Schwache Wochenbilanz Dax unter Druck – und für die nächsten Börsentage gibt es keine Entwarnung

Die Aktienmärkte beenden eine verlustreiche Woche. Schwache Konjunkturdaten könnten in der neuen Börsenwoche gleich den nächsten Dämpfer liefern.
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Der deutsche Leitindex gab während der abgelaufenen Woche phasenweise mehr als vier Prozent nach. Quelle: Reuters
Börsentafel auf dem Frankfurter Parkett

Der deutsche Leitindex gab während der abgelaufenen Woche phasenweise mehr als vier Prozent nach.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDiese Wochenbilanz an der Börse möchten Aktien-Anleger gleich wieder vergessen: Der Dax verlor deutliche mehr als drei Prozent. Die Tatsache, dass das wichtigste deutsche Stimmungsbarometer in diesem Jahr bereits viermal stärkere Wochenverluste verbuchte, kann kaum zur Schmerzlinderung beitragen. Immerhin gelang am Freitag eine kleine Erholung: Mit 12.579 Punkten schloss der Dax ein halbes Prozent fester als am Vortag.

Aus der globalen Brille zählt der vom US-Präsidenten angezettelte Handelsstreit zu den großen Belastungen. „Trumps mit Blick auf die Kongresswahl im November betriebener Handelskonflikt hat die weltweite Konjunkturstimmung eingetrübt“, urteilt beispielsweise Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank.

Die Akteure an den Märkten sind stark verunsichert. Laut einer groben Schätzung der Analysefirma EPFR zogen internationale Anleger in der vergangenen Woche rund acht Milliarden Dollar aus globalen Aktienfonds ab – das ist ein vergleichsweise hoher Wert.

Die gegenseitige Auferlegung von Zöllen betrifft in erster Linie die USA, China und Europa als Konstrukt. Auf europäischer Seite jedoch ist Deutschland besonders anfällig. „Tatsächlich sind erste Reibungsverluste in der exportsensitiven deutschen Wirtschaft zu erkennen“, meint Halver. Das Ifo-Institut etwa hat seine Wachstumsprognosen bereits deutlich abgespeckt.

Die Belastungen schlagen auch auf erste Unternehmen durch. Daimler verschreckte am Donnerstag mit einer Gewinnwarnung für das kommende Jahr. Der Autohersteller begründete das mit denkbaren höheren chinesischen Zöllen für die in den USA hergestellten Fahrzeuge. Nach dem Kursrutsch war die Aktie so billig wie seit zwei Jahren nicht. Nach Jahrzehnten eines immer weiter wachsenden Freihandels deutet sich für die hiesigen Unternehmen ein Strukturbruch an.

Italien als Krisenherd

Unter diesen Voraussetzungen geben die Analysten des Bankhauses M.M. Warburg einen zurückhaltenden Ausblick auf das zweite Börsen-Halbjahr: „Der Schlüssel für die Aktienmarktentwicklung liegt vor allem in den Händen Donald Trumps.“ Anleger müssten sich in den nächsten Monaten auf erratische Kursbewegungen einstellen.

Auch die politische Situation in Italien hat sich längst als zentraler Belastungsfaktor etabliert. Die Südeuropäer haben mittlerweile eine euro-kritische Position eingenommen. Außerdem plant die Regierung schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme.

Jüngst wurden zwei enorm europaskeptische Politiker als Besetzung für wichtige Parlamentsausschüsse bekanntgegeben. Die Personalien waren erwartet worden. Dennoch reagierten die Märkte erst bei der Bekanntgabe – dann aber deutlich. Die Renditen der italienischen Staatsanleihen sprangen massiv nach oben.

Die Analysten des Bankhauses Metzler sprechen deshalb von mangelnder Antizipationsfähigkeit der Märkte. „Der Konfrontationskurs Rom gegen Brüssel wird aufrechterhalten – und das muss der Markt kurz- bis mittelfristig deutlicher widerspiegeln“, so die Experten.

Ganz ähnlich denkt Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentausschusses beim französischen Fondshaus Carmignac. „Die Finanzmärkte werden eine bewusste weitere Ausweitung der Haushaltsdefizite wohl kaum positiv aufnehmen“, glaubt er. Die zehnjährige italienische Staatsanleihe rentiert derzeit bei 2,7 Prozent – etwa einen Prozentpunkt höher als vor zwei Monaten.

Vor diesem Hintergrund werden Anleger die in der kommenden Woche anstehenden Wirtschaftsdaten darauf prüfen, ob sie Signale für eine geschwächte Konjunktur liefern. Am Montag könnte der Ifo-Geschäftsklimaindex eine eingetrübte Stimmung angesichts eines drohenden Handelskrieges widerspiegeln.

Am Dienstag steht die Konsumentenstimmung in den USA an, mit möglicherweise guten Daten. Mittwoch folgen die Auftragseingänge. Am Freitag stehen die Einkommen und Ausgaben der Verbraucher auf dem Terminplan. Von diesen Zahlen erhoffen sich Anleger Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten US-Zinserhöhungen. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Am Donnerstag und Freitag werden die Inflationsdaten aus Deutschland und der Eurozone im Mittelpunkt stehen. Im Mai war die Preissteigerung höher als zuletzt. Am Donnerstag steht außerdem das deutsche Konsumklima auf der Agenda.

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