitweise führten die Aktien die Gewinnerliste im MDax an. „Das sind Top-Zahlen, und auch für das laufende Jahr strahlt der Konzern Zuversicht aus“, begründete ein Händler den Schub.

Grenkeleasing

WKN
ISIN
Börse

Chart von Grenkeleasing
Grenkeleasing
7 von 18

Grenkeleasing: Ergebnis überzeugt Anleger

Auch der Softwarevermieter Grenkeleasing überzeugte die Börse. Am Mittwoch spiegelte sich die deutliche Gewinnsteigerung im Anstieg des Aktienkurses. Der führte die Titel im frühen Geschäft an die Spitze des SDax. Das Unternehmen verbuchte 2011 beim Konzerngewinn ein Wachstum von 41 Prozent. Auch für 2012 äußerte sich Grenkeleasing positiv. Die Zahlen seien besser als erwartet ausgefallen, und auch der Ausblick sei sehr ehrgeizig, da gebe es nichts zu meckern, sagte ein Händler.

An der Wall Street sorgte die Nachricht vom Chaos in Griechenland für Verluste. Der Dow Jones notiert ein Prozent im Minus. Ebenfalls negativ: Die Stimmung der US-Verbraucher hat sich im Februar leicht eingetrübt. Der Index von Thomson Reuters und der Universität Michigan fiel nach vorläufigen Berechnungen vom Freitag auf 72,5 Punkte von 75,0 Zählern im Vormonat. Experten hatten im Schnitt mit 74,5 Punkten gerechnet. Die Finanzlage der Konsumenten bleibe schwach, hieß es. „Die Verbraucher sind derzeit weiter sehr skeptisch, was die Erholung angeht“, sagte Analyst Boris Schlossberg von GFT Forex.

Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus. Zuletzt gab es einige vielversprechende Konjunkturdaten. Vor allem am Arbeitsmarkt ging es bergauf - wenn auch langsam.

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47 Kommentare zu "Schlussbericht: Griechen-Chaos vermasselt die Dax-Bilanz "

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  • piss off, lousy little lobotomized braindead.
    @Handelsblatt: Und schon wieder ein derartiger Schmutz, wann wird dieser endlich entfernt?

  • Den Markt interessiert der Griechen"kram" wohl eher peripher, scjließlich dauert er lange genug und der Kram dürfte im großen und ganzen bei den pros öängst eingepreist sein..
    Aber sowas Journalisten erklären zu wollen: da brennen denen eher die Schlagzeilen ab, bevor die irgendwas davon begreifen geschweigen denn verstehen wollen oder können bis zur nächsten Redaktionskonferenz.

  • Alles Geschwafel, eine einzige Meldung (egal ob wahr oder richtig) dass Griechenland ganz toll alles umsetzen wird und schwupp gehts wieder nach oben. Garantiert wird das so kommen denn wer informiert ist der weiss weshalb man dieses LAnd nicht pleite lassen gehen wird, da sonst 5 Finanzriesen auf einen Schlag untergehen würden.

    Also keine Panik und nachkaufen...sogar mit der dämlichen Alpha Bank wird sich ein kurzer Reibach machen lassen.

  • Die Aussage, dass das Griechen-Chaos die Dax-Bilanz vermasselt hat, ist doch Quatsch. Der Dax ist reif für eine Korrektur in Richtung 6000 Punkte. Danach kann/wird der Dax die 7000 Punkte anpeilen, vermutlich auch erreichen und dann wieder konsolidieren. Würde der Dax jetzt ungebremst immer weiter steigen, wäre die unweigerlich folgende Korrektur um so heftiger. Der aktuelle Rückschlag ist gesund und nötig. Man sollte die Gelegenheit nutzen und das eine oder andere deutsche Qualitäts-Papier kaufen.

  • Das ist die gerechte Strafe für die Zocker . Hoffentlich

    unter die 6000 .

    Zugleich kann auch die Goldblase platzen .

    Is doch toll !

  • bei Zeus: "Identitätsdiebstahl" trifft´s wohl sehr gut...

  • Apple hat doch die besten Zeiten gesehen...die werden irgendwann genauso in der Versenkung verschwinden, wie Telekom

  • jeder Rückfall bedeutet: günstige Einstiegskurse...der Markt hat noch lange nicht genug. 7000 Ende Februar

  • wie alt bis Du denn? 15? Warum soll jemand Dir glauben? Heißt Du Edouard Carmignac? Na siehst...Du Ahnungsloses Häschen

  • Mache Beiträge sind leicht verwirrend. Entweder ich bin nicht ganz auf der Höhe, oder es liegt hier wieder ein Fall von "Identitätsdiebstahl" vor?

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