Schweizer Franken und Aktien Der Ausverkauf geht weiter

Die Schweizer Börse findet auch am Tag nach der Freigabe des Franken kein Halt. Der Leitindex SMI verliert fast sechs Prozent, die Kurse von Bankaktien brechen ein. Der Schweizer Markt steht vor der Zerreißprobe.
Update: 16.01.2015 - 11:56 Uhr 21 Kommentare

Der Tag nach dem Kurssturz

Die überraschende Freigabe des Franken sorgt am Freitag für ein heftiges Nachbeben an der Schweizer Börse. Der Leitindex SMI verlor 5,7 Prozent auf 7934 Punkte. Händler sprachen nach dem Kurssturz von knapp 470 Punkten von einem „anhaltend nervösen Geschäft“. Am Vortag gab es beim wichtigsten Aktienbarometer in Zürich einen historischen Kurseinbruch von zeitweise fast 14 Prozent. Am Ende stand ein Minus von 8,67 Prozent.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte am Morgen vollkommen unerwartet die seit September 2011 geltende Koppelung des Franken an den Euro aufgehoben. Damit war der Franken seit mehr als drei Jahren künstlich billig gehalten worden - als Schutzschirm für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft. Der Frankenkurs schoss unmittelbar nach der Entscheidung in die Höhe.

Die Aktien von Julius Bär rutschten am SMI-Ende um weitere 8,3 Prozent auf 37,3 Franken ab. Barclays-Analyst Jeremy Sigee sieht die Investmentbank als größten Verlierer der Franken-Aufwertung in der Branche.
Die schon am Vortag gebeutelten Papiere von Swatch verloren heute weitere 7,2 Prozent. "Der Schritt der SNB ist ein Tsunami, für die Exportwirtschaft und für den Tourismus, letztlich für das ganze Land. Es fehlen mir die Worte," erklärte Swatch-CEO Nick Hayek gestern per E-Mail. Sein Unternehmen ist exportabhängig und von der Aufwertung des Franken besonders betroffen.

Die Anteile am Telekomkonzern Swisscom, der aufgrund des starken Inlandsgeschäfts kaum abhängig ist von der Währungsentwicklung, hielt sich wie schon am Vortag am besten in dem Index. Selbst diese Aktie verlor aber 2,2 Prozent. John Greenwood, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Invesco verliert trotzdem nicht seinen Optimismus: „Auch wenn Schweizer Aktien auf Basis Schweizer Franken Wertverluste verzeichnet haben, sind sie auf US-Dollar-Basis weitgehend gestiegen“.

Der Franken kostet weiter fast einen Euro. Am Freitagvormittag wurde die Schweizer Währung am Devisenmarkt mit rund 0,99 Euro gehandelt. Das ist rund ein Fünftel über dem Niveau der vergangenen Zeit. Am Vortag hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Märkte mit dem überraschenden Beschluss geschockt, die seit September 2011 geltende Koppelung des Franken an den Euro mit sofortiger Wirkung aufzugeben. Daraufhin war der Franken-Kurs sofort in die Höhe geschossen.

Wie reagieren die Schweizer Notenbanker
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21 Kommentare zu "Schweizer Franken und Aktien: Der Ausverkauf geht weiter"

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  • Ich verstehe die Emotionalität mancher Kommentare hier nicht.

    Dass es Währungsschwankungen gibt und dass das Koppeln von Währungen an andere, größere, fast nie langfristig funktioniert, ist nichts Neues. Gute Beispiele gibt es zum Beispiel aus Argentinien.

    Daraus muss man doch keine Weltuntergangs-Theorien über die Eurozone zusammenspinnen. Die Schweiz ist ein kleines Land am Rand der Eurozone, dessen exportierende Unternehmen nun ein Problem haben. Dem Mittelstand hier in Deutschland geht es im Vergleich dazu besser.

  • Ja, so ist es. Durch den Euro-Sozialismus haben wir in D viel zu niedrige Preise und Löhne. Da hat mein Vorredner den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen. Was ist denn daran so schwer zu verstehen?

  • Sind sie auch davon ausgegangen, dass die Schweizer wussten was sie tan als sie den CHF an Euro 3 Jahre lang angekopplet haben? Dann nehme ich an, dass sie bis gestern ein Euro Verfechter waren.

  • Dies ist ihre Prognose. Viele haben prognostiziert (vielleicht auch Sie, dass der Euro vor 2 Jahren verschwindet). Demut für die dummen Prognosen hat noch keiner gezeigt.

  • Tja, und da soll der Euro shuld sein? Also der Grund, dass sie von Ihrer Firma zu wenig bezahlt werden ist der Euro!!!! Ungalublich

  • Der Franken hat nur das nachgeholt an einem Tag was der Dollar in 6 Monaten gemacht hat.
    Der Schreck wird nachlassen, die Schweiz wird innovativ sein müssen um den Vorsprung zu halten. ABER: Die werden das schaffen und stärker aus dieser Situation rausgehen als sie reingegangen sind.
    Bei uns in D ist es eher anders herum...

  • Sie leben in einem Paralleluniversum. Von welchen schweizer Problemen reden Sie? Die sind allenfalls marginal. Their problems are otherones dreams. Und wer hat in D durch den Euro Vorteile? Ganz sicher nicht der Leistungsträger, der seine hochqualifizierte Arbeit gegen Euro-Lira verramscht, damit sich die Bosse der exportorientierten, multinationalen Konzerne darüber freuen können. Ein Ex-Kollege von mir, wahrlich kein helles Licht, ist vor 3 Jahren von D in die Schweiz gewechselt, der kriegt jetzt wechselkursbereinigt mehr als das doppelte wie ich, aufgrund des leistungsfördernden Steuersystems Netto sogar fast das 3-fache, da komme ich mir, wie alle Leistungsträger, langsam blöd vor, wenn ich es ihm nicht nachtue. Wenn wir Deutschen mittlerweile in die Schweiz kommen, kann ich mir in etwa vorstellen, wie die Ossies sich vor der Wende gefühlt haben müssen, wenn sie in den Westen kamen

  • Short SMI. Petit, egal, La Suisse.

  • Sehr geehrter Herr Müller,

    Sie haben völlig recht. Als Teil des deutschen Volkes möchte ich mich bei Ihnen für diese Behandlung entschuldigen. Das Medien und Politiker mit dem einzigen souveränen Staat in Europa mit einer echten Demokratie so respektlos umgehen zeigt nur, wie stark die antidemokratische Haltung in allen Rängen der Macht in Deutschland ist. Unsere parlamentarische Demokratie ist eben nur eine verdeckte Plutokratie bzw. Parteien-Diktatur.

    Sie sind zu recht stolz auf ihr Land und ihre Landleute. Sie wissen garnicht wie oft ich mir wünsche, auch Schweizer zu sein :)

    Bitte lassen Sie nicht nach und bewahren sie die einzige Demokratie auf diesem Planeten mit ihrem Einsatz.

    Viele Grüße aus Frankfurt

  • Bloß die Freude wird nicht lange währen. Was uns das erst einmal kosten wird. Merkel hat ja schon angekündigt griechenland im Euroland ein Wohlfühlplatz zu verschaffen....what ever it´s takes.

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