Schwellenländer-Investoren Franklin Templeton verliert in Argentinien Milliarden mit riskanten Anleihewetten

Der bekannte Bondsmanager Michael Hasenstab hat auf argentinische Anleihen gesetzt – und in der jüngsten Krise viel Geld verloren. Auch andere Fondshäuser leiden.
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Währungssturz und Inflation schrecken Anleger. Quelle: National Geographic Magazines/Getty Images
Argentinische Flagge

Währungssturz und Inflation schrecken Anleger.

(Foto: National Geographic Magazines/Getty Images)

FrankfurtDas Debakel an den argentinischen Finanzmärkten trifft die große US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments hart. Vor allem der bekannte Anleihemanager Michael Hasenstab hält größere Positionen und dürfte nach Marktschätzungen einen Milliardenverlust erlitten haben. Allein in drei der für Europa zugelassenen Bondfonds mit einem Kapital von 43,8 Milliarden Dollar stecken vier Milliarden Dollar in argentinischen Staatsanleihen.

Hasenstab ist bekannt für mutige Entscheidungen, die nicht immer so ausgehen wie erwartet. Zeitweise besaß er größere Anleihebestände von Ländern wie Ungarn, Ukraine, Irland, Ghana oder der Mongolei.

Noch im Juni sagte der Stratege dem Handelsblatt zu seinen Argentinienpositionen: „Dort scheint die Wende zum Besseren absehbar. Das sollte den Anleihen nutzen.“ Doch es kam anders – vorerst. Seit dem Frühjahr fiel beispielsweise der Anteilspreis des „Emerging Markets Bond Fund“ um 16 Prozent.

Argentinien steckt in einer Krise. Die Landeswährung hat seit Jahresbeginn die Hälfte an Wert verloren. Die Inflation schießt durch die Decke. Experten sehen die Ursache in unsolider Haushaltsführung und zu hoher Verschuldung. „Argentinien braucht dringend Devisen, um den Währungsverfall zu stoppen und das Land vor einer Hyperinflation zu bewahren“, urteilen die Analysten des Bankhauses Metzler.

Ausländische Investoren wie Hasenstab haben die Turbulenzen voll getroffen. Die Rendite der zehnjährigen Dollar-Staatsanleihe hat sich seit Jahresbeginn fast verdoppelt und liegt bei 10,5 Prozent, ihr Kurs ist fast ein Viertel gefallen.

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Hasenstab kann den rapiden Absturz des argentinischen Pesos in den vergangenen Handelstagen nicht nachvollziehen. „Das ist getrieben durch gestiegenes Risikoempfinden bei Anlagen in Schwellenländern und spekulative Attacken“, glaubt er. Im Kern will er markante Fehlinformationen über die wahren Finanzierungsverhältnisse im Land ausmachen.

Die Diskussionen rankten sich um den 50-Milliarden-Dollar-Kredit des Internationalen Währungsfonds für Argentinien und die Unterstützung des Fiskalprogramms durch den IWF: „Das sollte keine Finanzierungsfragen für 2018 und 2019 offenlassen“, unterstreicht der optimistische Hasenstab.

Neben der Regierung und ihrer Politik spielt auch die Notenbank eine entscheidende Rolle in dieser turbulenten Phase. Die Zentralbank hatte den Zins auf 60 Prozent erhöht, um den Währungsverfall zu stoppen und auch die Inflation auf erträglichem Niveau zu halten.

Der Templeton-Mann sieht darin ein gutes Zeichen, auch wenn es Zeit dauern werde, bis die Märkte wieder Vertrauen fassen würden. „Kurzfristig dürften die Märkte noch in der Stressphase sein, aber die argentinischen Institutionen folgen unserer Meinung nach der richtigen Politik.“

Ist bekannt für unkonventionelle Anlageentscheidungen. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Michael Hasenstab

Ist bekannt für unkonventionelle Anlageentscheidungen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Für Stefanie Ebner waren es viele Einzelschritte, die nun die Turbulenzen ausgelöst haben. Die Emerging-Markets-Expertin bei der DWS sieht den Kern des Dilemmas in der sehr kurzfristigen Finanzierungspolitik des Staates. Bereits seit Jahresbeginn habe die Nachfrage der Investoren nach Schuldtiteln nachgelassen. Die Bitte der Regierung an den IWF aus der vergangenen Woche, die zugesagten Kredite bereits im kommenden Jahr bereitzustellen, habe Vertrauen gekostet.

„Die Regierung hat jetzt kaum noch Fehlerspielraum, sie muss das Problem gemeinsam mit dem IWF lösen, damit die Investoren zurückkehren“, sagt Ebner. Sie erwartet den Test in den kommenden Wochen. Dann würden die großen US-Investoren nach der Sommerpause wieder stärker im Markt aktiv sein. Und die seien die entscheidenden Anleger in Südamerika.

Andere Fondshäuser sind ebenfalls in Argentinien engagiert. Eine globale Übersicht des Datenanbieters Morningstar zeigt allerdings, dass bei den Privatanlegerfonds Franklin Templeton Investments die größten Positionen hält.

Zwar halten auch einige andere Anbieter in Anleiheprodukten teilweise prozentual zweistellige Argentinienquoten. Diese Fonds sind dann jedoch deutlich kleiner. Zu den bekannteren Adressen zählen beispielsweise Bluebay, Investec, Janus Hendersen, HSBC, MFS, Fidelity Investments und JPMorgan Asset Management.

Argentinien ist kein Einzelfall. Längst sind andere Schwellenländer wie die Türkei ebenfalls in der Krise. „Die Ansteckungseffekte dürfen angesichts der Dynamik der Währungsbewegung nicht unterschätzt werden“, warnen die Experten des Bankhauses Metzler.

Gefährdet seien insbesondere Länder mit Leistungsbilanzdefiziten wie etwa Indien, Indonesien, Kolumbien und Südafrika. Schwellenländer müssten bis Ende nächsten Jahres fast drei Billionen Dollar an Schulden refinanzieren.

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